Zukunft der Mobilität wird anders, als wir dachten Ausgabe 15 | Mittwoch, 14. April 2021

Individueller Autobesitz soll bald der Vergangenheit angehören. Die Zukunft heißt teilen: Autos, Fahrräder, Roller für alle – die auch von allen benutzt werden. E-Fahrzeuge werden nicht nur der Fortbewegung dienen, sondern auch als Stromspeicher genutzt werden.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Jedes Fortbewegungsmittel wird mit allen geteilt: Autos, Busse, Fahrräder – und alle laufen mit Strom. So sieht die Zukunft aus. KK

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Das eigene Auto soll bald der Vergangenheit angehören. In der heutigen EU leben 90 Prozent der Menschen in Städten, die von Verkehr und Umweltverschmutzung geplagt und manchmal zum Stillstand gebracht werden. Es gilt, diese Auswüchse zu stutzen, die Unzahl an Fahrzeugen zurückzudrängen und die Umwelt lebenswerter zu machen, zumal die Welt bis 2050 einen Netto-Null-Kohlendioxidausstoß erreichen muss, um sich – mit uns darauf – weiterdrehen zu können.

Das eigene Auto ist passé

Forscher glauben, dass sich unsere heutige Lebensweise in puncto Mobilität radikal verändern wird. Ansätze sind bereits sichtbar, werden aber meist nur in großen Städten und von der jüngeren Generation gelebt.  Die sogenannten Millennials exerzieren es vor: Sie besitzen weniger und teilen mehr, da sie erkannt haben, dass Besitz zur Last werden kann, weshalb Dinge lediglich verwendet werden, wenn sie gebraucht werden. Das heißt: Individueller Autobesitz soll so gut wie verschwinden.

An seine Stelle tritt gemeinsamer Transport über gemeinschaftlich genutzte Taxis oder Mietautos, die an jeder Ecke zu finden sein sollen, sowie für jeden nutzbare Fahrräder oder Scooter – selbstverständlich alle elektrisch betrieben. So haben Untersuchungen gezeigt, dass beispielsweise in Singapur eine Flotte von 300.000 Fahrzeugen – mit einer Wartezeit von 15 Minuten – zu Spitzenzeiten die gesamte Bevölkerung (5,8 Millionen Menschen) bedienen könnte. Derzeit gibt es auf dem Inselstaat aber 600.000 Autos. Wobei Singapur bereits reagiert hat: Seit 1. Februar 2018 wird in Singapur kein neues Auto mehr zugelassen, sofern nicht ein altes dafür verschrottet wird. Neue Zulassungen werden nicht mehr vergeben. Überhaupt bedeuten Autos in einer enger werdenden Welt eine Platzverschwendung, die sich die künftige Gesellschaft wohl nicht mehr leisten wollen wird: Eine OECD-Studie zeigt, dass ein durchschnittliches Auto während seiner Lebenszeit zu 95 Prozent geparkt ist. Um die stetig höher werdenden Kosten für diese Art der Mobilität zu bewältigen, ist es daher leichter, sie zu verteilen und Autos gemeinsam zu nutzen.

Wobei: Die Fahrzeuge der Zukunft werden nicht mehr individuell gelenkt, sondern ausschließlich autonom unterwegs sein. Fahren wird zu einem fast exotischen Luxus, vergleichbar dem Pferd: Früher Selbstverständlichkeit, heute ein Sport, der nicht mehr der Mobilität dient. Bis 2050 sollen alle Fahrzeuge autonom sein. Damit enden nicht nur Raserei und Unfälle aus Unachtsamkeit, autonome Autos können Überlastungen von Verkehrswegen auch leichter verringern und damit den Staus ein Ende bereiten. 

Autos als Stromspeicher

Autos werden auch neue Aufgaben übernehmen, etwa als Energiespeicher. Denn Energie wird nicht mehr von wenigen zentralen Kraftwerken, sondern von vielen kleinen Anbietern erzeugt: Solarzellen am Dach von Einfamilienhäusern, kleine Wasserkraftwerke oder Biogasanlagen auf Bauernhöfen. Die erzeugte Energie muss aber genutzt werden, auch wenn sie gerade nicht benötigt werden. Daher sollen in der Zukunft Strom-Überkapazitäten, etwa in der Nacht, in Elektro-Autos geleitet und deren  Batterien geladen werden. Steigt der Bedarf wieder an, geben Batterien von geparkten Fahrzeugen den Strom wieder ab.

Mit diesen Trends sind nicht alle einverstanden. Gerade das Auto wird immer noch als Synonym für Freiheit gesehen – und als Spaßfaktor. Damit einher gehen Probleme – Geschwindigkeitsrausch, Umweltverschmutzung –, denen der Staat mit immer strengeren Regeln und steigenden finanziellen Belastungen begegnet. Künftige Generationen werden all das gelassen betrachten – Autobesitz und Vollgas geben werden sie so beurteilen, wie wir heute auf die rücksichtslosen Walfänge des 19. und 20. Jahrhunderts sehen – mit Unverständnis.

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