KLAR!-Manager Stückler: »Man sieht genau, dass der Mensch Einfluss auf den Klimawandel hat« Ausgabe 30 | Mittwoch, 28. Juli 2021

Stephan Stückler (33), Manager der Klimaanpassungsregion (KLAR) Lavanttal, im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über den Klimawandel und dessen Auswirkungen im Bezirk sowie Möglichkeiten, sich anzupassen und Chancen, die sich daraus ergeben.

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Kürzlich gab es schwere Unwetter in Deutschland, Salzburg und Oberösterreich. Waren diese bereits Auswirkungen des Klimawandels?
Das kann man auf alle Fälle sagen. Den Klimawandel gibt es eigentlich schon immer. Es hat nie ein konstantes Klima auf der Erde gegeben. So gab es früher Eiszeiten, es hat aber auch Zeiten gegeben, wo es viel wärmer war. Das Besondere derzeit ist, dass alles in einem so kurzen Zeitraum passiert, dass die Menschen und die Natur nicht mehr hinterherkommen, um sich anzupassen. Eine Auswirkung des Klimawandels ist, dass es wärmer wird und sich daher mehr Wasserdampf bildet. Dadurch kann es dann zu diesen Starkregenereignissen kommen.

Ist der Klimawandel die alleinige Ursache solcher Ereignisse?
Es sind einerseits sicher die Auswirkungen des Klimawandels, aber auch wir Menschen sind durch die Bodenversiegelung daran nicht ganz unschuldig. In Kärnten wird pro Tag Boden im Ausmaß von zwei Fußballfeldern versiegelt. Wenn der Boden versiegelt ist, kann dieser das Wasser nicht mehr richtig aufnehmen, die Kanäle werden überlastet und dann kommt es zu Überflutungen.

Also wären Überschwemmungen wie in Salzburg und Deutschland auch im Lavanttal möglich?
Natürlich. Ob die Auswirkungen auch bei uns so extrem wären, ist fraglich. Aber die Lavant oder der Weißenbach haben durchaus das Potenzial, dass sie die Landschaft so überfluten, dass es auch für die Menschen eine Gefahr wäre.

Ist der Klimawandel vom Menschen gemacht?
Wie bereits gesagt, den Klimawandel hat es schon immer gegeben. Man sieht aber klar, dass der Mensch Einfluss darauf hat. Seit der Industrialisierung vor rund 100 bis 150 Jahren steigt der Kohlendioxid-Gehalt in der Luft durch die Verbrennung von Kohle, Öl usw. Vor der Industrialisierung wies die Luft einen CO₂-Gehalt von 200 parts per million auf, mittlerweile liegen wie bei 400. Seit der Industrialisierung hat sich die globale Temperatur global um etwa einen Grad erhöht, in Österreich um circa zwei Grad. Abhängig von den Anstrengungen im Klimaschutz könnten bis 2100 noch drei bis vier Grad dazukommen – natürlich mit verheerenden Auswirkungen. Daran kann man ganz klar erkennen, dass der Mensch einen Einfluss auf den Klimawandel hat. Ich muss jetzt aber sagen, dass wir mittlerweile nicht mehr vom Klimawandel, sondern schon von einer Klimakrise sprechen, weil die Auswirkungen schon sehr extrem werden.

Wie macht sich der Klimawandel im Lavanttal bemerkbar?
Wir merken ja selbst, dass es immer weniger Schnee gibt, wir haben längere Trockenperioden, starke Niederschläge, der Wind nimmt zu.

Da der Klimawandel vom Menschen beeinflusst wird, kann man ihn sicher auch verlangsamen. Was wäre dazu notwendig?
Das ist genau dass, was ich mit meiner Arbeit erreichen möchte. Seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 gibt es zwei Säulen. Einerseits der Klimaschutz: Öffentlichen Verkehr nutzen, Energie sparen, weniger CO₂ ausstoßen. Bei der zweiten Säule geht es darum, sich an den Klimawandel anzupassen, aber auch die Folgen ein wenig abzuschwächen und das Klima vielleicht auch als Chance zu nutzen.

Welche Chancen sehen Sie?
Eine große Chance des Klimawandels ist die Verlängerung der Vegetationsperiode. Man kann schon früher Getreide, Obst und Gemüse anbauen und auch Sorten, die früher bei uns nicht heimisch waren.  Eine weitere Chance ist der Sommertourismus.

Sie sind der Manager der Klimaanpassungsregion (KLAR!) Lavanttal. Wie können wir uns ans Klima anpassen bzw. was macht die KLAR!-Region Lavanttal?
Der Klimawandel trifft uns in sämtlichen Bereichen, egal ob es die Landwirtschaft ist, die Forstwirtschaft oder der Tourismus. Wir versuchen, mit den teilnehmenden Gemeinden Schwerpunkte zu setzen und Projekte zu entwickeln. Ein großer Schwerpunkt bei uns ist die Forstwirtschaft. Die ist im Lavanttal vom Klimawandel stark betroffen. 70 Prozent unserer Wälder bestehen aus der Fichte, und gerade die ist sehr anfällig auf Hitzesteigerungen. Daher haben wir in St. Andrä in Zusammenarbeit mit der LFS St. Andrä einen klimafitten Wald errichtet. Damit soll gezeigt werden, mit welchen Baumarten wir den Verlust der Fichte ausgleichen können. Die Schaufläche ist ein Mischwald, 50 Prozent Nadel- und 50 Prozent Laubhölzer.

Welche weiteren Projekte haben Sie umgesetzt?
Gesundheit ist natürlich auch ein großes Thema: Dabei gehen wir Ende des Frühjahrs in Seniorenheime und Schulen, um die Menschen auf die kommende Hitze vorzubereiten, mit welchen Maßnahmen man dagegen ankämpfen kann, aber auch, was in einem Notfall, wie zum Beispiel einem Hitzeschlag, zu machen ist.
Im Tourismus setzen wir verschiedene Maßnahmen, wir wissen ja, dass die Saison zum Skifahren immer kürzer wird. Daher sehen wir eine Chance darin, dass wir im Lavanttal nun den Sommertourismus ein bisschen vorantreiben.

Bei der KLAR! Lavanttal sind ja nicht alle Gemeinden des Tals dabei. Hoffen Sie, die anderen Lavanttaler Gemeinden auch noch dafür zu gewinnen?
Es sind aktuell fünf Gemeinden im Lavanttal dabei: Wolfsberg, St. Andrä, Frantschach-St. Gertraud, St. Paul und Preitenegg. Alle drei Jahren endet eine Periode, und es können sich neue Gemeinden bewerben und anschließen. Im Herbst läuft die aktuelle Periode aus. Wir werden einen Antrag auf Weiterführung stellen. Über Projektideen aus der Bevölkerung wären wir froh, und es wäre wünschenswert, wenn wir für die nächste Periode die eine oder andere Gemeinde dazubekommen.

Wie reagiert die Politik im Lavanttal auf den Klimawandel. Wäre mehr Engagement notwendig?
Die Bereitschaft, etwas zu tun, ist vorhanden, sonst wären einige Gemeinden ja nicht Mitglied bei KLAR.  Im Lavanttal ist man recht gut unterwegs. Alleine in diesem Jahr wurden auf öffentlichen Gebäuden 15 PV-Anlagen installiert, weitere sind in Planung.

Was tragen Sie persönlich zum Klimaschutz bei?
Wenn möglich, nicht das Auto zu nutzen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und auch Energie zu sparen. Ein wichtiges Thema ist auch die Ernährung. Ich versuche regional einzukaufen, also Waren aus der Region zu konsumieren. Ich brauche keine Äpfel, die tausende Kilometer transportiert wurden, um bei uns zu landen.

Es gibt Menschen, die einen vom Menschen verursachten Klimawandel leugnen. Wurden Sie wegen Ihrer Arbeit schon persönlich angegriffen?
Es gibt immer wieder Menschen, die eine andere Meinung haben. Mittlerweile tut man sich natürlich schon sehr schwer, den Klimawandel zu leugnen, weil die Daten und Fakten schon so aussagekräftig sind, dass man nichts mehr verneinen kann. Aber natürlich wird es immer unterschiedliche Meinungen geben, und es gibt auch Menschen, die sich trotz aller Daten und Fakten nicht belehren lassen.

Wie stehen Sie persönlich zur Windkraft?
Ich sehe sie sehr positiv. Natürlich gibt es auch negative Auswirkungen, aber man muss halt einen Kompromiss suchen. Naturschutz ist für mich auch sehr wichtig, aber wir benötigen immer mehr Energie. Und dann kann man sich aussuchen, ob man Atomkraft zur Stromerzeugung verwenden will, oder ob wir die Potenziale, die wir haben, wie zum Beispiel die Windkraft, nutzen.

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