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St. Paul. Es war ein Abend, der in eine andere Welt entführte, eine Welt, in der es zwar die gleichen Probleme und Freuden, Enttäuschungen und Lieben, Neidgesellschaften und Freundschaften gibt wie in unserer, die aber durch die Musik gemildert und in neuen Farben erscheint. Am Mittwoch, 3. Juni, las im Rahmen des St. Pauler Kultursommers die Schauspielerin Katharina Stemberger aus erzählungen der mehrfach ausgezeichneten kroatisch-österreichischen Schriftstellerin Anna Baar. Musikalisch begleitet wurde Stemberger von den »Strottern«.
Baars Texte reflektieren mit komplexer bilderreicher Sprache Zustände und Ereignisse aus ihrer Kindheit in Kroatien, ihrer Jugend in Klagenfurt sowie scharf beobachtete politische Entwicklungen.
Stemberger war für diese Texte eine Idealbesetzung, ist sie doch als vielseitige Künstlerin und gesellschaftliche Aktivistin bekannt für ihre kritischen Reflexionen. Sie präsentierte die Texte mit ausdrucksstarker Überzeugung, als wären es ihre eigenen.
Die Lieder der »Strottern« wiederum dienten nicht der Trennung der Texte, sondern erschufen eine Wiener Gegenwelt zu Baars Texten: einfache Situationen, hintergründig beobachtet, erdig, resignierend, aber doch das Glück suchend, wie in einem der Lieder: »Das Glück is a Vogerl, das Vogerl a Hund, der Hund is a Krot, die dir nix vagunnt!« Die Begleitung mit Gitarre von David Müller im Dreivierteltakt dramatisierte untertreibend den herzerwärmenden Gesang von Klemens Lendl, der auch mit der Geige dazu improvisierte. So schloss sich der literarisch-musikalische Kreis zum Sprachklang, dem heurigen Motto des Kultursommers, und das Publikum zeigte sich restlos begeistert und erklatschte sich eine Zugabe.
Himmlische Klangschönheit
Am Sonntag, 7. Juni, folgte unter dem Titel »Colla Voce« ein weiterer Höhepunkt des Kultursommers. Fast 500 Jahre alte polyphone Meisterwerke erklangen in der Stiftskirche St. Paul, dargeboten vom Vokalensemble »Leonhard Paminger« und dem Blockflötenconsort »Element of Prime«. Sie erfüllten den sakralen Raum und die Zuhörenden mit einer beinahe himmlischen Klangschönheit. Durch perfekte Intonation und eine dezente, aber tief berührende Ausdruckskraft gelang es den Künstlern, das Publikum nicht nur musikalisch zu begeistern, sondern auch geistlich zu berühren und zu bereichern. Und dieses bedankte sich für diese inspirierende Konzertstunde am Ende mit langanhaltendem Applaus und Standing Ovations.
Weiter geht es am heutigen Freitag, 12. Juni, um 18 Uhr im Konvikt. Unter dem Titel »Junge Stimmen auf der KUSO-Bühne« gestalten sechs beim Landesjugendsingen Mitte April ausgezeichnete Schulchöre ein Konzert der jungen Stimmen. Dabei sind die Chöre der Volksschulen St. Marein, St. Georgen, Bleiburg und andere.
Am Sonntag, 14. Juni, gibt es um 16 Uhr in der Stiftskirche »Himmlische Klangfülle«. 150 vokale und instrumentale Mitwirkende interpretieren unter der Leitung des ehemaligen Grazer Domkapellmeisters Josef M. Doeller die 53-stimmige Missa Salisburgensis von Heinrich I. F. Biber, eines der monumentalsten Werke der Barockzeit.

Von Unterkärntner Nachrichten Redaktion
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