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Wolfsberg. Am Dienstag, 11. November, haben traditionell wieder die Narren im Bezirk die Regentschaft übernommen und damit die fünfte Jahreszeit eingeläutet (siehe auch Seite 14). So auch in Wolfsberg, wo Gerald Niessl (61), Obmann der Faschingsrunde »LEeeeTZ Fetz« in St. Margarethen, den Schlüssel der Stadt Wolfsberg von Bürgermeister Alexander Radl übernommen hat. Nach dem Überreichen des Schlüssels zogen die Mitglieder traditionell von Haus zu Haus und ließen das Faschingswecken beim Gasthof Stoff ausklingen.
»Der Fasching war für mich schon immer ein Highlight«, sagt Niessl, der bereits als Kind faschingsbegeistert war und an Kinderumzügen in Wolfsberg teilnahm. Später war er im Freundkreis maskiert in Wolfsberg unterwegs und investierte Zeit und Geld in die Verkleidungen. Unter anderem, vor rund 30 Jahren, hat er einen Golf GTI »aufgeputzt«, wie er sagt, so dass der Golf die Optik eines US-amerikanischen Polizeiautos erhielt.
Der Wolfsberger zog schließlich nach St. Margarethen und war dort 2015 der erste Prinz. »Armin Eberhard und Hubert Christöfl haben mich darum gebeten. Ich war anfangs unsicher, weil ich neu war im Ort, mich kannte ja niemand. Aber ich habe mich schon geehrt gefühlt. Als Prinz ausgewählt zu werden ist eine Ehre, so sehe ich das heute noch«, erklärt Niessl. Das war auch der Startschuss für die Faschingsrunde »LEeeeTZ Fetz«. Nach dem damaligen Umzug mit Gerald Niessl als Prinz gab es die Preisverleihung beim Gasthof Stoff. Hier wurde spontan der Leitspruch für St. Margarethen, »LEeeetz Fetz«, geboren.
»Es funktioniert nur mit der Unterstützung und dem Engagement aller Mitglieder«
Gerald Niessl, Obmann Narrenrunde
»Am Abend sind wir bei der Theke zusammengestanden, und ich habe gesagt, dass wir ab sofort jedes Jahr etwas zu Fasching organisieren sollten. Ich habe mich dem angenommen, im Sommer wurden nochmals Gespräche geführt, und am 11. November 2015 fand dann das erste Faschingswecken mit neun Mitgliedern der Faschingsrunde und einem Musikanten statt«, blickt Gründungsobmann Niessl zurück. Heuer feiert die Runde ihr zehnjähriges Bestandsjubiläum – mit 34 Mitgliedern, die zwischen neun und 85 Jahren alt sind.
Umzug und Verbrennen
Neben dem Faschingswecken am 11. November sind die zwei weiteren Highlights der Faschingsrunde der Umzug am Faschingssamstag, an dem mittlerweile bis zu 15 Wägen und ebenso viele Gruppen teilnehmen, und das Faschingsverbrennen am Faschingsdienstag. Niessl, verheiratet und dreifacher Vater, sagt: »Das Prinzenpaar wird jedes Jahr erst beim Umzug präsentiert. Nur ich und vielleicht die engsten Familienmitglieder wissen im Vorfeld, wer das Prinzenpaar sein wird.«
Der Brauch des Faschingsverbrennens stammt aus Oberösterreich und wurde vom 61-Jährigen ins Lavanttal »geholt«, wie er sagt: »Wir veranstalten keine Faschingssitzungen, aber ich wollte etwas haben, was uns auszeichnet, mit dem man aus dem Rahmen fällt.« Seit 2018 wird das Verbrennen, bei dem auch der Stadtschlüssel wieder zurückgegeben wird, jährlich durchgeführt.
Niessl, der seit rund einem Jahr im Vorruhestand ist und zuletzt als Vermessungstechniker bei Kärnten Netz tätig war, sagt über die Veranstaltungen der Faschingsrunde: »Es funktioniert nur mit der Unterstützung und dem Engagement aller Mitglieder. Egal um welchen Bereich es sich handelt, ob es die Musik, der Ausschank oder etwas Organisatorisches ist.«
Viel Herzblut steckt der 61-Jährige auch in die Sauschädlgerichte, die in St. Margarethen alle vier Jahre stattfinden. Das nächste Gericht wird 2028 abgehalten. Niessl: »Diesen Brauch haben wir wiederbelebt. Die Leute rufen mich an und wollen wissen, wo sie Karten erhalten. Aber zu einem Sauschädlgericht wird man persönlich eingeladen.«
Generell ist Niessl sehr engagiert in St. Margarethen. Er ist Mitbegründer von »Advent im Dorf«, der im Vorjahr erstmals stattfand. Handwerklich geschickt, fertigte er auch das Eingangsportal für die vorweihnachtliche Veranstaltung. Für das heurige 50-Jahr-Jubiläumskonzert der Trachtenkapelle St. Margarethen gestaltete Niessl den Eingangsbereich. Dazu ist er seit dem Vorjahr als Platzsprecher beim ASV St. Margarethen tätig, ist bei der Dorfgemeinschaft dabei und, da Fotografie eines seiner Hobbys ist, er macht auch Fotos für die Vereine. Und am 15. November wird der diesjährige Christbaum in St. Margarethen aufgestellt – organisiert wurde er, wie sollte es anders sein, von Gerald Niessl.

Von Philipp Tripolt
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