Georg Kohler: »Es zählt zu unseren Aufgaben, die Kunden zu informieren und zu beruhigen«Ausgabe 13 | Mittwoch, 25. März 2020

Georg Kohler, Geschäftsstellenleiter der Kärntner Sparkasse in Wolfsberg, gibt Einblick über die aktuelle Bankensituation in Zeiten der Coronakrise und spricht über Maßnahmen, die in der Filiale getroffen wurden, Kredite, Wertpapiere und das tägliche Bankgeschäft.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Philipp Tripolt Von Philipp Tripolt tripoltno@spamunterkaerntner.at
Nachdem sich in der Bevölkerung Verunsicherung breit machte, wurde vermehrt Bargeld behoben. Aktuell ist die Situation in der Wolfsberger Geschäftsstelle (Bild oben) aber ruhig, wie Georg Kohler (Bild unten), Leiter der Geschäftsstelle, versichert. Foto: UN/much, Kärntner Sparkasse

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Geschäftsstellenleiter Georg Kohler

Wolfsberg. In Zeiten der Coronakrise ist vor allem auch der Bankensektor ein wichtiges Thema. Viele Leute haben Angst um ihr Erspartes, sorgen sich um die Entwicklung auf den Finanzmärkten oder bunkern zur Sicherheit Bargeld in den eigenen vier Wänden.

Georg Kohler, Geschäftsstellenleiter der Sparkasse in der Wolfsberger Bambergerstraße, gab den Unterkärntner Nachrichten einen Überblick über die aktuelle Lage. »Die Situation ist sehr ruhig. Wir haben in unserer Filiale Maßnahmen umgesetzt, um den direkten Kontakt zwischen den Mitarbeitern und den Kunden so gut es geht einzuschränken«, so Kohler.

»Wir haben Maßnahmen umgesetzt, um den direkten Kontakt so gut es geht einzuschränken«
Georg Kohler, Geschäftsstellenleiter

Zu den Maßnahmen, die in der Wolfsberger Filiale gesetzt wurden, zählen unter anderem ein Plexiglas, das zwischen Serviceberater und Kunden installiert wurde sowie Bodenmarkierungen, die für ausreichend Abstand zwischen den einzelnen Kunden sorgen sollen. Kohler: »In unserem 13 Meter langen Eingangsbereich ist aktuell nur ein Flügel offen und die Kunden kommen nur einzeln an die Reihe, sodass es zu keinen Ansammlungen kommen kann. Außerdem haben wir einen Spender für Desinfektionsmittel bereitgestellt. Ich glaube, dass die Kunden untereinander Abstand halten ist einer der wichtigsten Punkte.« Die Schalteröffnungszeiten in der Wolfsberger Filiale sind von den Maßnahmen derzeit nicht betroffen. Eine Situation, die selbst Kohler nicht genau einschätzen kann, wartet auf die Geschäftsstelle in der kommenden Woche, wenn mit den Pensionisten eine große Anzahl an Kunden die Bank aufsucht, die der Risikogruppe angehört, um ihre Pension abzuholen.

Viele Barbehebungen
Besonders am Freitag, dem 13. März, war im Tal eine zunehmende Verunsicherung der Bevölkerung zu spüren. Menschen, dicht gedrängt in Supermärkten, waren ein typisches Bild. Auch von unüblich vielen Bargeldbehebungen konnte man lesen. Kohler: »Das stimmt, besonders in den Tagen um den 13. März konnten wir vermehrte Bargeldbehebungen feststellen, auch zum Teil größere Beträge. Das hat sich mittlerweile leicht gelegt, die Frequenz wurde wieder weniger.« Dafür mitverantwortlich ist laut Georg Kohler wohl auch die Tatsache, dass mittlerweile viele Einkaufsmöglichkeiten geschlossen haben und die Nachfrage nach Bargeld deshalb zurückgegangen ist.

Der Geschäftsstellenleiter verweist zudem auf die Funktion des kontaktlosen Bezahlens: »Ich befürworte diese Möglichkeit und nutze sie schon länger selbst. Wir bieten den Kunden aktiv an, möglichst viel über digitale Funktionen zu erledigen, wozu auch das kontaktlose Zahlen zählt.«

Digital und telefonisch
Kundenberatungen müssen nicht zwingend in der Bank stattfinden. Georg Kohler verweist im Beratungssegment auf die digitalen Möglichkeiten, wie beispielsweise »s Kontakt«. Diese digitale Banking-Plattform der Sparkasse ermöglicht es dem Kunden mit nur wenigen Klicks Termine zu vereinbaren, Fragen an seinen Berater zu stellen oder Informationen einzuholen – alles in digitaler Form.

»Auf Anfrage können wir Stundungen gewähren. Das ist bis jetzt noch kaum benötigt worden«
Georg Kohler, Geschäftsstellenleiter

Natürlich steht den Bankkunden auch die klassische Form der telefonischen Beratung zur Verfügung. »Das Service am Telefon umfasst derzeit auch den Aspekt die Kunden zu beruhigen, ihnen Sicherheit zu geben und zu erklären, wie die aktuelle Situation aussieht,  aber auch wie es weitergeht«, gibt Georg Kohler Einblick.
Ein derzeit stark diskutiertes Thema aufgrund der Coronakrise sind Bankkredite. Sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen müssen sich mit dem Thema befassen, wie sie ohne regelmäßige bzw. geringere Einkünfte ihre laufenden Kreditraten begleichen können. Dazu sagt Georg Kohler: »Auf Anfrage können wir Stundungen gewähren. Das ist bis jetzt, während der Coronakrise, noch kaum benötigt worden, denn die Anfrage nach Stundungen werden zeitversetzt kommen. Mit April oder Mai nehmen diese sicher zu, da die Liquidität abnehmen wird.«

Wer hingegen einen Kredit zur Überbrückung finanzieller Engpässe benötigt, dem empfiehlt Kohler abermals, den digitalen Weg einzuschlagen: »Mit der Aktivlinie in der App George können sich Kunden mit nur wenigen Klicks selbst einen Kredit einräumen. Die Prüfung verläuft im Hintergrund. Auch für Nicht-Sparkassenkunden ist ein Kredit über den Online-Prozess möglich, auch wenn sich die Abwicklung hier etwas aufwendiger gestaltet.

Fonds und Aktien
Neben den Krediten sind Wertpapiere für die Banken und ihre Kunden ein sehr aktuelles Thema. Täglich sinken die Charts der meisten Papiere, was bei vielen Besitzern Unsicherheiten auslöst, ob sie sich von ihren Anlagen trennen sollen oder nicht. »Reine Fonds haben stark nachgegeben. Für einen Verkauf ist der derzeitige Zeitpunkt wohl allerdings zu spät«, so Kohler, der auch darauf verweist, dass »wenige unserer Kunden reine Aktienfonds besitzen, sondern immer auf eine breite Risikostreuung geachtet haben.« Statt dem zunehmenden Verkauf lässt sich laut Georg Kohler bereits eine Trendumkehr erkennen: »Die Leute beginnen schon wieder in Wertpapieren zu veranlagen, zum Beispiel in Form von Ansparern. Die meisten sind ruhig. Das zeigt, dass die richtigen Kunden die richtigen Papiere besitzen.«

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