Nachruf auf Frasswirt Johann MartinzAusgabe 48 | Mittwoch, 27. November 2019

Mit dem »Frasswirt Hansi« hat das Tal eine Persönlichkeit verloren, die nicht nur in seiner Familie eine große Lücke hinterlässt. Ein Blick auf sein Leben.

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Frantschach-St. Gertraud. Er war Frächter, Gastwirt, Jäger, Feuerwehrmann und Familienmensch, der immer selbst anpackte, wenn es etwas zu erledigen gab. Ausgestattet mit einer großen Portion Empathie und Feinfühligkeit, wie man sie nur ganz selten findet, ein exzellenter Zuhörer, kommunikativ, aber nie belehrend und besserwissend. Er begegnete seinen Mitmenschen offen und ehrlich, verstand es, unnötige Konfrontationen zu vermeiden, ließ sich aber nie verbiegen. So beschreiben Angehörige, Freunde und Bekannte Johann Martinz, der am 18. November im 88. Lebensjahr verstorben ist.

Mit dem »Frasswirt Hansi« hat das Lavanttal eine Persönlichkeit, eine Institution, ein »Original« verloren, die eine große Lücke hinterlässt. Geboren im Oktober 1932, hatte er schon in der Kindheit seine Mutter verloren, wuchs im elterlichen Gasthaus Frasswirt auf und entdeckte früh seine Leidenschaften für Motoren und den Wald. Zum ersten Fuhrpark gehörten zwei Motorräder und ein Unimog, mit dem er den Bauern in Kamp und am Gösel half, das Holz zu den Sägewerken zu transportieren. Zuvor hatte er mit einer Pferdestärke, einem Pferdefuhrwerk, für die Holzbringung gesorgt. Mit dem Unimog war der Grundstein zur Frächterei gelegt, die schließlich sechs Forst-Lkw-Züge umfasste. Wenn knifflige Holztransporte anstanden, wurde der Chef selbst von den Forstwirten angefordert. Die logische Folge der Entwicklung des Transportunternehmens war auch die Errichtung einer Tankstelle.

Als »Hansi« sein Fuhrwerkunternehmen an Sohn Gerald übergab, startete er seine zweite Karriere als Gastwirt und machte aus dem Frasswirt einen kulinarischen Treffpunkt. Zusammen mit seiner Frau Gretl schuf er die »Backhendl-Station«, und in der Folge waren die Frasswirt-Backhendln ein Highlight am Schönsonntag- und Kolomoni-Markt in Wolfsberg. Über zwei Jahrzehnte war das Frasswirtzelt auf den traditionellen Märkten beliebter Hotspot. Für das legendäre familiäre Ambiente im Festzelt sorgte die ganze Martinz-Familie. Nicht nur die Söhne Gerald und Heinz halfen mit, auch die Schwiegertöchter Manuela und Silvia, sowie die Enkelkinder Alexander, Christian und Lisa waren im Einsatz.

Nach 22 Jahren und 45 Märkten haben der »Frasswirt Hansi« und seine Gretl vor einem Jahr schweren Herzens das Zelt verkauft, aber den Frasswirt in Kamp 3 weitergeführt. Obwohl ihm in den letzten Monaten gesundheitliche Probleme zusetzten, ließ er sich, so gut es ging, nichts anmerken. Bis zuletzt ging er seiner Leidenschaft, der Jagd, nach. »Aufgeben« war nicht das Seine. Letztlich verlor er aber im 88. Lebensjahr den einseitigen Kampf gegen seine heimtückische Krankheit. Ruhe in Frieden.

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