Seit 1887 | Das unabhängige Wochenblatt für Unterkärnten

Bernhard Lamprecht zum Technologiepark: »Ein Projekt dieser Dimension entsteht über Jahrzehnte«Ausgabe 28 | Mittwoch, 8. Juli 2026

Bernhard Lamprecht, Geschäftsführer der Technologiepark Lavanttal GmbH, spricht über Zeitpläne, Herausforderungen und Chancen – von der Flächenwidmung bis zur Ansiedlung erster Unternehmen – und warum Kärnten schon viel weiter ist, als viele glauben.

E-Mail

0 Kommentare

Meist gelesen

Artikel

In der Vorwoche wurde das Siegerprojekt für den Technologiepark St. Paul, kurz TPL, präsentiert. Welche Schritte stehen nun an und wie sieht der Zeitplan aus?
Die nächsten Schritte für uns sind:  Wir müssen uns mit den Planern über die weitere Zusammenarbeit einigen. Bevor wir das Projekt einreichen können, brauchen wir einen rechtsgültigen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan. Das  erfolgt in enger Abstimmung mit Gemeinde und Land. Unser gemeinsames Ziel ist, das bis Jahresende abzuschließen.  Danach folgt die Planungsphase für das erste Gebäude. Je nach Komplexität dauert sie zwischen sechs und zwölf Monaten, realistisch sind neun. Anschließend beginnt das behördliche Einreichverfahren, das bis zu sechs Monate dauern kann. Da das Projekt breit mitgetragen wird, gehen wir davon aus, dass die Behördenwege rasch erledigt werden. Danach folgt die öffentliche Ausschreibung und schließlich die Errichtung, die rund 18 bis 24 Monate beansprucht. Wenn alles nach Plan läuft, steht das erste Gebäude 2029. Das klingt jetzt lange, aber solche Projekte haben eine lange Vorlaufzeit.

Der gesamte Park soll bis 2060 fertig sein. Wird man sich dann noch an die heutigen Pläne erinnern oder wird er ein anderes Bild abgeben?
Garantieren kann man das nie. Aber wir haben im Wettbewerb bewusst auf maximale Flexibilität gesetzt. Unsere Erfahrungen aus anderen Technologieparks sind eingeflossen, ebenso die Anforderungen der Unternehmen. Die Gebäude sind so konzipiert, dass sie in Tiefe und Breite variabel bleiben. Wir wissen natürlich heute nicht, wie Arbeitsplätze in 20 oder 30 Jahren aussehen werden. Wir wissen auch nicht, welche Gebäude dann benötigt werden.

Zudem kennen wir die rechtlichen Rahmenbedingungen der Zukunft nicht. Aus heutiger Sicht haben wir das bestmögliche getan, um lange mit dem Konzept arbeiten zu können. Die Architekten sind jung, engagiert und werden uns hoffentlich lange begleiten.

Wie sieht die inhaltliche Ausrichtung des Technologieparks aus?
Das übergeordnete Thema ist klar: Advanced Materials, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Unternehmen im Lavanttal sind in diesen Bereichen tätig, und Materialien sind ein Zukunftsthema. In Kärnten gibt es dafür aber noch kein entsprechendes Angebot. Gleichzeitig laufen Gespräche mit starken Forschungspartnern wie der Montanuniversität Leoben oder der technische Universität Graz.  

Geplant sind physikalische, technische Labore, Testeinrichtungen, Zertifizierungsstellen – vieles davon ist direkt aus den Bedürfnissen der Unternehmen entstanden. So gibt es beispielsweise  Materialprüfungen für Holz derzeit meist nur in Wien. Das wollen wir künftig vor Ort ermöglichen. Es gibt auch Unternehmen im Lavanttal, die das jetzt schon anbieten könnten bzw. durch den TPL ergänzend unterstützt werden.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Standortgemeinde St. Paul?
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Die Gemeinde ist ein zentraler Partner, insbesondere jetzt bei der Flächenwidmung und dem örtlichen Entwicklungskonzept. Auch in den Bereichen Wasser, Kanal und Infrastruktur arbeiten wir eng zusammen. St. Paul ist ein verlässlicher Begleiter.

Wo liegen die größten Herausforderungen?
Die größte Herausforderung ist die Zeit. Ein Projekt dieser Dimension entsteht über Jahrzehnte. Wir werden den maximalen Ausbau nicht in zehn Jahren erreichen. Infrastruktur wie Gastronomie oder Kinderbetreuung kann man nicht sofort voll ausbauen – dafür braucht es eine gewisse Auslastung. Das muss natürlich auch in der Planung berücksichtigt werden. Auch die Aufschließung kann nicht für das gesamte Areal sofort erfolgen. Aber Wasser, Strom, Kanal usw. müssen auch für die künftigen Bereiche in die Planung einbezogen werden.

Das Stift St. Paul ist ein wichtiger Partner. Welche Rolle spielt es im Gesamtprojekt?
Im engeren Bereich des Technologieparks selbst wird das Stift künftig keine direkte Rolle im laufenden Betrieb spielen. Aber darüber hinaus gibt es eine sehr enge Kooperation, vor allem im Bildungsbereich oder der Nutzung bestehender Infrastrukturen. Das Stiftsgymnasium ist ein wichtiger Partner, und es gibt bereits Arbeitsgruppen, die das Stift initiiert hat. Das Stift sieht eine große Chance für die Zukunft mit einer Positionierung, die sich an den Technologiepark anlehnen soll. Es geht darum, Lehrpläne anzupassen, Angebote zu entwickeln und Schulen mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu vernetzen. Die Gesprächsbasis ist ausgezeichnet.

Das erste Gebäude soll bis 2029 stehen – welche Funktionen wird es erfüllen?
Das Gebäude wird Büroflächen, Forschungseinrichtungen und chemische sowie physikalische Labore beherbergen. Wie viele Unternehmen sich ansiedeln, ist schwer zu sagen. Das Gebäude wird eine verwertbare Fläche von rund 3.000 bis 5.000 Quadratmeter haben. Die Ausstattung wird auf sehr hohem Niveau sein.

Kann man sagen, das Projekt ist »unter Dach und Fach«?
Ja. Es gibt ein klares Commitment der Eigentümer und der politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen, dass das Projekt kommen soll, und es stehen alle relevanten Partner dahinter.

Gibt es bereits Interessenten für eine Ansiedlung?
Ja, es gibt durchaus schon Interesse, vor allem von Unternehmen aus dem Lavanttal. Sie interessieren sich für Multi-Use-Flächen im Laborbereich. Auch Forschungseinrichtungen haben Interesse signalisiert. Aber wir sind noch weit weg von konkreten Verträgen – die aktuelle wirtschaftliche Lage ist ja für viele durchaus herausfordernd.

Welche Bedeutung hat die Koralmbahn für den Technologiepark?
Ohne Koralmbahn gäbe es den Park nicht. Die Verbindung zwischen Klagenfurt und Graz ist essenziell. Mit dem Semmeringtunnel wird Wien in unter drei  Stunden erreichbar sein – ein Arbeitsweg, der international völlig normal ist. Für internationale Fachkräfte wird das ein starkes Argument sein.  

Wir sind durch unsere Kleinheit ein wenig verwöhnt. Aber wer einmal durch Moskau oder London fuhr, weiß, dort sind zwei Stunden für den Arbeitsweg normal.

In der Steiermark wurde aufgrund der Koralmbahn bereits einiges geschaffen. Ist der Technologiepark im Lavanttal im Vergleich zur Steiermark spät dran?
Ich sehe das nicht so. Aus der Steiermark hört man mancherorts das Gegenteil, dort heißt es, dass Kärnten bereits weiter ist. Ich glaube auch nicht, dass es entscheidend sein wird, wann wer etwas umsetzt, sondern, dass wir als Region gemeinsam an den Entwicklungen entlang der Koralmbahn mit- und enger zusammenwachsen werden. Ob als Logistik- und Gewerbestandort in der Steiermark oder als Technologiepark im Lavanttal.  

Welche wirtschaftlichen Impulse erwarten Sie für St. Paul und das Lavanttal?
Wenn im Technologiepark einmal  500 oder 1.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, stärkt das die gesamte Region. Davon wird nicht nur St. Paul, sondern das ganze Tal profitieren. Die Infrastruktur wird sich weiterentwickeln – von Gastronomie bis Beherbergung. Auch der Tourismus kann profitieren, aber natürlich nur, wenn die Grundversorgung stimmt. Unternehmen brauchen Orte, wo die Mitarbeiter essen und übernachten können.

Welche Rolle spielen Bildungseinrichtungen und Forschungspartner für den Park?
Eine sehr große. Bildungs- und Forschungseinrichtungen sind ein klarer Schwerpunkt. Man muss schauen, wie man sie vernetzt. 

Es geht nicht darum, dass sich eine Universität oder Fachhochschule ansiedelt, sondern um themenspezifische Kooperationen. Ein Labor, das von einer Universität und FH sowie Unternehmen gemeinsam genutzt wird, ist absolut denkbar. Ziel ist die Vernetzung von Betrieben bis hin zu den Hochschulen.

Welche nachhaltigen Konzepte sind vorgesehen?
Nachhaltigkeit ist ein Grundpfeiler. Alle Gebäude werden mit Tiefensonden und Photovoltaik ausgestattet. Wir setzen auf nachhaltige Mobilitätsangebote und streben seit Jahren klimaaktiv-Zertifizierungen bei den Gebäuden an.

Wie sieht Ihre langfristige Vision für den Technologiepark St. Paul aus?
Der Park soll einer der drei großen Kärntner Technologieparks werden – mit gleichwertiger Bedeutung. Es gibt nur wenige Regionen mit einem so klaren politischen Commitment. Der TPL zeigt, wie zukunftsorientiert Kärnten denkt und dass Entscheidungen getroffen werden, von denen zukünftige Generationen profitieren.

0 Kommentare Kommentieren

Keine Kommentare gefunden!

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden. Ihr Kommentar erscheint, sobald er gesichtet wurde.

Bitte melden Sie sich an, um die Beiträge zu lesen oder zu kommentieren.AnmeldenHier Registrieren