Lavanttaler der WocheAusgabe | Mittwoch, 22. Mai 2019

Der Lavanttaler Anton Henckel-Donnersmarck ist seit mittlerweile acht Jahren ehrenamtlich Obmann der Lebenshilfe Kärnten. Inklusion sowie die Selbst- und Mitbestimmung der Klienten ist sehr wichtig.

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Wolfsberg. Schon in seiner Kindheit kam Anton Henckel-Donnersmarck mit Menschen mit Behinderung in Kontakt. Wegen Komplikationen bei der Geburt seines kleinen Bruders kam dieser mit einer geistigen Beeinträchtigung auf die Welt. »So lernte ich den Umgang mit Menschen mit Behinderung bereits im Alter von sechs Jahren. Als großer Bruder erlebte ich alle Höhen und Tiefen in der Entwicklung meines Bruder seit mittlerweile 40 Jahren mit«, erzählt Anton Henckel-Donnersmarck, der in Wien geboren wurde und dort ein BWL-Studium abschloss.

2001 übersiedelte er mit seiner Frau und dem Kind nach Wolfsberg, wo er den Gutsbetrieb Neudau führt. Und seit 2010 geht er mit Thomas Kunauer einen gemeinsamen beruflichen Weg mit »team santé« und »Blistermed«. Im selben Jahr wurde Henckel-Donnersmarck vom damaligen Lebenshilfe-Kärnten-Obmann gefragt, ob er nicht bei der Lebenshilfe mitarbeiten wolle, was Henckel-Donnersmarck sofort tat. Ein Jahr später kam es zu einem Obmannwechsel bei der Kärntner Lebenshilfe und Anton Henckel-Donnersmarck wurde in diese Funktion gewählt. Damit steht der Lavanttaler dem Verein seit mittlerweile acht Jahren vor.

»Ich habe das Amt aus zwei Gründen übernommen: Es ging mir um die Inklusion sowie die Selbst- und Mitbestimmung der Klienten«, sagt Henckel-Donnersmarck.

Der Lebenshilfe-Obmann möchte, dass sich die Gesellschaft Menschen mit Behinderung gegenüber öffnet. »Eine Behinderung ist keine Krankheit«, meint Henckel-Donnersmarck, der will, dass mit Inklusion so früh wie möglich begonnen wird. »Wenn es in einer Kindergartengruppe ein beeinträchtigtes Kind gibt, wachsen die anderen Kinder ganz anders auf. Es gibt keine Berührungsängste«, so Henckel-Donnersmarck, der weiters auf die Selbst- und Mitbestimmung der Klienten setzt. In der Lebenshilfe Kärnten hat man daher schon seit längerem im Vorstand einen Klienten mit vollem Wahl- und Stimmrecht sitzen.

Der Wandel

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Menschen mit Behinderung in den Narrenturm gesperrt, erst nach dem Krieg wurde langsam angefangen, Strukturen zu schaffen. Das war die Geburtsstunde der Lebenshilfe. In der Anfangsphase begnügte man sich allerdings damit, Behinderte irgendwo unterzubringen und zu beschäftigen. »Aber diese Menschen brauchen keinen Schutz, sie haben tolle Fähigkeiten«, meint Henckel-Donnersmarck. 

Und so kam man im Laufe der Jahrzehnte von den großen Werkstätten ab und fing an, sich zu öffnen. »Im Vorjahr wurde das Tee-Café ›Lebensg‘fühl‹ von der Lebenshilfe Wolfsberg eröffnet und einmal im Monat verkaufen Klienten am Offnerplatzl ihre Produkte. Es ist schön wenn Klienten eine Aufgabe haben und man sieht, wie diese dabei aufblühen.«

Regelmäßig werden Befragungen bei Klienten, Mitarbeitern und Angehörigen durchgeführt, um die Arbeit der Lebenshilfe zu optimieren. »Unser Ziel ist es, die Lebenshilfe zu öffnen. Das sieht man an Geschäften, die wir eröffnet haben, Arbeiten, die außer Haus angeboten werden, dem jährlichen Ball der Inklusion oder dem Marinofest uvm.«, so Henckel-Donnersmarck. 

Problem mit dem System

Henckel-Donnersmarck sieht das Problem im Umgang mit beeinträchtigten Menschen im System in Österreich, sie werden wie Kinder behandelt. Behinderte, die am ersten Arbeitsmarkt arbeiten wollen, fallen aus dem Sozialsystem heraus. Fällt die Arbeitsfähigkeit weg oder wird diese eingeschränkt, werden die Menschen als nicht arbeitsfähig eingestuft und fallen aus dem System. »Wir brauchen ein variables und fließendes System, das den Menschen Ein- und Ausgänge bietet«, fordert Henckel-Donnersmarck, der weiter meint: »Diese Menschen  dürfen nicht als krank angesehen werden, sie sind Teil unserer Gesellschaft und als diesen müssen wir sie auch betrachten. Irgendwann sind wir 80 Jahre, wollen wir dann inklusiv oder separiert leben?«

Persönliches

Privat geht Henckel-Donners-
marck gerne Skifahren und beschäftigt sich mit den Pferden auf seinem Hof. »Das Leben mit Tieren ist ein sehr schönes Leben.« Daneben geht er noch gerne Segeln und Fischen. »Mein größtes Hobby ist aber die Arbeit mit der Lebenshilfe«. Und bezüglich der Wiedereinführung der Adelstitel meint er: »Adelstitel haben keine Funktion. Wir sollten darüber aber keine so emotionale Diskussion führen, das wäre sicher kein Nachteil. Für mich hat ein solcher Titel nie eine Rolle gespielt. Ich bewege mich öffentlich und fröhlich in Wolfsberg und nicht wie ein Sonderling.«

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