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Reichenfels. Manfred Führer ist 53, und wenn er über seine politische Laufbahn spricht, klingt vieles nach einem Weg, den er nicht gesucht, aber konsequent gegangen ist. Ein Weg, der 1997 begann – unspektakulär, fast beiläufig. Damals kandidierte er in Reichenfels erstmals für den Gemeinderat. »Ich wollte nicht nur reden, ich wollte auch gestalten«, sagt er. Die ÖVP wählte er aus eigener Überzeugung, nicht aus Tradition. »Wir waren kein urschwarzes Haus. Es hat einfach gepasst«, so Führer.
Zunächst wurde er Ersatzgemeinderat, zwei Jahre später Gemeinderat, am Ende der Periode schließlich Gemeindevorstand. 2003 trat er als Spitzenkandidat gegen Otto Monsberger an und verlor. Monsberger starb eineinhalb Jahre später, eine Nachwahl folgte. Bei der Nachwahl kandidierten Horst Friedl (SPÖ) und Eveline Schaller-Siutz (ÖVP). Schaller-Siutz verlor – und Führer wartete.
2009 trat Führer erneut an. Diesmal gewann er die Stichwahl gegen Friedl. Seitdem ist er Bürgermeister. Drei Perioden, viele Herausforderungen und ein Amt, das ihn geprägt hat – und das er selbst geprägt hat.
Sein erstes großes Projekt war das Veranstaltungszentrum (VAZ). Ein altes Gebäude mitten im Ort, das viele schon abgeschrieben hatten. Führer wollte es erhalten – und schaffte es gemeinsam mit den Vereinen. Besonders stolz ist er aber auf etwas anderes: den Stil im Gemeinderat. »Wir diskutieren oft länger und härter, aber am Ende gehen wir meist mit Einstimmigkeit heraus. 99 Prozent der Beschlüsse sind einstimmig.«
Warum er weiter macht
Führer ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Aber er ist jemand, der Verantwortung nicht abgibt, wenn es schwierig wird. »Es sind so viele extreme Sachen auf uns zugekommen – Corona, die neue Buchhaltung für Gemeinden, die Wirtschaftslage und Kriege. Vor Corona war Reichenfels in einer Phase, in der man sparen und gleichzeitig investieren konnte. Jetzt ist vieles komplizierter«, sagt er.
Trotzdem: Die Gemeinde bewegt sich. Der Bildungscampus wird gebaut (wir berichteten), ein Windpark kommt und ein neues Unternehmen siedelt sich an. »Da möchte ich nicht einfach sagen: Ich höre auf, pfiat eich. Ich möchte diese Vorhaben schon noch zu Ende bringen.«
Ein privater Anker gibt ihm zusätzlich Kraft: Vor eineinhalb Jahren hat er Karin geheiratet. »Sie steht voll hinter mir, unterstützt und motiviert mich«, so Führer.
Seine Vision für Reichenfels
Führer weiß, dass man in Reichenfels anders denken muss als in Städten oder Tourismushochburgen. »Wir werden keine Großindustrie bekommen und auch keinen Massentourismus. Aber Reichenfels hat andere Stärken: ein Freibad, den Bildungscampus, ein sehr gutes Angebot für Familien und ein funktionierendes Ortsleben mit all den Vereinen«, so Führer. Seine Vision: eine wirtschaftlich stabile Gemeinde, die sich leisten kann, was die Bevölkerung braucht. Ein Ort, der Zuwanderung ermöglicht, der Wohlfühlgemeinde bleibt, der ein bisschen Tourismus hat – aber nicht mehr, als gut tut.
In den Wahlkampf möchte Führer im Winter starten. Kurz, sachlich, ohne Schlammschlacht, ohne Plakatflut. Führer will einen »vernünftigen Wahlkampf«.

Von Michael Swersina
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