War es Bill Gates oder doch George Soros? Covid-19 lockt Verschwörungstheoretiker aus den LöchernAusgabe 17 | Mittwoch, 22. April 2020

Nein, 5G-Masten verbreiten das Coronavirus nicht. Und nein, Kokain ist kein Abwehrmittel. Offizielle Stellen müssen immer öfter ausrücken, um Dinge klarzustellen, die eigentlich klar sind. Das Virus wird auch zur Plage für die Wahrheit, dunkle Legenden blühen.

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Wolfsberg. Jetzt sah sich sogar die Weltgesundheitsorganisation WHO gezwungen, eine Klarstellung vom Stapel zu lassen. »Viren können sich nicht mittels Funkwellen oder Mobilfunk ausbreiten. Covid-19 verbreitet sich in vielen Ländern, die nicht über 5G-Mobilfunknetze verfügen«, schrieb die Organisation laut einer Aussendung des »Forum Mobilkommunikation« (dem das natürlich sehr recht war). Hintergrund: Verschwörungstheoretiker nutzen die Gunst der Stunde, um die 5G-Technologie madig zu machen. In Großbritannien arbeiteten sie so »erfolgreich«, dass Dutzende Handymasten in Flammen aufgingen. Wie es aussieht, wird die Corona-Pandemie auch als Zeit der Verschwörungslegenden in die Geschichtsbücher eingehen. Ohne Rücksicht auf Verluste wird nach vermeintlichen »Schuldigen« ge-sucht, die das Virus in die Welt oder in bestimmte Länder gesetzt haben sollen, um persönlich davon zu profitieren. Ein Beispiel ist Roger Stone, Vertrauter des US-Präsidenten Donald Trump. Er sagt in der Radiosendung »The Joe Piscopo Show«, Microsoft-Gründer Bill Gates habe das Coronavirus geschaffen, um Menschen – offenbar bei den erhofften Impfungen – mit Mikrochips versehen zu können. Beweise für seine Aussage blieb Stone schuldig.

Die goldene Nase
Und wenn nicht von Gates, dann  soll das Virus von ungenannten Geldgeiern stammen, die sich damit die sprichwörtliche goldene Nase verdienen wollen. Im Internet wird berichtet, Corona sei in Laboren gezüchtet und in die Umwelt freigesetzt worden, um mit Impfungen das große Geld zu machen. Als Beleg wird angeführt, dass bereits Patente auf Coronaviren existieren. Nur: Die beziehen sich nicht auf den jetzt kursierenden Krankheitserreger – und von einer Impfung ist weit und breit keine Spur. Aber mit der Logik ist es bei den Apologeten der finsteren Kräfte nicht weit her.

Die Schuldigen sind »gefunden«
Auch in Ungarn meint man, die Verantwortlichen« für die Epidemie gefunden zu haben: Ausländer und der US-Investor George Soros, Lieblingsfeind des ungarischen Premiers Victor Orbán, seien an allem schuld, wird verbreitet – und von vielen auch gerne geglaubt. Eine exakte Erklärung dafür, wie Soros das angestellt haben mag, wird nicht geliefert – wie auch.

Eine weitere Fraktion ist die, die (vorzugsweise über Facebook) ihren Glauben verbreitet, es gebe gar kein Coronavirus. Laut ihr werden die Menschen von der Regierung schlicht am Schmäh gehalten, um sie widerstandlos in die verhängten Maßnahmen zwingen, sie beherrschen und überwachen zu können. Die derzeitigen Opfer seien laut ihnen an der »normalen« Grippe gestorben, was selbstredend barer Unsinn ist.

Andere glauben zwar an die Existenz und Gefährlichkeit von  Covid-19, halten die Entstehung aber für gesteuert. In elendslangen Youtube-Filmen listen sie Gründe auf, warum die Krise »künstlich« erzeugt worden sei und wer profitiere. Natürlich ohne anzuführen, dass sie selbst lediglich die Unsicherheit der Menschen nutzen, um Klicks zu erhalten und die eigenen Taschen zu füllen.

Anfang April schaltete sich das Bundeskriminalamt ein. Zu dieser Zeit kursierte eine – mittlerweile für jeden sichtbar widerlegte – Meldung im Internet, laut der die Maßnahmen der Regierung bis 1. September verlängert werden sollten. »Bitte vertrauen Sie ausschließlich den Mitteilungen, die auf den offiziellen Kanälen der zuständigen Ministerien und Behörden veröffentlicht wurden«, schrieb das Bundeskriminal-amt. Eigentlich selbstverständlich – außer in Zeiten des Coronavirus.

All die geschürten Ängste beflügeln nicht zuletzt die Aktivitäten von Kriminellen und falschen Ratgebern. In Frankreich rückte das Gesundheitsministerium aus, um darauf hinzuweisen, dass entgegen anderer Hinweise Kokain nicht vor einer Infizierung mit dem Coronavirus schütze. Dazu wurden in den vergangenen Wochen europaweit Millionen gefälschter Medikamente aus dem Verkehr gezogen, die die Krankheit heilen sollten und von Leichtgläubigen um Unsummen bestellt wurden.

Fazit: Auch jetzt bleibt es wichtig, das Gehirn nicht abzuschalten sondern die Realität im Auge zu behalten. Man soll nicht alles glauben, was »Gurus« verzapfen oder im Internet geschrieben wird ...

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