Bilder aus fünf Jahrzehnten zeigt Mediziner und Maler Harald Scheicher im Werner Berg MuseumAusgabe 47 | Mittwoch, 20. November 2019

Der 60. Geburtstag des Völkermarkter Arztes und Malers Harald Scheicher ist Anlass einer großen Ausstellung im Werner Berg Museum in Bleiburg – ein Ort, an dem der Enkel Werner Bergs eigentlich nie selbst ausstellen wollte. Doch jetzt ist die Zeit reif dafür.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteurin Simone Jäger Von Simone Jäger jaegerno@spamunterkaerntner.at
Harald Scheicher im Werner Berg Museum vor seinen Winterbildern aus Diex, wo er gerne Zeit in seinem Almhaus verbringt und die nebelfreien Tage genießt. Foto: Jäger

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Bleiburg, Völkermarkt. Im letzten Lebensabschnitt seines berühmten Großvaters, des Malers Werner Berg, war Harald Scheicher sein Privatsekretär, wie er selbst sagt. Er fuhr ihn zu Terminen und organisierte Ausstellungen. Auch selbst war Scheicher bereits ab dem Teenageralter künstlerisch tätig: »Mein Großvater schenkte mir Farben, eine Staffelei und ein Buch über Maltechnik, aber selbst ließ er sich beim Malen nie über die Schulter schauen.« 

Seit dem Tod des Großvaters 1981 ist der in Völkermarkt lebende Allgemein- und Arbeitsmediziner Verwalter seines künstlerischen Nachlasses und Kurator des Werner Berg Museums in Bleiburg. Hier zeigt Scheicher anlässlich seines 60. Geburtstags, den er im Dezember feiert, ab dem 22. November Werke aus fünf Jahrzehnten seines Schaffens (Details siehe Info-Box). »Ich wurde in der Vergangenheit öfter gefragt, warum ich nicht im Werner Berg Museum ausstelle, aber das wollte ich eigentlich nie, da ich mit diesem Museum ohnehin sehr verbunden bin. Aber jetzt passt der Zeitpunkt«, sagt Scheicher. Zeitgleich ist auch die Ausstellung »In memoriam« zu sehen, die dem heuer verstorbenen Choreographen Johann Kresnik gewidmet ist. Der bekannte Bleiburger verstarb unerwartet im Juli. »Er hätte heuer im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert«, ergänzt Scheicher.

In der freien Natur

Die kräftigen Bilder des Völkermarkters entstehen in der direkten Auseinandersetzung mit dem Motiv im Freien: »Der Prozess der Bildentstehung ist sehr wichtig, und die direkte Auseinandersetzung mit dem, was ich vor mir sehe, ist die für mich ideale Art zu malen. Eine Bergkette oder Blumen in Natura vor sich zu haben ist ganz etwas anderes, als von einem Foto abzumalen.« Auch Menschen malt er fast ausschließlich nach Modellen.

Der »Schaustall«

Neben Ausstellungen etwa in  der Galerie Magnet in Wien oder im Schloss Mittertrixen, verfügt Scheicher seit 2003 über eine eigene ständige Ausstellungsfläche in seinem »Schaustall« in Völkermarkt. Dabei handelt es sich um ein von ihm renoviertes Tennengebäude, das sich im landwirtschaftlichen Besitz seiner Familie befand. 

Familiäre Gründe waren es auch, warum sich der Maler kurzfristig dazu entschied, Medizin zu studieren: »Ich hatte den Plan, nach der Matura die Kunstakademie in Wien zu besuchen, doch mein Vater erkrankte schwer, also entschloss ich mich zu einem Medizinstudium, um die Praxis zu übernehmen und das Elternhaus erhalten zu können.« Sein Vater erholte sich zum Glück und Scheicher übernahm seine Praxis 1987. Die Malerei verlor der Vater von drei erwachsenen Söhnen aber trotzdem niemals aus den Augen. Vergleiche mit seinem Großvater störten Scheicher früher sehr, doch seit er seinen eigenen Weg gefunden hat,  ist das für ihn kein Thema mehr. Ihren Teil dazu beigetragen haben Gespräche mit dem 2010 verstorbenen Gründer des Leopold-Museums in Wien, Rudolf Leopold. »Über 30 meiner Bilder befinden sich in der Sammlung Leopold II«, erklärt Scheicher, »er hat meine Werke immer als etwas ganz Eigenes gesehen.« 

Im heutigen zeitgenössischen Kunstbetrieb seien seine Werke nicht gefragt, sagt Scheicher. Zu antiquiert sei seine Malerei. Die Frage, wie man heute noch so malen könne, beantwortet er auf seiner Website www.scheicher.cc: »Für mich ist die bildhafte Auseinandersetzung mit der sichtbaren Welt – der einzigen, die wir sinnlich erfahren können – dem Menschen immanent, ähnlich dem Verwenden von Wörtern in der Sprache. Wohl niemand würde von einem Roman gefesselt sein, der ausschließlich aus unverständlichen Neologismen besteht.«

Zäsuren im Leben

Zu seinem runden Geburtstag beschenkte sich Scheicher heuer quasi selbst mit der neuen Website, auf der unter anderem ein komplettes Werksverzeichnis zu finden ist. Als Zäsur sieht er den bevorstehenden 60er aber nicht: »Dem Alter kann niemand entgehen. Zäsuren waren für  mich der Tod meines Großvaters 1981 und meines Vaters 2009.« Im Sterbejahr seines Vaters feierte Scheicher auch seinen 50. Geburtstag und veröffentlichte sein erstes Buch über seine bis dahin entstandenen Bilder. 

Zu seinem 60er wird im Rahmen der Ausstellungseröffnung ein 26 Seiten umfassender Kalender mit dem Titel »Harald Scheicher – Südkärnten – eine Landschaft zwei Sprachen« präsentiert. Er enthält 26 großformatige Abbildungen und wird anlässlich 100 Jahre Kärntner Volksabstimmung von der Galerie Magnet herausgegeben.

»Harald Scheicher 5/60«
Vernissage: Freitag, 22. November 2019.
Wo: Werner Berg Museum in Bleiburg.
Beginn: 19 Uhr.
Zur Ausstellung spricht Direktor Stephan Koja von der Gemäldegalerie Dresden.
Die Ausstellung ist bis zum 22. Dezember 2019 zu sehen (dienstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr).

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