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Wolfsberg. Wer mit Sonja Maria Bachhiesl durch Wolfsberg geht, spürt schnell: Hier führt nicht nur jemand durch Gassen und Plätze der Bezirksstadt – hier erzählt eine Frau mit Leidenschaft für die Geschichte und die Menschen des Lavanttals.
Die 52-Jährige Wolfsbergerin lebt heute in St. Margarethen. Nach der Matura an der HAK Wolfsberg – ihr Klassenvorstand war Walter Richter, der ihr historisches Interesse früh prägte – führte sie ihr Weg nach Graz. Dort studierte sie zunächst Jus, promovierte und absolvierte das Gerichtsjahr. Doch auch die Philosophie ließ sie nicht los. Sie studierte ein zweites Mal, forschte an der Universität Graz und arbeitete unter anderem im Kriminalmuseum, das damals von ihrem heutigen Ehemann Christian Bachhiesl, dem Leiter des Museums im Lavanthaus, geführt wurde. »In der Forschung steht man oft mit einem Fuß im Juristischen«, sagt sie – Grenzbereiche zwischen Recht und Philosophie gebe es nämlich viele.
Mit den Geburten ihrer drei Kinder Theodor, heute 18 Jahre alt, Rita (15) und Ludwig (12) kam es zu einer Neuorientierung. Aus dem Wunsch heraus, philosophisches Denken kindgerecht zu vermitteln, entwickelte sie 2015 ihr Projekt »Spielosophie«. Seither bietet sie Kurse in der Grazer Stadtbibliothek an, die Kinder zum eigenständigen kritischen Handeln und Denken motivieren.
Zurück in Wolfsberg, entdeckte sie ihre Heimatstadt neu. »Es gibt hier noch so viel Unerforschtes«, sagt sie. Vieles über die Geschichte Wolfsbergs habe sie schon in ihrer Kindheit gelernt, doch das Eintauchen in vergangene Zeiten, das Mitdenken aus damaliger Perspektive sei ihr ein besonderes Anliegen. Zuhause stehen über 10.000 Bücher – ihr Mann gilt als »wandelndes Lexikon«, wie sie sagt: »Wenn ich etwas nicht weiß, frage ich ihn.«
Stadt- und Museumsführerin
Heute ist Sonja Maria Bachhiesl als Stadtführerin in Wolfsberg und im Museum im Lavanthaus tätig. Die unterschiedlichen Themenführungen entwickeln die Stadtführer selbst. So wurde von Sonja Maria Bachhiesl erstmals im Jänner 2024 eine Stadtführung mit Frauenschwerpunkt durchgeführt: »Männer sind in der Geschichte sehr präsent. Ich habe mich gefragt: Gibt es nicht auch Spannendes über Frauen zu erzählen?« Bereits an der ersten Frauenführung nahmen über 80 Personen teil, nicht minder erfolgreich verlief die zweite Frauen-Stadtführung im Vorjahr. Die dritte Führung mit diesem Schwerpunkt findet am kommenden Samstag, 7. März, statt (siehe auch S. 3).
»Ich habe mich gefragt: Gibt es nicht auch Spannendes über Frauen zu erzählen?«
Sonja Maria Bachhiesl, Stadt- und Museumsführerin
Ihre Führungen leben von Spontaneität und Interaktion. Ob Kinder, die vor anderen sprechen möchten, Menschen mit Beeinträchtigung oder Demenz – sie passt sich ihrem Publikum an. Oft bringen sich Teilnehmer selbst mit Wissen ein. »Es gibt kein starres Festhalten am Skript. Diese Interkommunikation ist ein sehr wichtiger Punkt, wie ich finde«, betont Bachhiesl.
Was macht Wolfsberg für sie besonders? »Die wunderschöne kleine Altstadt mit ihrem Kern, das freundliche Miteinander, das Grüßen auf der Straße. Ich schätze das Kleinstadtflair, dass man in der Innenstadt gute Geschäfte vorfindet und dass Regionales wieder an Bedeutung gewinnt.«
Neben zahlreichen Publikationen widmet sie sich auch größeren Buchprojekten. Ihr neuestes Werk trägt den Titel »Gott gab mir frohen Sinn und ein tiefes Gemüt« und ist eine Biografie über die Lavanttaler Dichterin Tini Supantschitsch. Präsentiert wird es am Mittwoch, 4. März, im Museum im Lavanthaus (siehe auch S. 3). Angeregt wurde das Projekt von Robert Swatek, Obmann des Fördervereins Lavanttaler Heimatmuseum. Zwei Jahre lang forschte Bachhiesl in Zeitungen, durchforstete den Nachlass im Museum, führte Interviews mit Zeitzeuginnen und sichtete Notizen. Wichtig war ihr, Supantschitsch nicht nur als Mundartdichterin zu zeigen, sondern auch ihre hochdeutsche Lyrik und ihre Vielschichtigkeit sichtbar zu machen. »Dass sie hochdeutsche Lyrik verfasst hat, haben viele nicht gewusst«, gibt Bachhiesl Einblick in ihre Recherchearbeiten. Die Dichterin, die kurze Zeit auch in Deutschland lebte, war »tief mit Wolfsberg verbunden. Sie war menschenfreundlich, genau, manchmal streng, aber stets wohlgesonnen. Ich hoffe, ich kann ihr mit diesem Buch ein kleines Denkmal setzen«, sagt Bachhiesl. Ein kleiner Ausstellungsbereich über Supantschitsch im Museum im Lavanthaus ergänzt das Werk.

Von Philipp Tripolt
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