Alles Bio, oder was? Das »Experiment« mit dem Biokartoffelanbau am Nesslerhof ist geglücktAusgabe 33 | Mittwoch, 14. August 2019

Seit mittlerweile fünf Jahren ist der Nesslerhof in Michaelsdorf bei Wolfsberg »bio«. Der Anbau von Mais und Getreide funktioniert bereits sehr gut. In diesem Jahr wurden erstmals auf einer Fläche von rund einem Hektar zwei Sorten Kartoffeln erfolgreich angebaut.

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Michaelsdorf. Vergangene Woche lieferte der Nesslerhof zum ersten Mal Sommerweizensaatgut für die »Kärntner Saatbau«. »Der Anbau von Sommergetreide ist im Biolandbau eine besondere Herausforderung, besonders bei den kühlen Witterungsverhältnissen wie in diesem Frühjahr war auch viel Handarbeit notwendig, um die Felder möglichst unkrautfrei zu halten«, erzählt Helga Leopold, die mit ihrem Mann Helmut den Hof betreibt.

Nun möchte sich der Biohof auch an den Kartoffelanbau wagen. Das ist vor allem im Biobereich sehr schwierig, da zum Unkraut auch noch die Gefahr von Schädlingen kommt. Da keine Spritzmittel eingesetzt werden, hat die Familie Leopold eine unkonventionelle Methode im Kampf gegen das Unkraut gewählt. Durch großflächiges Mulchen konnte das Unkraut über längere Zeit in Schach gehalten werden, gleichzeitig wirkte der gehäckselte Grünschnitt als Dünger.

»Es heißt, dass kräftige und gesunde Pflanzen vom Kartoffelkäfer eher verschont bleiben«
Helmut Leopold, Landwirt

Einmal wurde mechanisch gehackt bzw. gehäufelt, ehe das Kartoffelkraut den Acker vollständig bedeckte. »Es heißt, dass derart kräftige und gesunde Pflanzen vom Kartoffelkäfer eher verschont bleiben. Ebenfalls von Vorteil war, dass auf dieser Fläche erstmals Erdäpfel angebaut wurden«, sagt Helmut Leopold.

Jene Käfer, die später vereinzelt aufgetreten sind, wurden per Hand abgeklaubt. Außerdem konnten sie an den großen Pflanzen kaum mehr einen Schaden anrichten. Auch Unkraut, das später aus dem Boden spross, wurde per Handarbeit entfernt. Ein wenig Angst hatte die Familie Leopold vor dem Drahtwurm, der im Vorjahr große Teile der österreichischen Kartoffelernte unbrauchbar gemacht hatte. Hier half das Wetter mit: Dank der feuchten Witterung war bislang von diesem Schädling noch nichts zu bemerken.

Experiment scheint geglückt

Damit dürfte das Experiment erstmals Biokartoffel anzubauen funktioniert haben. »Jedenfalls kann man jetzt schon schöne Kartoffeln ernten, die in Kleinmengen verkauft werden, da sie jetzt noch nicht lagerfähig sind«, sagt Leopold. Die große Ernte soll schließlich im Herbst erfolgen, wenn die Schale vollständig ausgebildet ist. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Kartoffeln mittels Roder Reihe für Reihe geerntet und in einer kleinen Verkaufshütte am Nesslerhof in Michaelsdorf  sowie in Kürze im Lagerhaus Wolfsberg angeboten.

»Ich appelliere, auf heimische Kartoffeln zu setzen, egal, ob bio oder konventionell«
Helga Leopold, Landwirtin

Fünf Kilogramm Säcke sind vorbereitet, aber natürlich kann sich auch jedermann seine Wunschmenge aus den dort aufbewahrten Kisten nehmen. »Ich appelliere an die Konsumenten, auf heimische Kartoffeln zu setzen. Egal, ob bio oder konventionell, in Österreich wird unter höchsten Qualitätsstandards produziert«, so Helga Leopold.

Die Kartoffel

Im 16. Jahrhundert brachten spanische Seefahrer die Kartoffelpflanze aus Südamerika nach Europa. Hier wurde sie zu Beginn in Schlossgärten aufgrund ihrer schönen Blüten als Zierpflanze kultiviert. Dass die unterirdisch wachsenden Knollen der Pflanze essbar sind, war anfangs unbekannt.

// INFO
Biohof Nessler

Michaelsdorf 9, 9431 Michaelsdorf.
Telefon: 0664 1969773
E-Mail: nessler.leopoldno@spamaon.at

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