Ein Zollfreigebiet für St. PaulAusgabe | Mittwoch, 17. April 2019

Christian Ragger könnte sich vorstellen, in St. Paul ein Zollfreigebiet zu installieren. Das würde der Wirtschaft im Lavanttal einen massiven Aufschwung bescheren

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Wolfsberg. Durch die Fertigstellung der Koralmbahn wird der Triester Hafen noch bedeutender für den Güterverkehr in den Osten und in den Norden Europas. »Im Hinterland von Triest gibt es Zollfreigebiete. Ein solches könnte ich mir auch für St. Paul vorstellen«, meint der Wolfsberger Rechtsanwalt Christian Ragger, der die ÖBB in juristischen Angelegenheiten in Italien vertritt. Ragger führt weiter aus: »Mit dem interkommunalen Gewerbepark, den Landesrat Fellner errichten möchte, und dem zukünftigen ICE-Bahnhof würde sich St. Paul optimal anbieten.« 

Ein Zollfreigebiet ist ein abgeschlossenes Gebiet innerhalb eines Landes, in dem keine Zölle und Einfuhrumsatzsteuer erhoben werden. Solche Freizonen dienen der Lagerung, Weiterverarbeitung und Veredelung der importierten Waren. Gemeinsam mit der italienischen Region Friaul-Julisch-Venetien arbeitet man derzeit an der Entwicklung eines Zollkorridors.

»Ein Zollfreigebiet beim Koralmbahnhof wäre eine Riesenchance für das gesamte Lavanttal. Aber St. Paul muss endlich aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Wir könnten Waren ohne Einfuhrumsatzsteuer einführen und im Tal weiter verarbeiten. Das würde etliche Arbeitsplätze bringen und ist auch im Hinblick auf den Lithiumabbau interessant«, meint Ragger.

Grundflächen für die Entwicklung, wo sich Betriebe ansiedeln könnten, Waren umgeschlagen bzw. weiterverarbeitet werden, wären im Umfeld von St. Paul laut Ragger vorhanden. Nun sei die »Kärntner Betriebsansiedlungs- und Beteiligungsgesellschaft m.b.H.«  (BABAEG) gefordert, mit den Grundeigentümern Gespräche aufzunehmen, um sich entsprechende Flächen zu sichern.

Und politisch liegt es an der Landes- bzw. Bundesregierung, aber es wird auch viel Lobbyarbeit in Brüssel notwendig sein, um die ehrgeizigen Pläne umzusetzen.

Der Triester Hafen

Vor 300 Jahren, am 18. März 1719, wurde der Hafen von Triest (ITA) zum Freihafen des Habsburgerreiches erklärt. Einst war der Triester Hafen der wichtigste der Monarchie – heute ist der bedeutendste Hafen Italiens wieder von zentraler Bedeutung für österreichische Exporteure. 

2018 wurden 62,7 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen, was einem Plus von 1,2 Prozent gegenüber 2017 entspricht. Auch die Anbindung zur Bahn wurde im vergangenen Jahr forciert. Fast 10.000 Züge fuhren 2018 vom Hafen ab. Der Hafen ist ein Logistik-Knotenpunkt und über die Baltisch-Adriatische Achse bis in den Ostseeraum und nach Skandinavien vernetzt. Am Hafen von Triest sind auch die ÖBB seit 25 Jahren aktiv, die Rail-Cargo-Gesellschaft der ÖBB ist mit einem Marktanteil von rund 45 Prozent der wichtigste Distributionspartner von Triest. Pro Jahr fahren mehr als 3.300 Züge der Rail-Cargo von und zum Hafen Triest.

Diese Zusammenarbeit wird nun weiter verstärkt. ÖBB-CEO Andreas Matthä unterzeichnete kürzlich mit dem Präsidenten der Hafenbehörde Triest, Zeno D‘Agostino, eine Absichtserklärung für den Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Hafen im Bahnbereich. Die Pläne sind ambitioniert: So soll Fürnitz als attraktiver Logistikstandort und Distributionspartner für den Hafen Triest positioniert werden.

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