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Lokalaugenschein in der Lithium-Mine Ausgabe 43 | Mittwoch, 21. Oktober 2020

In der Vorwoche unternahmen die Unterkärntner Nachrichten einen Ausflug zum Bergwerk, in dem künftig lithiumhaltiges Erz abgebaut werden soll. European-Lithium-CEO Wanke führte das UN-Team durch die Mine.

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Weinebene. Nach diversen Medienberichten in der Vorwoche, nach denen es womöglich nie zu einem Lithium-Abbau im Lavanttal kommen werde, machten sich UN-Chefredakteur Horst Kakl und Redakteur Michael Swersina mit European-Lithium-Geschäftsführer Dietrich Wanke und Robert Grassler, Assistent der Geschäftsleitung, auf den Weg zur Mine auf der Weinebene, um selbst einen umfassenden Einblick in den Bergbau zu bekommen. 

Es war ein beschwerlicher Weg – von Wolfsberg erst auf der gut ausgebauten Bundesstraße auf die Weinebene, doch die letzten zwei Kilometer auf einer Forststraße über Stock und Stein – bis man am Ziel angekommen ist. Dieses liegt auf rund 1.500 Metern Seehöhe und mitten im Wald der Weinebene. Wenn man bei der Mine ankommt, gibt es zunächst keine augenfälligen Hinweise darauf, dass hier das größte Lithiumvorkommen Europas liegen soll. Lediglich ein paar Fahrzeuge von Geologen, die derzeit das Gestein in der Mine untersuchen, stehen vor dem Eingang, einem großen Eisentor, das den Weg in den Berg versperrt. Durch dieses Tor betreten die Besucher den 1,5 Kilometer langen Stollen. Ausgerüstet mit Helm, Stiefeln, Jacke und einer Grubenlampe, damit niemand im Stollenlabyrinth verloren geht, geht es los. Zur »Einstimmung« erzählt Wanke, wie er vor vielen Jahren in einer Mine nach dem Ausfall seiner Lampe sieben Stunden in totaler Finsternis ausharren musste, bis die nächste Schicht ihm den Weg an die Oberfläche wies ...  

Wir marschieren in die Tiefen des Stollen zu den Erz-Adern,  wo das Lithium-Mineral Spodumen abgebaut werden soll, um daraus Lithium zu gewinnen. Bald ist man umgeben von völliger Dunkelheit und sieht nur noch die Lampe der Kollegen. Dann gelangt man zur ersten Abzweigung, wenig später zur nächsten – und schon hat man als »Bergbauneuling« die Orientierung verloren. 

Nach einer kurzen Wanderung  erreichen wir die ersten Kammern, wo lithiumführende, silbern glänzende Adern im Gestein zu erkennen sind. Hier erklärt Wanke, dass der Abbau aus der Mine auf der Weinebene mittels Bohrungen und Sprengungen, wie bei derartigen Lagerstätten üblich, erfolgen werde. Das Lithiumerz wird danach noch am Berg vom umliegenden Gestein getrennt und anschließend per Lkw ins Tal in eine Umwandlungsfabrik abtransportiert, wo daraus Lithium gewonnen wird. Die dafür notwendige Anlage soll in unmittelbarer Nähe des Mineneingangs gebaut werden. Damit werden unnötige Transportwege vermieden.

Auf dem Weg nach unten marschieren wir immer wieder entlang von stetig dicker werdenden »Lithiumadern«. Die sollen, entsprechend des modernen Bergbaus, von unten nach oben abgebaut werden – nicht umgekehrt, wie es in der Vergangenheit praktiziert wurde. Die entstehenden Hohlräume werden mit taubem Gestein sofort wieder verschlossen und so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das wertlose Material muss nicht abtransportiert werden, der Berg wird wieder verfüllt und behält seine ursprüngliche Stabilität. 

Schließlich treffen wir auf eine Gruppe von Geologen, die derzeit im Auftrag der Universität Oslo das Gestein untersucht. Das geschieht mittels Sonden und durch die Entnahme von Gesteinsproben. Nach einer kurzen Plauderei mit den Geologen und der Besichtigung weiterer Gänge im Stollen, geht es wieder bergauf und zurück ans Tageslicht.

»Für European Lithium ist es ein Glücksfall, dass es hier bereits eine Mine gibt und wir sie für unsere Explorationsarbeiten nutzen konnten. Das gibt es sonst nirgendwo«, sagt Wanke. 

Interview mit CEO Dietrich Wanke

In Medien wurde kürzlich berichtet, dass der Lithiumabbau auf der Koralm in weite Ferne gerückt ist. Wie weit nach hinten hat sich der Abbaubeginn verschoben?
Die Zeitungsberichte haben nicht die Realität wiedergegeben und wurden aus dem Zusammenhang gerissen. Es wurde etwas dargestellt, wie es nicht ist.

Tony Sage, der Aufsichtsratschef von European Lithium, hat gemeint, dass es keine Gewissheit gibt, dass das Projekt weitergeführt wird. Wie ist der Stand der Dinge?
Natürlich wird es das Projekt geben. Aber aus Rechtsgründen dürfen wir keine Garantie abgeben, daher die Aussage von Tony Sage.

Aber es gibt Verzögerungen?
Ja, coronabedingt haben wir ein paar Monate verloren. Ich selbst konnte zum Beispiel für fünf Monate nicht aus Australien ausreisen. Aber in jeder Krise steckt auch eine Chance.

Wie sieht der neue Zeitplan aus?
Die Machbarkeitsstudie (DFS) wird im dritten bzw. vierten Quartal 2021 durchgeführt werden. Der anvisierte Termin für den Abbau und Produktionsbeginn ist Ende 2022, Anfang 2023.

Gibt es für das Umwandlungswerk bereits einen Standort?
Wir sind derzeit im Tal noch auf der Suche nach einem Standort mit einer guten Verkehrsanbindung, bevorzugt die Bahn.

Anrainer befürchten ein Verkehrschaos durch den Abtransport des Erzes vom Berg.
Da kann ich sie beruhigen. Es wird lediglich rund 20 Lkw-Fahrten pro Tag geben.

Ist die Finanzierung des Projekts gesichert?
Wir sorgen immer nur in einzelnen Stufen für die Finanzierung. Die DFS-Finanzierung wird gerade zugewiesen. Danach müssen wir Geld für den nächsten Schritt, nämlich die Projektfinanzierung, aufstellen.

Wie viel Tonnen Erz soll in Zukunft abgebaut werden?
Es werden ca. 800.000 Tonnen Erz pro Jahr abgebaut. Danach wird das für die Weiterverarbeitung vor Ort geeignete Material davon getrennt. Rund 70.000 Tonnen Rohmaterial werden schließlich in das Umwandlungswerk zur Lithiumgewinnung gebracht.

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