Robin Dutt: »Nächstes Jahr soll der Spatenstich für ein neues Stadion in Wolfsberg erfolgen« Ausgabe 29 | Mittwoch, 21. Juli 2021

Der neue WAC-Trainer Robin Dutt (56) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten. Er sagt, was einen Deutschen in die heimische Bundesliga verschlägt, spricht über sein Verhältnis zu Cupspielen, die Stadionpläne in Wolfsberg und den Start der neuen Saison.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Links: WAC-Präsident Dietmar Riegler (l.) bei der Präsentation des neuen WAC-Trainers Robin Dutt Mitte Juni in der Lavanttal-Arena. Rechts: Dutt im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die bevorstehende Saison, das Lavanttal und die Unterschiede zwischen den Bundesligen in Österreich und Deutschland. Fotos: UN

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Können Sie sich unseren Lesern kurz selbst vorstellen?
Ich bin 56 Jahre alt, verheiratet und habe einen Sohn. Bereits  mit 17 Jahren habe ich als Trainer angefangen, Jugendliche in meinem Heimatdorf zu trainieren. Danach war ich Spielertrainer, später nur noch Trainer und habe dabei alle Klassen durchgemacht, von der unterster Liga in Deutschland bis hin zur Champions-League. Ich habe jede dieser Stufen entweder als Trainer oder Spieler zumindest ein Jahr lang durchlaufen.

Haben Sie sich im Lavanttal schon eingelebt?
Durchaus, ich bin hier bereits auf sehr angenehme Menschen getroffen und habe gemeinsam mit meiner Frau eine schöne Wohnung der Nähe des Stadions gefunden. Es ist sehr schön, hier  zu leben. Andere Menschen machen  Urlaub im Lavanttal, ich darf hier arbeiten. Man kann sich im Lavanttal wirklich sehr gut einleben.

Lavanttaler Most und eine Brettljause schmecken Ihnen also?
Ich habe das natürlich schon getestet. Ich muss sagen, die Brettljause schmeckt mir deutlich besser als der Most. Mir persönlich ist der klassische Sommerspritzer lieber als Most.

Was verschlägt einen deutschen Trainer nach Österreich bzw. ins Lavanttal?
Die Deutschen, die den Fußball in Österreich immer belächeln, haben die vergangenen zehn Jahre verschlafen. Der Sport hat sich hier sehr gut entwickelt. Wie man auch bei der Europameisterschaft sehen konnte, wird in Österreich sehr guter Fußball gespielt.

Zum  WAC bin ich durch eine Anfrage gekommen. Ich kannte die Bundesliga in Österreich schon seit Jahren sehr gut, und beim WAC wurde in den vergangenen Jahren sehr gut gearbeitet. Das machte ihn für mich schon interessant.

Und da haben Sie gleich einen Vertrag unterschrieben?
Es gab ein Gespräch mit Präsident Dietmar Riegler und seinem Vize Christian Puff. Wir haben schnell gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind und es inhaltlich passt. Dann ging alles recht schnell und der Vertrag war besiegelt. 

Wie groß ist eigentlich der Unterschied zwischen der österreichischen und der deutschen Bundesliga?
Von der Professionalität her sind beide Ligen gleich zu beurteilen. Unterschiede gibt es aber vor allem im Bereich der Infrastruktur, bei der lediglich Salzburg mit den deutschen Vereinen mithalten kann. Man muss sagen, dass zum Beispiel der WAC in den vergangenen Jahren so erfolgreich war, dass die Infrastruktur nicht so schnell mitwachsen konnte. Aber es ist auch gut so, langsam in die Infrastruktur zu investieren. Zuerst muss der sportliche Erfolg kommen, dann kann investiert werden. Beim WAC gibt es schon konkrete Pläne, nächstes Jahr soll der Spatenstich erfolgen für ein neues Stadion, und dann braucht man sich im Lavanttal bei der Infrastruktur nicht mehr zu verstecken.

Kommen wir zum Sportlichen: Steht der Kader für die kommende Saison bereits?
Mit der Verpflichtung von Tai Baribo haben wir nun alle Positionen in der Mannschaft besetzt. Geplant ist derzeit kein weiterer Neuzugang, aber es kann sich natürlich immer kurzfristig etwas tun, wenn ein Spieler noch abspringen oder sich verletzen sollte.

Wie war die Vorbereitung?
Die ist sehr positiv verlaufen. Wichtig ist, dass es wenige Verletzte gab und auch Spieler nach ihrer Verletzungspause wieder zurückkehren. Sven Spangler kann mittlerweile wieder bei den Amateuren spielen, das ist sehr positiv. Leid tut es mir um Mario Leitgeb, der wegen einer Sperre in den ersten vier Pflichtspielen noch pausieren muss. 

Tai Baribo ist bereits der dritte Israeli, der in Wolfsberg auf Torjagd geht. Gibt es eine spezielle Connection zu Israel oder einem Spielerberater dort?
Bei Tai besteht keine Zusammenhang zu Shon Weissman und Eliel Peretz. Tai habe ich selbst gescoutet, empfohlen bekommen und überprüft. Da hatte ich die entsprechenden Kontakte selbst.

Was ist Ihre Fußballphilosophie?
Kurz zusammengefasst kann man sagen, schnelles Kombinationsspiel nach vorne und aggressives Pressing, wenn wir den Ball nicht haben.
In der Offensive ist meine Spielidee, das Zentrum zu besetzen, und in der Defensive gibt die Spielsituation das jeweilige System vor.

Was möchten Sie in dieser Saison mit dem WAC erreichen?
Das ist nicht so einfach zu beantworten. Die Liga in Österreich ist unglaublich eng zusammengerückt. Das hat man in der vergangenen Saison gesehen. Austria Wien belegte Platz acht in der Meisterschaft und hat sich über das Play-off schließlich noch für einen internationalen Bewerb qualifiziert. Es geht um eine gute Ausgangsposition für das Frühjahr und dass sich die Mannschaft gut entwickelt. Einen fixen Tabellenplatz möchte ich nicht festmachen.

Aber das Meister-Play-Off ist schon ein Ziel?
Wie gesagt, die Austria hat das Meister-Play-off nicht geschafft, aber einen internationalen Startplatz erkämpft. Für mich ist eine gute Ausgangssituation im Frühjahr wichtig.

Ihr Co-Trainer Oliver Barth war bereits in Österreich tätig. Ist das ein großer Vorteil?
Dass ich Oliver Barth als Co-Trainer gewinnen konnte, ist ein Glücksfall. Er war unter mir schon als Spieler und auch Co-Trainer tätig. Nun hat er ein Jahr in Österreich bei der Admira gearbeitet, er kennt die österreichische Liga sehr gut.

Gibt es sonst noch Änderungen im Betreuerstab?
Rainer Müller ist als neuer Analyst zum Verein gekommen, und nach dem Abgang des Torwarttrainers haben wir mit Mario Krassnitzer von der Akademie einen neuen Mann für die Torleute.

In der Vorwoche gab es im ÖFB-Cup einen 3:0-Erfolg über den Wiener Sportclub. Zufrieden?
Wir sind in diesem Spiel unserer Favoritenrolle gerecht geworden. Cup-Spiele sind immer etwas Besonderes. Gerade zum Beginn einer Saison ist eine konzentrierte Leistung sehr wichtig, das ist uns sehr gut gelungen. 

Welchen Stellenwert hat der Cup für Sie persönlich?
Für mich ist der Cup ein sehr attraktiver Wettbewerb und hat einen ganz hohen Stellenwert. Es gibt maximal fünf Spiele und jeder Cup-Sieg bringt zusätzliche Motivation für die Bundesliga.

In der Bundesliga muss der WAC  zum Auftakt gleich zum Kärntner Derby nach Klagenfurt. Wie besonders sind für Sie Derbys?
Derbys sind immer etwas ganz Besonderes. Da merkt man bereits im Vorfeld die Emotion und Spannung, die in der Luft liegen. Seit Bekanntwerden sprechen mich immer wieder Leute darauf an. In Klagenfurt wurde mir gesagt, dass man mit 15.000 Zuschauern bei diesem Spiel rechnet. Ich freue mich wirklich schon darauf. 

Apropos Zuschauer: In Deutschland spielten Sie vor zigtausend Zusehern, in Österreich kommen drei- bis zehntausend zu den Spielen. Wie ist es, vor einem so »kleinen« Publikum zu spielen?
Ein Sieg oder eine Niederlage fühlt sich immer gleich an, egal ob vor 50 oder 50.000 Zusehern. Es liegt an uns, durch unsere Leistung die Fans ins Stadion zu holen.

// Zur Person

Robin Dutt wurde am 24. Jänner 1965 in Köln-Lindenthal geboren. Von 1983 bis 1995 war er aktiver Fußballer bei verschiedenen Bezirks- und Verbandsligavereinen. Am Ende seiner Spielerzeit war er Spielertrainer bei TSG Leonberg. Danach trainierte er zahlreiche Vereine, darunter den SC Freiburg, Bayer Leverkusen und Werder Bremen. 2012 und 2013 war er Sportdirektor beim DFB (Deutscher Fußballbund).
Zuletzt war er Trainer von VfL Bochum, im Mai unterschrieb er beim RZ Pellets WAC für die Saison 2021/22.

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