Die Lavanttaler Volleyballerin Kerstin Errath baggerte erfolgreich auf der ganzen WeltAusgabe 40 | Mittwoch, 2. Oktober 2019

Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach die ehemalige Profi-Beachvolleyballerin Kerstin Errath über ihre sportlichen Anfänge, ihre Karriere als Fußballerin, wie sie schließlich zum Beachvolleyball kam und warum sie zwei Jahre bei der Profi-Tour in den USA spielte.

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Sie waren Volleyball-Profi. Ihre sportliche Karriere haben Sie allerdings als Fußballerin begonnen. Warum haben Sie die Sportart gewechselt?
Ich habe in meiner Kindheit von der U8 bis zur U12 beim WAC bei den Burschen mitgespielt und war danach noch eine Zeit lang bei den WAC-Girls tätig. In der Hauptschule habe ich dann mit Volleyball angefangen und durfte schon mit 13 Jahren mit den Bundesliga-Damen des VBK Wolfsberg mitspielen. Ich war daneben auch noch im Fußball aktiv und im Kader des U16-Damenteams. Aber irgendwann musste ich mich für eine Sportart entscheiden und da war für ein Mädchen Volleyball einfach aussichtsreicher als Fußball.

Sie spielten beim VBK Wolfsberg, waren später bei Post Wien und dem ATSC Klagenfurt. Wie kam es zum Wechsel von der Halle zum Beachvolleyball?
Im Jahr 2000 hat mich Österreichs Beachvolleyballprofi Sara Montagnolli angerufen und mich gefragt, ob ich mit ihr ein Beachvolleyball World-Tour-Turnier spielen möchte. Und da habe ich natürlich ja gesagt und im Jänner 2001 gemeinsam mit Montagnolli mein erstes internationales Beachturnier auf Gran Canaria gespielt.

Wie ist die Premiere verlaufen?
Wir haben die Qualifikation für den Hauptbewerb knapp verfehlt. Die Umstellung von der Halle auf den Sand war für mich sehr schwer, ich konnte ja keine Shots usw. Aber es hat mir sehr gut gefallen.

»Die Zeit in den USA war genial, ich war geflasht, spielte in Städten wie New York, Chicago, LA«
Kerstin Errath, ehemalige Beachvolleyballerin

Und danach haben Sie sich aufs Beachvolleyball konzentriert?
Das war gerade die Zeit, in der Beachvolleyball in Österreich erst seine Anfänge hatte. Ich konnte daher nicht nur beachen. Im Winter spielte ich in der Halle, um das Geld zur Finanzierung der Beachvolleyball-Turniere im Sommer zu verdienen.

Heute ist Beachvolleyball eine eigene Sportart. War das damals nicht so?
Damals spielten die meisten noch nebenbei in der Halle. Heute ist Beachvolleyball in Österreich ganz anders aufgestellt. Die meisten heimischen Beachvolleyball-Profis haben nie in der Halle gespielt. Der Turnierkalender erstreckt sich mittlerweile über das ganze Jahr und die Spieler werden bereits von der Jugend an professionell betreut und trainiert.

Sie waren auch zwei Jahre auf der US-Tour als Beachvolleyballerin unterwegs. Wie kamen Sie in die USA?
Bei einer Studenten-EM fragte mich eine US-Amerikanerin, ob ich nicht vielleicht einige Turniere mit ihr auf der EVP-Tour, einer amerikanischen Turnierserie, spielen möchte. Also bin ich mal zu ihr rübergeflogen und wir haben zwei Turniere erfolgreich bestritten. Danach waren wir zwei Saisonen lang gemeinsam auf der EVP-Tour unterwegs, die wir beide Male gewinnen konnten.

Wie waren Ihre Eindrücke in den USA?
Das war schon sehr cool. Ich konnte in Kalifornien mit Beachvolleyball-Stars wie Holly McPeak trainieren. Die Zeit war grenzgenial, ich war total geflasht, spielte in Städten wie New York, Chicago, Los Angeles usw.

Danach gingen Sie wieder zurück nach Europa und spielten auf der World-Tour?
Ich war dann noch einige Zeit auf der FIVB-World Tour unterwegs. Mein letztes Beachvolleyballturnier bestritt ich 2011 beim Grand Slam in Klagenfurt.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was waren die schönsten Momente?
Beim Beachvolleyball war einer der schönsten Momente, als meine Partnerin und ich erstmals die Qualifikation beim Grand Slam in Klagenfurt überstanden und in den Hauptbewerb einzogen. Das war genial. Zu Hause zu spielen, vor tausenden Fans, der Familie und Freunden. In der Halle war sicher der österreichische Meistertitel mit Post Wien ein Highlight meiner Karriere. Ein Meistertitel beim Beachvolleyball ist mir leider verwehrt geblieben, da konnte ich lediglich drei Vizemeistertitel holen.

Wie ging es nach Ihrer Profi-Karriere weiter?
Ich habe bereits während meiner aktiven Zeit die Pädak absolviert und Deutsch und Sport studiert. Nach meinem Karriereende war ich zunächst eine Zeit lang selbstständig im Fitnessbereich, seit dem vergangenen Schuljahr habe ich eine Anstellung als Lehrerin an der Neuen Musikmittelschule in Wolfsberg, wo ich Deutsch sowie Bewegung und Sport unterrichte und die Volleyball-Schülerligamannschaft betreue. Außerdem bin ich beim Kärntner Volleyballverband die Landesreferentin für Schülerliga Volleyball.

Mit Ihrem Ehemann Rainer waren Sie schon während Ihrer aktiven Karriere zusammen. Er war damals nicht nur ihr Freund, sondern auch Ihr Trainer. Ist es nicht schwierig, wenn man sowohl privat als auch sportlich liiert ist?
Na ja, sagen wir einmal, es ist positiv schwierig. Natürlich hat er von mir sehr viel gefordert, er hat mich aber auch immer gepusht und wollte das Beste aus mir rausholen. Es war sicher von Vorteil, dass ich mit ihm auf einer anderen Ebene kommunizieren konnte, als mit einem anderen Trainer. Wir waren ja auch nicht 24/7 zusammen. Rainer war ja auch Trainer einer Mannschaft und außerdem hatten wir das Geld nicht, dass er zu allen Beachvolleyballturnieren mitgereist wäre.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Ursprünglich wollte ich diese Saison den VBK Wolfsberg in der Halle in der zweiten Bundesliga unterstützen. Mit Familie und Beruf geht sich das zeitlich nicht aus. Es ist schade, aber irgendwann muss man zurückstecken.

Ihr Sohn Rafael stammt aus einer sportlichen Familie. Mama und Papa waren Volleyballer, der Opa, Wolfgang »Rastelli« Pichler, war Fußballer. Ist Rafael auch eine Sportskanone?
Es spielt beim WAC in der U8 und hat schon viele Tore erzielt und hat sehr gute Ansätze. Natürlich ist er sportbegeistert. Wir machen mit ihm ja auch sehr viel Sport.

Sie waren selbst beim WAC aktiv. Was sagen Sie zu den Wölfen und ihrer Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase?
Der Erfolg des WAC ist einfach super. Der Start in die Europa League ist mit dem 4:0-Sieg gegen Mönchengladbach geglückt. Ich hoffe, der Run hält an. Ich bin mit meiner Familie in der Meisterschaft, bei den Heimspielen dabei. Ich wünsche dem WAC alles Gute für den weiteren Verlauf der Europa League.

Die Profikarriere war sicher stressig, vor allem die vielen Reisen. Wie verbringen Sie nun Ihre Freizeit?
Es war schon sehr anstrengend, aber auch eine richtig lässige Zeit, die ich auf keinen Fall missen möchte. Man hat ein Turnier in China gespielt und am nächsten Wochenende musste man in Europa am Strand stehen. Aber die zehn Jahre waren unglaublich, ich habe Freunde auf der ganzen Welt gefunden. Ich würde es wieder ganz genauso machen. Jetzt nach dem Karriereende verbringe ich meine Freizeit mit Sport, ich mache mit unserem Hund einen Welpenkurs, lese sehr gerne  und sehe mir die WAC-Spiele an. Einiges der Freizeit geht auch mit der Vor- und Nachbereitung meiner Unterrichtsstunden drauf.

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