Biblische Kartoffelkäfer-Plage in Siegelsdorf: »So etwas haben auch unsere Großeltern nie erlebt!«Ausgabe 30 | Montag, 29. Juli 2019

Es müssen Millionen Insekten sein, die über den Wolfsberger Ort herfallen. Die Betroffenen versuchen, die Käfer einzusammeln und sich so zu wehren. Gemeinde, Bezirkshauptmannschaft und Land werden aktiv. Ein Siegelsdorfer wurde Opfer eines Betrügers.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Massen von Kartoffelkäfern suchen zurzeit Siegelsdorf heim, die sich mit vereinten Kräften auf jeden Stängel stürzen. Kurt Kriegl, Helmut Feichter, Burgi Reisner-Kriegl, Herta Maier und Monika Klatzer sammeln sie unentwegt ein und wünschten sich »moralische Unterstützung« – die sie erhalten haben. Fotos: KK

Artikel

Siegelsdorf. Sie krabbeln überall: In den Gemüsegärten, auf den Hausmauern, den Garagenzufahrten. Wenn sie in die Häuser gelangen, sind sie früher oder später auch in den Schlafzimmerbetten zu finden. Der Wolfsberger Ort Siegelsdorf wird von einer Kartoffelkäfer-Plage biblischen Ausmaßes heimgesucht. Die Heimgesuchten ersuchten die Kärntner Politik um Beistand – mit Erfolg.

»Vor etwa 14 Tagen hat es angefangen«, sagt Burgi Reisner-Kriegl, »auf einmal waren die Käfer da.« Als Ursprung wird ein Acker vermutet, auf dem jetzt Mais wächst, früher aber Kartoffeln angebaut wurden. Denn nicht ganz Siegelsdorf ist betroffen, sondern ausschließlich die Häuser im Bereich des Maisfelds.

Die aber ordentlich. Es müssen Millionen Tiere sein, die hier nach Nahrung suchen. »So etwas hat hier noch niemand erlebt«, sagt Kurt Kriegl, »auch Großeltern können sich nicht erinnern, dass es jemals so viele Käfer gegeben hätte.«

»Wir wollen Beistand von der Politik, moralische Unterstützung, damit wir unser Leid klagen können«
Burgi Reisner-Kriegl, Betroffene

Anrainerin Herta Maier hält zwei Kübel in den Händen, die gut mit Käfern gefüllt sind. »Die habe ich allein heute Vormittag gesammelt«, sagt sie zu den Unterkärntner Nachrichten. Es ist der einzige Weg, der »Invasion« zu begegnen, alle anderen Gegenmittel schlugen fehl: Das Ausbringen von Steinmehl erwies sich als ebenso wirkungslos wie das Streuen von Kaffeesatz. Die Käfer müssen aber bekämpft werden. Denn sie machen sich nicht nur erbarmungslos über die Gemüsegärten her, sie wollen auch in die Häuser vordringen. Und wenn man sie zertritt, bleiben unappetitliche Flecken auf dem Boden zurück.

Fenster zu – im Hochsommer
»Man muss im Haus jedes Fenster und jede Tür verschlossen halten«, sagt Helmut Feichter, »sonst kriechen sie drinnen in jedes Eck.« Im Hochsommer wird das zur Belastungsprobe.
Laut Experten werden die (harmlosen) Insekten in etwa einer Woche wieder verschwunden sein. Das wissen auch die Siegelsdorfer. Aber: »Es heißt, das ist die zweite Käfergeneration«, so Kurt Kriegl. »Was, wenn wir im September vor einer weiteren Welle stehen?«

Reisner-Kriegl wünschte sich Unterstützung der Politik: »Wir wollen keinen Schuldigen suchen, wir wollen moralische Unterstützung, um unser Leid klagen können.« Dem wurde umgehend nachgekommen. Noch während des Ortsaugenscheins der Unterkärntner Nachrichten sagte der Wolfsberger Bezirkshauptmann Georg Fejan sein Kommen zu. Auch der Wolfsberger Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz sah sich die Plage an – und setzte umgehend Maßnahmen. Schlagholz: »Wir haben drei Container aufgestellt, in denen die gesammelten Käfer deponiert werden können. Sie werden von der Gemeinde entsorgt.« Er warte nun auf die Statements der Experten, was weiter zu tun sein, »dabei gibt es dann Unterstützung der Gemeinde«.

Die Koordinierung hat die Bezirkshauptmannschaft übernommen, zuständig ist Silvia Kostmann. Sie sagt: »Ich verstehe die Reaktion der Betroffenen. Es wird eine Besichtigung mit dem amtlichen Pflanzenschutzdienst des Landes geben, bei der Maßnahmen besprochen werden. Es soll auch geprüft werden, was in Zukunft bei solchen Ereignissen unternommen werden kann.« Denn laut Kostmann werden sich Plagen wie diese künftig öfter ereignen. Ursachen: das mildere Klima und das Verbot chemischen Bekämpfungsmitteln.

Ein Betroffener wurde Opfer eines Betrügers. Der Unbekannte reinigte unaufgefordert die Hausfassade und verlangte dafür 2.000 Euro. Der Siegelsdorfer bezahlte ...

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren