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Wolfsberg. Der uralte Brauch des »Sauschädeldiebstahls« mit anschließender Verhandlung, den man im Lavanttal in früheren Zeiten an vielen Orten im Fasching pflegte, wurde kürzlich am Reisberg wieder abgehalten.
Bei Familie Zmug vlg. Hofmoar am Reisberg wurde bereits im November frech ein Sauschädl gestohlen. Die Diebe hatten den Termin gut gewählt, fand doch an diesem Tag in der Kunigundekirche die Jägermesse statt, für die Familie Zmug alle Jahre an der Vorbereitung mitwirkt. Die Hofleute waren abgelenkt, und die Diebe machten sich heimtückisch ans Werk.
Kurz nach dem Bemerken des Diebstahls ging das »hohe Gericht« unter »Gendarmeriebegleitung« auf die Suche nach den unverschämten Tätern, die man im Umfeld der geschädigten Familie vermutete. Auch ein Fahndungsfoto der mutmaßlichen »Sauschädelbande«, das merkwürdigerweise Ähnlichkeiten mit Jagdfreunden der Hofleute aufwies, sollte helfen, die Täter vor Gericht zu bringen. Schließlich wurden über 30 Personen zur Gerichtsverhandlung ins Gasthaus Rabinig geladen, darunter Nachbarn, Jagdfreunde und verdächtige Reisberger Bauern.
Passenderweise am Faschings-Freitag, 13. Feber, begann pünktlich um 19.19 Uhr im Saal des Gasthauses Rabinig die Verhandlung. Rund 60 Personen ließen es sich nicht nehmen, bei der Verhandlung dicht gedrängt dabei zu sein. Richter (Dietmar Hauser), Staatsanwalt (Christian Smolle) und Gerichtsschreiberin (Gabi Hauser) zogen, angeführt von einem Gendarmeriebeamten (Ewald Furian) und mit Musik (Monika Furian) in den Verhandlungssaal ein.
Strenge Befragung
Nach der Verlesung der Anklageschrift wurden sämtliche Zeugen vom Staatsanwalt streng befragt. Besonderes Gelächter verursachte die Witwe (Wolfgang Kogler) der »geschlachteten Sau«, die als Kronzeugin Überraschungsgast war und durch ihre Ausführungen für viel Heiterkeit sorgte. Unverschämte Zwischenrufe oder ungebührliches Verhalten im Gerichtssaal wurden sofort mit Geldstrafen belangt. Im Laufe der Verhandlung wurde immer deutlicher, dass alle Anwesenden verdächtig waren – und so mussten sie sofort Strafgeld in die Gerichtskasse einzahlen.
Zwischen den Vernehmungen forderte das »hohe Sauschädelgericht« immer wieder Monika Furian auf, für flotte Musik zu sorgen, um die angespannte Stimmung wieder zu normalisieren. Auch so manches Gstanzl-Lied erklang, war doch das Gesangsquintett Reisberger Sternsinger als »Hohes Gericht« vollzählig vertreten.
Besonders verdächtig machten sich im Rahmen der Befragung mehrere Nachbarn durch widersprüchliche Aussagen, aber auch aus Graz angereiste Vorgeladene. Als scharfsinniger Pflichtverteidigerin wurde kurzerhand Hilde Maier vom Gericht bestimmt, die allerdings ihren Mandanten kaum eine Hilfe sein konnte, da sie vor dem Richter trotz großen Bemühens wenig Gehör fand. Auch die geschädigte Familie Zmug machte sich durch Aussagen verdächtig. Schwerer Versicherungsbetrug kam als Tatmotiv ebenso zum Vorschein wie Unvorsichtigkeit und Unwissenheit, die ja bekanntlich nicht vor Strafe schützen.
Die Verhandlung nahm am Ende jedoch eine überraschende Wendung: Es tauchte ein Video auf, das Anwesende schwer belastete. Sie waren beim Versuch gefilmt worden, den gestohlenen »Saukopf« selbst zu verzehren. So konnten als Täter schließlich unter großem Gelächter Gebhard und Matthias Zmug sowie die Steirer Max Mueller Mezin und Adolf Skaria – alle Jagdfreunde der geschädigten Familie – überführt werden.
Danach waren alle Anwesenden zu Selchwürstl, Sauerkraut, einem Getränk und Krapfen eingeladen. Mit einem Prost auf das spendable hohe Gericht endete die Verhandlung. Alle freuten sich über die großzügige Essenseinladung und ließen sich die Köstlichkeiten, die Wirt Peter Rabinig mit seiner Familie kredenzte, schmecken. Nach dem Essen wurde der »Sauschädl« auf amerikanische Weise versteigert, Sarah Maier vom Haus vlg. Pollowitsch erhielt den Zuschlag. Christian Smolle

Von Horst Kakl
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