Kot im Wald, Ärger bei den Anrainern: Aufenthalt der Fahrenden schlägt nach ihrer Abreise Wellen Ausgabe 32 | Mittwoch, 7. August 2019

Anwohner beklagen sich über die »sanitären Gewohnheiten«, die Geschäftsmethoden und den Lärm der anerkannten Minderheit, die in Kleinedling Halt machte. Einer der ihren soll auch die Käferplage betrügerisch ausgenutzt haben. Maßnahmen werden gefordert.

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Kleinedling. Die Beschwerden sind massiv. Nach dem Aufenthalt von – wie sie offiziell genannt werden – Fahrenden auf dem Marktgelände in Kleinedling ist der Ärger bei Anrainern groß. Berichtet wird von Lärmbelästigung bis in die tiefe Nacht, einer gravierenden Verunreinigung des angrenzenden Walds sowie aggressiven Geschäftsmethoden: So soll es einer der Fahrenden gewesen sein, der die Kartoffelkäferplage in Siegelsdorf ausnutzte, um einen 62-jährigen Betroffenen um 2.000 Euro zu prellen. Nachbarn des Marktgeländes in Kleinedling erheben jetzt Forderungen: So soll die Aufenthaltsdauer der Gruppe künftig auf drei Tage beschränkt und in dieser Zeit Security-Personal eingesetzt werden.

Dieter Rabensteiner, Geschäftsführer der Stadtwerke, sagt: »Dieses Ausmaß an Problemen hatten wir schon lange nicht mehr.« Laut ihm wurde ein Teil der gestellten Kaution für die Reinigung des Waldes einbehalten.

»Drei Wochen waren sie hier, es herrschte Wirbel bis drei Uhr morgens«
Ein Anrainer des Marktgeländes

 Die »Nachwehen« sind erheblich. Nach dem Aufenthalt von – wie sie offiziell genannt werden – Fahrenden auf dem Marktgelände in Kleinedling gibt es massive Beschwerden von Anrainern. Sie fordern künftig nicht nur eine Eingrenzung des Zeitraums, während dem sich die anerkannte Minderheit auf dem Areal aufhalten darf, sondern auch den Einsatz von Security-Personal.

Wie berichtet feierten die Fahrenden auf dem Messegelände ein religiöses Fest. Den Höhepunkt erreichte es am letzten Juli-Wochenende, als sich laut den Anrainern, die ungenannt bleiben wollen, etwa 50 Wohnwägen auf dem Gelände versammelt hatten.

»Drei Wochen waren sie hier, es herrschte Wirbel bis drei Uhr morgens«, berichtet ein Betroffener und präsentiert ein Beweisvideo, »dazu liefen die ganze Nacht die Stromaggregate der Wohnwägen.« Am meisten wurden die Anwohner aber von den »sanitären Gewohnheiten« der Besucher in Rage versetzt. »Sie haben am Gelände und im angrenzenden Wald Kothaufen samt Toilettenpapier hinterlassen«, heißt es. Belegt wird die Aussage mit mehreren Fotos ...

Den Fahrenden werden auch aggressive Geschäftsmethoden nachgesagt: So hätten sie sich als Messerschleifer angeboten. Wer darauf einging, von dem wurden bis zu 1.000 Euro für die Dienstleistung verlangt, heißt es. 

Schließlich soll ein Mitglied der Gruppe die Kartoffelkäferplage in Siegelsdorf ausgenutzt haben, um einen 62-Jährigen zu betrügen. Dem Fahrenden wird vorgeworfen, er hätte am 15. Juli ungefragt  begonnen, die Fassade eines Hauses von Käfern zu befreien. Nach vierstündiger Arbeit stellte er eine Rechnung von mehr als 2.000 Euro aus, die vom 62-Jährigen auch bezahlt wurde.

Zu hören ist, dass das Fahrzeug des Verdächtigen später am Messegelände wiedererkannt wurde. Als sich der Halter nicht ausfindig machen ließ, wurde es kurzerhand abgeschleppt. Wenig später soll sich der Besitzer dann doch gemeldet haben ...

»Auswüchse«

»Dass es für diese Veranstaltung eine Genehmigung gab, ist unglaublich«, meint ein Anrainer. »Ich will wissen, wie oft die Polizei ausrücken musste.« Gefordert wird, dass sich die Fahrenden in Zukunft maximal drei Tage in Kleinedling aufhalten dürfen, »außerdem soll Security-Personal dafür sorgen, dass die schlimmsten Lärm-, Müll- und anderen Auswüchse nicht stattfinden«. 

Die Landespolizeidirektion bestätigt, dass es Probleme wegen Lärmerregung gegeben habe. Auch käme es immer wieder zu Einsätzen, wenn diese Gruppe in Wolfsberg Halt mache. »Eine signifikante Steigerung gab es heuer aber nicht«, so die Pressestelle, die keine Einsatzzahl nennt.

Dieter Rabensteiner, Geschäftsführer der Stadtwerke: »Mit den Fahrenden wurde eine Vereinbarung zur Nutzung des Areals getroffen und eine Kaution eingehoben. Dabei haben sie auch unterschrieben, dass es keinen Lärm und keinen Müll geben wird.« Er selbst sei danach mehrfach mit der Polizei vor Ort gewesen, um auf die Einhaltung der Vereinbarung zu pochen. »Dieses Ausmaß an Problemen hatten wir schon lange nicht mehr«, so Rabensteiner, laut dem die Toranlage nun überarbeitet werden soll, um unbefugtes Betreten künftig zu verhindern.

Die Höhe der von den Fahrenden verlangten Miete will der Geschäftsführer nicht angeben: »Der normale Tarif, den beispielsweise Zirkusse auch bezahlen.« Als Kostenersatz für die Reinigung des Geländes sei ein Teil der Kaution einbehalten worden.

Rabensteiner: »Ich verstehe den Ärger der Anrainer und bedanke mich bei ihnen für ihr Verständnis.« Man werde das Gelände den Fahrenden auch in Zukunft »nicht aktiv anbieten«.

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