Bezirksjägermeister Johann Waich: »Einen Wolf, der im Lavanttal lebt, den gibt es noch nicht« Ausgabe 17 | Mittwoch, 28. April 2021

Der neue Bezirksjägermeister Johann Waich (66) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die Jagd, seine neuen Aufgaben, Herausforderungen für Jäger, Wölfe im Lavanttal, was er von Jagdtourismus und Windkrafträdern auf den heimischen Bergen hält.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Die Familie Waich: Gattin Andrea, die Töchter Antonia und Eva, Johann Waich und Hund »Quinn von der Kupferschmiede«. Bilder rechts: Ein treuer Begleiter: »Quinn von der Kupferschmiede« unterstützt Johann Wech nicht nur bei der Jagd im Freien, sondern auch bei den administrativen Tätigkeiten am Computer im Home-Office. Fotos: KK

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Sie wurden kürzlich zum neuen Bezirksjägermeister gewählt. Können Sie sich unseren Lesern kurz selbst vorstellen?
Ich komme aus Wiesenau bei Bad St. Leonhard. Ich bin verheiratet, meine Frau Andrea und ich haben zwei Töchter. Ich bin seit bald 50 Jahren Jäger. Seit ich im Ruhestand bin, gehört meine Freizeit nicht mehr nur der Jagd draußen im Revier, sondern auch der für mich neuen Aufgabe als Bezirksjägermeister.

Sie haben gesagt, Sie sind seit mittlerweile fast einem halben Jahrhundert in der Jagd tätig. Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin geprüfter Jäger seit ungefähr 50 Jahren, aber ich bin Jäger von Kindesbeinen an. Ich bin in einer Jägerfamilie aufgewachsen, in der die Jagd immer ein ganz zentrales Element war. Das hat man in den Genen.

Die Wahl des neuen Bezirksjägermeisters fand nicht zum geplanten Zeitpunkt statt, sondern bereits Jahre früher. Was war der Grund dafür?
Bezirksjägermeister Walter Theuermann hatte das Amt zwölf Jahre lang in Wolfsberg bekleidet. Er wollte ursprünglich nur eine Periode machen, hat dann noch eine zweite angehängt. Zum Ende der zweiten hat er bereits in Aussicht gestellt, eine dritte nicht mehr zu beenden. Er wollte eigentlich schon nach der zweiten Periode das Amt abgeben, hat aber niemanden gefunden, der bereit gewesen wäre, seine Nachfolge anzutreten. So sind wir übereingekommen, dass ich nach seiner zweiten Periode zu seinem Stellvertreter werde und er so lange Bezirksjägermeister bleibt, bis ich meinen Ruhestand antrete. Neben einem Beruf ist es mittlerweile fast unmöglich, die Funktion des Bezirksjägermeisters auszuüben. Die Aufgaben sind vielfältig und benötigen sehr viel Zeit. 

Sie haben gesagt, die Aufgaben des Bezirksjägermeisters sind sehr umfangreich und auch zeitintensiv. Warum tut man sich dann so ein Amt im Ruhestand an?
Ich bin Jäger aus ganzem Herzen und mit Begeisterung. Ich hatte die Gnade, so lange Zeit bei uns der Jagd nachzugehen und alle damit verbundenen Sachen zu genießen. Nun ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben. Die Jagd ist in dieser Qualität wie in Kärnten nur möglich, wenn eine entsprechende Führung da ist, wenn entsprechende Regeln da sind und wenn die Organisation und Administration stimmen.

Was fällt in den Aufgabenbereich des Bezirksjägermeisters?
Die Kärntner Jägerschaft ist in Selbstverwaltung. Sie hat viele hoheitliche Aufgaben vom Land Kärnten übertragen bekommen, die abgearbeitet werden müssen. Dazu zählen unter anderen Jagdkarten oder Jagderlaubnisscheine – alle diese Dinge werden über die Bezirksgeschäftsstelle ausgestellt und abgewickelt. Die Jägerschaft ist selbst für die Erstellung der Abschusspläne verantwortlich und muss die entsprechenden Bescheide ausstellen. Wir sind die Anlauf- und Servicestelle für alle Jäger des Tals. Das sind immerhin 1.300 Jäger. Wir sind in engem Kontakt mit den Hegeringleitern, sind Kontaktstelle für die Bezirksverwaltungsbehörde und Anlauf- und Beratungsstelle für alle Menschen, die an der Jagd, an Natur und Wildbesitz interessiert sind.

Jäger haben oftmals einen schlechten Ruf. Dabei haben sie vielfältige Aufgaben zu erledigen. Was gehört zu den Aufgaben eines Jägers?
Ein väterlicher Freund von mir, Anton Kranner, hat zu mir einmal richtigerweise gesagt: »Jäger sind ja keine besseren Menschen als die Nichtjäger, aber auch keine schlechteren.« Die nicht so gute Reputation der Jägerschaft fußt auf dem Nichtwissen der nichtjagenden Bevölkerung. Die Jagd ist ist eine legitime Nutzung von Grund und Boden. Sie ist älter als die Land- und Forstwirtschaft. Und nichts hat den Menschen in seiner Entwicklung mehr geprägt als die Jagd. Jagd ist etwas ganz Grundlegendes und aus unserer Kulturlandschaft nicht wegzudenken. Die Jagd hat vielfältige Aufgaben, die gesetzlich ganz genau geregelt sind. Die Kärntner Jägerschaft ist verantwortlich für die Erhaltung von Wildtieren in einem gesunden Umfeld und einer großen Artenvielfalt in Abwägung mit den Interessen der Land- und Forstwirtschaft.  

»Da sind wirklich Leute hingefahren und haben abgeknallt, was verfügbar war«
Johann Waich, Bezirksjägermeister

Wo liegen die Herausforderungen für Jäger im Lavanttal?
Wir haben weltweit ein großes Problem: Die Naturräume werden immer mehr beschnitten. Österreich ist prozentuell in der Verbauung von Flächen mittlerweile Nummer eins in Europa. Österreich verfehlt die Ziele innerhalb der EU bei weitem. Die Lebensräume für das Wild werden kleiner, und durch die intensive Nutzung der Land- und Forstwirtschaft, aber auch durch die Nutzung anderer Naturnutzer, etwa Freizeitsportler, qualitativ schlechter. Trotzdem sollte es gelingen, Wildtieren entsprechenden Lebensraum zu gewähren.

Gibt es bei uns im Lavanttal Wölfe?
Wölfe sind im Lavanttal nicht beheimatet. Das weiß man. Es zieht aber immer wieder einmal ein Wolf durch das Lavanttal durch. Da oder dort wurden auch Risse gemeldet. Aber einen Wolf, der bei uns lebt, den gibt es noch nicht. Wir hoffen, dass das auch so bleibt und sich kein Rudel bildet. Das wäre dann für die Wildtiere kein so großes Problem, aber für die landwirtschaftliche Tierhaltung.

Ein Problem im Lavanttal ist der Fischotter. Wie kann man es bewältigen?
Die Situation ist nicht nur auf das Lavanttal beschränkt. Die Lavant und auch die Seitenarme sind fast fischleer. Wir Jäger haben darauf keinen Einfluss, das wurde uns aus der Hand genommen. Der Fischotter darf nicht bejagt werden. Es gibt hin und wieder Ausnahmen, eine geringe Anzahl von Fischottern zu entnehmen. Diese Abschusspläne macht aber nicht die Jägerschaft, sondern das Land Kärnten. Einen großen Vorteil für die Jägerschaft brachte in diesem Zusammenhang die Novellierung des Jagdgesetzes. Jäger müssen nun nicht mehr für Schäden aufkommen, die von nicht bejagdbaren Tieren verursacht wurden.

Wie steht die Jägerschaft zu Windrädern auf unseren Bergen?
Wir leben in einer Zeit des Klimawandels, der auch bemerkbar ist. Wir wissen, dass wir unsere Energieressourcen anders bewirtschaften müssen. Die Windräder sind eine absolute Alternative. Aber: Die Windräder dort zu platzieren, wo unsere letzten schönen Naturressourcen vorhanden sind, wo es noch schöne Almgebiete gibt, das ist zu hinterfragen. Es ist ja nicht nur das Windrad alleine, sondern die gesamte Erschließung der Gebiete für Windparks.

Jagdtourismus wird immer populärer. Was halten Sie davon?
Jagdtourismus hat es immer gegeben. Ich bin kein Jagdtourist. Ich hatte die Gelegenheit, mehrmals in Afrika zu sein. Ein Freund von mir besitzt eine Rinderfarm. Ich konnte dort auch die Jagd ausüben, wie es bei uns üblich ist. Also eine schöne Pirsch und keine Jagd vom Auto aus. Lange Zeit war die Jagd in Afrika nicht reguliert. Da sind wirklich Leute hingefahren und haben abgeknallt, was verfügbar war. Mittlerweile ist aber alles sehr reguliert und der Jagdtourismus bietet den Ländern eine enorme Einnahmequelle und hat das Ziel, die Wildtiere zu erhalten. Es gibt auch Staaten, in denen die Jagd verboten wurde. Dort sind ganze Wildtierarten ausgestorben. 

Was war denn in Ihrer langen Zeit bei der Jägerschaft die beste Jägerlatein-Geschichte, die Sie gehört haben?
Was ist Jägerlatein? Darunter versteht man, wenn Jäger Nichtjägern Geschichten erzählen. In einer Art und Weise, dass der Laie glaubt, dass sie stimmen und ihn in Verwunderung versetzen. Die besten Jagdgeschichten, die ich gehört habe, sind so haarsträubend, die kann ich hier gar nicht erzählen.

Zum Abschluss: Kennen Sie einen guten Jägerwitz?
Die Antwort ist einfach: Es gibt keinen guten Jägerwitz.

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