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Engelbert Mikusch: »Die wertvollste Briefmarke ist für mich die, die mir in meiner Sammlung fehlt«Ausgabe 38 | Mittwoch, 16. September 2026

Für Engelbert Mikusch sind Briefmarken kleine Zeitzeugen. Der 64-Jährige sammelt seit Jahrzehnten, führt seit dem Jahr 2024 den Briefmarkensammlerverein Frantschach-St. Gertraud und findet zwischen Marken, Stempeln und Briefen vor allem Ruhe vom Alltag.

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St. Andrä, Frantschach-St. Gertraud. Engelbert Mikusch ist seit 2024 Obmann des Briefmarkensammlervereins (BSV) Frantschach-St. Gertraud. Für den 64-jährigen St. Andräer ist Philatelie weit mehr als das Sammeln kleiner gezähnter Papierstücke: Für ihn verbindet sie Geschichte, Kultur und persönliche Erinnerungen und bietet einen Rückzugsort vom Alltag. Eine Briefmarkensammlung vergleicht der Obmann mit einem Puzzle. »Jede Marke ist wichtig, egal wie teuer sie ist«, sagt der 64-Jährige. 

Mikusch wurde in Wolfsberg geboren und lebt in St. Andrä. Er ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Beruflich war er als Buchhalter und Lohnverrechner tätig, seit rund zwei Jahren ist er in Pension. Seine Freizeit ist vielseitig: Er singt als zweiter Tenor beim MGV St. Andrä, arbeitet gerne im Garten und interessiert sich für Sport. Auch musikalisch ist er offen: »Von Klassik über Schlager bis Rock interessiert mich alles. Das kommt immer auf die Tagesverfassung an.«

»Wenn das Amt keiner übernommen hätte,wäre es das Aus des Vereins gewesen«
Engelbert Mikusch, Obmann Briefmarkensammelverein

Seine wohl beständigste Leidenschaft ist jedoch die Philatelie. »Mich fasziniert die Beschäftigung mit Postgeschichte, die verschiedenen Entwicklungen bei Tarif- und Portostufen und die Hintergründe der einzelnen Marken: Geografie, Geschichte, Kultur, Sport und Kunst, jedes Thema kommt vor«, erzählt Mikusch. Auch Postwege und unterschiedliche Stempelungen machen für ihn den Reiz aus: »Es ist ein reiches Betätigungsfeld. Für jeden, der sich interessiert, ist etwas dabei.«

Wie bei vielen Sammlern begann auch beim heutigen Obmann alles in der Kindheit. An seine erste Marke kann sich Mikusch nicht mehr erinnern. »Wie jeder Bub damals in der Schule hatte ich ein Einsteckbuch. Wir haben Briefmarken ausgeschnitten und in das Buch gesteckt«, erinnert sich der heute 64-Jährige. Nach der Schulzeit geriet das Hobby zunächst in Vergessenheit.

Zurück zur Philatelie

Erst mit etwa 26 Jahren fand er zurück zur Philatelie. Sein Nachbar Adolf Hatzl, der für ihn »wie ein Ersatzopa« gewesen sei, zeigte ihm seine Sammlung und erzählte vom Verein. »Er hat gesagt, es wäre super, wenn ich auch zum Verein gehen würde«, so Mikusch, der von  Hatzl einen »schönen Grundstock aus seinen Dubletten« erhielt. Damit war die Basis für Mikuschs eigene Sammlung gelegt. 1987 trat er dem Verein bei. Drei Jahre später wurde er Schriftführer und übte dieses Amt mehr als 30 Jahre aus. 2024 übernahm er schließlich den Vorsitz von Gründungsobmann Otto Poms. Heuer im Mai verstarb Poms im Alter von 91 Jahren. 

»Wenn das Amt keiner übernommen hätte, wäre es das Aus des Vereins gewesen«, erzählt Mikusch, der die Leistung seines Vorgängers, der 60 Jahre lang Obmann des Vereins war, betont: »Es sind sehr große Fußstapfen, sie auszufüllen werde ich nie versuchen. Poms hatte ein enormes Fachwissen.« Entscheidend war für Mikusch, dass der Verein weiterlebt. Unterstützung findet er bei den Mitgliedern, wie er sagt: »Es gibt Leute im Verein, die Fachwissen haben und weiterhelfen können, wenn ich etwas nicht weiß.«

Mikusch selbst ist vor allem Ländersammler. Deutschland mit Berlin und der DDR, Österreich und die Schweiz bilden seine Schwerpunkte. Doch das Sammeln habe sich verändert. »Es ist nicht mehr reines Markensammeln«, erklärt er. Neben Briefmarken interessieren ihn zunehmend Ansichtskarten und Ganzsachen – das sind Kuverts mit Marke und Stempelung, die tatsächlich postalisch befördert wurden. Rund 50 bis 60 Alben umfasst seine Sammlung, hauptsächlich sind es Briefmarken. »Geschätzt werden es 30.000 bis 40.000 Stück sein. Das wird keiner zählen«, sagt er schmunzelnd.

Bei der Frage nach seinem wertvollsten Sammelstück sagt Mikusch: »Die wertvollste Marke ist für mich die, die mir in meiner Sammlung noch fehlt.« Neue Stücke finden Sammler auf Auktionen, bei Tauschtagen oder Börsen. Auch Rundlaufsendungen aus anderen Vereinen bieten Möglichkeiten, die Sammlung zu erweitern.

Mehr als Kaufen und Tauschen

Zum Vereinsleben gehört aber mehr als Kaufen und Tauschen. Jeden letzten Dienstag im Monat findet im Frantschach-St. Gertrauder Gemeindeamt der Club- und Tauschabend statt. »Es geht bei uns nicht immer nur um Philatelie. Wir reden auch über Alltägliches und versuchen damit auch das Vereinsleben aufrechtzuerhalten«, so der Obmann. Dazu kommen unter anderem auch Informationen über Neuigkeiten im Verband, Neuausgaben, Vorträge und gemeinsame Fahrten zu Ausstellungen. Der Verein zählt aktuell 40 Mitglieder. »Wir würden uns über jedes neue Mitglied freuen«, sagt der St. Andräer.

Gerade in einer Zeit medialer Reizüberflutung sieht er in der Philatelie einen besonderen Wert. »In einer Zeit, die schwierig und herausfordernd ist, mit so vielen Unsicherheiten und medialer Reizüberflutung, ist es gut, wenn man einen Rückzugsort findet«, sagt der Obmann, der weiß, dass auch junge Menschen von diesem Hobby profitieren können: »Philatelie gibt es für jede Brieftasche. Man muss kein Krösus sein, um eine schöne Sammlung aufzubauen.« 

Wer sich für den Verein interessiert, hat am kommenden Wochenende in St. Paul die Möglichkeit, Mikusch und die weiteren Mitglieder persönlich kennenzulernen, wenn man zum Sonderpostamt lädt (siehe auch S. 19). Mikusch sagt abschließend: »Ich würde mich freuen, wenn ich viele Menschen dort begrüßen könnte.

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