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Wolfsberg. Es ist erstaunlich: Die Fußball-WM verleiht sogar der Politik Flügel. Die Tagesordnung der Wolfsberger Gemeinderatssitzung am 2. Juli, die um 17 Uhr startete, beinhaltete mehr als 80 Punkte – der öffentliche Teil mit 78 Punkten war bereits nach zweieinhalb Stunden abgearbeitet. Da blieb noch Zeit, um das Spiel Österreich gegen Spanien ab 21 Uhr live am Weiherplatz zu sehen – samt 0:3-Niederlage der unsrigen.
Nicht lustig waren auch die Themen, mit denen sich der Gemeinderat zuvor zu befassen hatte. Im Zentrum standen der »Hitzebericht« der Umweltorganisation Greenpeace und der erste Nachtragsvoranschlag. Der weist zwar wieder ein großes Minus aus, traf aber auf volle Unterstützung aller Fraktionen.
»Wahrscheinlich werde ich jetzt auch für den Klimawandel verantwortlich gemacht«
Alexander Radl, Bürgermeister
Erst zu den Temperaturen. Wie berichtet sorgte Greenpeace zuletzt für Aufregung in der Stadtpolitik. Die Organisation bescheinigte Wolfsberg, im Vorjahr mit 40 Hitzetagen und dem geringsten Grünanteil im Zentrum – 17,5 Prozent – die heißeste Stadt Österreichs zu sein. Im Rathaus war man mit der Greenpeace-Berechnungsweise nicht einverstanden, da einige Parks unberücksichtigt blieben. Also wurden in der Sitzung Mappen mit einer Karte ausgelegt, die das von der Umweltorganisation ausgewählte Gebiet zeigte. Erst reagierte auf diesen Vorstoß niemand.
Doch in der Fragestunde kam das Thema aufs Tapet. Gemeinderätin Waltraud Beranek (ÖVP) wollte von Bürgermeister Alexander Radl (SPÖ) wissen, welche Maßnahmen die Stadt angesichts des »katastrophalen Zeugnisses« setzt, um die Belastung zu reduzieren.
Radl war vorbereitet. »Wir haben viele Grünanlagen«, sagte er, »wenn die berücksichtigt worden wären, hätte sich ein anderes Bild ergeben.« Er sei nicht zufrieden, wie die Studie zustande kam.
Dann gab Radl zu: Ja, die Stadt habe auch Nachholbedarf. Doch sei man bereits dabei, am Hohen Platz und am Bahnhofsplatz Begrünungsmaßnahmen umzusetzen, die noch heuer kommen sollen.
»Ich bin der Letzte, der kein Grün setzen will«, sagte der Bürgermeister, der auf Wien verwies: Dort herrschten zuletzt 40 Grad, »in Wolfsberg waren es 36 Grad«. Dann ein wenig wehleidig: »Wahrscheinlich werde ich jetzt auch für den Klimawandel verantwortlich gemacht, das bin ich aber nicht.« Zuletzt zählte er alle von der Stadt ergriffenen Maßnahmen auf, die bereits die Stadtpresse öffentlich gemacht hat (siehe UN27/2026).
Beranek war damit nicht zufrieden. Sie wollte wissen, warum die von der ÖVP schon 2020 vorgeschlagenen Maßnahmen zur Begrünung nicht umgesetzt worden seien? Radl: »Wir haben ein Konzept für die Innenstadt, die Maßnahmen müssen dazu passen.« Aber Beranek solle ihm den früheren Antrag zukommen lassen. Deren Antwort: »Wir werden heute neue Anträge stellen.« (Siehe Artikel unten.)
Weiter Millionen-Minus
Der nächste Brocken war der erste Nachtragvoranschlag: Im Ergebnishaushalt hat Wolfsberg nun ein Minus von 7,368 Millionen Euro, der Finanzierungshaushalt ist mit 4,389 Millionen Euro in den roten Zahlen.
Im Voranschlag, der im Dezember 2025 präsentiert wurde, war im Ergebnishaushalt ein Abgang von 7,404 Millionen Euro berechnet worden, im Finanzierungshaushalt minus 4,274 Millionen Euro. Ersterer hat sich leicht verbessert, letzterer ein wenig verschlechtert.
Finanzreferent Christian Stückler (SPÖ) verwies auf die von 32,5 Millionen auf 33 Millionen Euro gestiegenen Umlagen, die abgeliefert werden müssen, und auf ein Schreiben des Landes: Das mahne zwar weiter zur Sparsamkeit, erkenne aber die Bemühungen der Stadt an. »Das Wolfsberger Finanzmanagement wird ordnungsgemäß und effizient geführt«, zitierte Stückler das Land.
FPÖ-Stadtrat Michael Schüssler sagte: »Im Ausschuss waren wir noch dagegen, dann haben wir uns näher mit den Zahlen befasst. Wir sind nicht mit allem einverstanden, aber es geht um wichtige Dinge, etwa die Feuerwehren. Daher sind wir beim Beschluss dabei.«
Prompt gab es von Radl eine auf den Deckel: »Wenn man zustimmt, stimmt man allem zu!« Ersatzgemeinderat Harald Trettenbrein (FPÖ) quittierte das mit verärgertem Gemurmel, meldete sich aber auch nach einer Aufforderung Radls nicht zu Wort.
Dann der Bürgermeister: »Wir schauen, dass wir einen sparsamen Weg beschreiten, aber auch investieren. Diese Gratwanderung ist nicht leicht.« Natürlich sei man im Minus, aber trotzdem auf dem richtigen Kurs. Als er, Radl, das Amt übernommen habe, schrieb die Stadt ein Minus von 8,5 Millionen Euro: »Jetzt sind es 4,4 Millionen.«
Schuld ist laut dem Bürgermeister die Umlagenbelastung: »Wenn das so weiter geht, haben wir ein Problem, dann geht es sich nicht mehr aus.« Wenn das Land sage, es sorge für die Stabilität der Gemeinden, »bin ich damit nicht ganz einverstanden. Ich sehe die konkreten Maßnahmen nicht.«
Trotzdem sei viel Positives im Nachtragvoranschlag: Vereine und Feuerwehren werden weiterhin unterstützt, außerdem Kindergärten und Spielplätze, dazu die Wirtschaft gestärkt. »Wir sind sparsam, gehen aber auch Investitionen an«, sagte Radl.
Diskutiert wurde danach nicht mehr, alle Parteien stimmten dem Nachtragsvoranschlag zu.

Von Horst Kakl
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