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Störfall in der Lavant: Laut Gutachter dauert es ein Jahrzehnt, bis sich der Fischbestand erholt hat Ausgabe 22 | Mittwoch, 27. Mai 2026

Ulrich Habsburg-Lothringen, Sachverständiger für Fischerei, schreibt, es werde zehn Jahre brauchen, bis die 30 Fischarten im Fluss wieder aufgebaut sind. Dazu sagt er Wanderungsbewegungen bei Fischen und Fischottern voraus, die den Schaden noch verstärken.

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Lavanttal. Er prophezeit jahrelange negative Folgen für die Lavant: Laut dem Wolfsberger Ulrich Habsburg-Lothringen, Sachverständiger für Fischerei und Umwelt, wird es wohl ein Jahrzehnt dauern, bis der Fischbestand mit den rund 30 verschiedenen Arten wieder aufgebaut ist. Und: »Alleine um einen Bestand für die Befischung zu erreichen, wird es mindestens fünf Jahre benötigen«, so Habsburg-Lothringen. Außerdem werde der Fischotter seinen Teil zur weiteren Minderung der Fische beitragen.

Wie berichtet war in der Nacht vom 7. auf den 8. März Mischlauge über das Abwassersystem der Papierfabrik Mondi in die Kläranlage Mettersdorf und anschließend in die Lavant geflossen (siehe auch Interview, S. 3). Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt nun wegen fahrlässiger Beeinträchtigung der Umwelt, denn auf einer Länge von mehreren Kilometern verendeten die Fische. 

Doch nicht nur sie. »Mit den Fischen werden auch etliche Fischnährtiere zu Grunde gehen oder deren biologische Aktivität für einen längeren Zeitraum geschwächt werden, wodurch es an Nahrung für die Fische fehlen wird«, schreibt der Wolfsberger in einer gutachtlichen Stellungnahme. Der Vorfall soll auch die Lebensdauer der Fische verkürzen, denn sie »werden in ihrer Gesundheit stark geschwächt, so dass sie vorzeitig zu Tode kommen«. 

Auswirkungen auf Fischerei

Habsburg-Lothringen betreibt mehrere Fischereireviere entlang der Lavant. Auch hier werde es Auswirkungen geben: Aufgrund des Verlusts im Fischbestand wird »die Vermarktung  der Fischereigewässer über die Ausgabe von Fischerkarten oder durch die Verpachtung nach dem Schadensfall schwierig sein«. Verkaufsprospekte seien nicht mehr aktuell, da »über die natürliche Lavant nicht mehr gesprochen werden kann«. Folge: Die Preise für Fischerkarten müssten gesenkt werden.

Verschärft werde die Lage durch den Bestand an Fischottern, so der Sachverständige: Auf den 16 Kilometern der Lavant bis zum Reinhalteverband leben acht Fischotter, die sich von Fischen ernähren. Jedes dieser rund acht Kilo schweren Tiere benötigt täglich etwa zehn Prozent seines Körpergewichts an Nahrung. Habsburg-Lothringen: »Das ergibt pro Fischotter und Jahr etwa 300 Kilo Fisch, bei acht Fischottern wären es 2.400 Kilo pro Jahr. Diese Fischnahrung wird jetzt dem Fischotter nun weitgehend fehlen.« Der gesamte Fischbestand betrug vor dem Störfall in diesem Bereich des Flusses 1.920 Kilo. Habsburg-Lothringen: »Ist die Lavant zu 50 Prozent geschädigt, müssten auch 50 Prozent der Fischotter entfernt oder mit zusätzlicher Nahrung versorgt werden.«

Wanderungen der Tiere

Jetzt einsetzende Wanderungsbewegungen bei Fischen und Fischotter verstärken den Schaden: »Zuerst werden Fische aus dem oberen Teil nach unten einwandern, da dort weniger Fische und theoretisch mehr Nahrung vorhanden sein sollte. Das wird den Fischbestand von Mettersdorf bis Wolfsberg verringern. Gleichzeitig werden die Fischotter auf Nahrungssuche der Lavant flussaufwärts ziehen, was zusätzlich zu einer Verringerung des Fischbestands führen wird«, heißt es in der gutachtlichen Stellungnahme.

Habsburg-Lothringen stellt auch eine Frage: »Wer wird für den Verlust bei den Einnahmen aus der Fischerei aufkommen, wer für den verstärkten Fischotterschaden, da dem Fischotter weitgehend die Nahrung fehlen wird?« 

Dazu werde der Aufwand für den Wiederaufbau eines natürlichen und gesicherten Fischbestandes Zeit und Geld kosten. Der Experte schlägt die Bildung einer Interessensgemeinschaft vor, die diese Probleme regelt und Abstimmungsarbeit leistet, »damit sich die gesetzten Handlungen von Einzelnen nicht widersprechen«. Fischerei, Naturschutz, Jagd, Forst, Industrie und das Land Kärnten sollten sich zu einem Projekt zusammen finden, das von einer auszuwählenden Universität wissenschaftlich geleitet wird.

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