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Wolfsberg. Ab 1993 wurde die Waldrast im Besitz von Roman und Birgit Traussnig als Gasthaus und Hotel geführt. Im Sommer 2023 wurde der Betrieb geschlossen. »Da wir unser Pensionsalter erreicht haben, haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, den Restaurant- und Hotel-betrieb einzustellen«, hieß es damals auf der Website der Waldrast. Drei Jahre lang lag das Traditionshotel im Dornröschenschlaf. Nun kehrt Bewegung in das verwaiste Haus auf 1.500 Metern Seehöhe zurück – und zwar durch einen Mann, der die Immobilie auf ungewöhnlichem Weg fand: über die Onlineplattform willhaben.
»Wir haben das Hotel dort entdeckt. Es war schon lange geschlossen – aber wir hoffen, ihm wieder Leben einhauchen zu können«, sagt der neue Besitzer He Lyu. Der 63‑jährige Chinese bringt internationale Erfahrung mit: In Nazaré an der portugiesischen Atlantikküste betreibt er das »WEAA«-Hotel und in Budapest ein veganes Restaurant unter dem Namen »Happy Veggie«. Seit einem Jahr lebt er in Österreich – und seit einigen Wochen nun direkt in der Waldrast. »Hier oben ist viel zu tun. Wenn man vor Ort wohnt, kann man besser mit den Behörden und Handwerkern sprechen und Entscheidungen treffen«, so Lyu.
»Wenn es nur ums Geld ginge, wären wir nicht hier auf der Koralpe«
He Lyu, neuer Besitzer der Waldrast
Die Waldrast besteht aus zwei Gebäudeteilen: einem Holzbau aus den 1930er‑Jahren und einem Erweiterungstrakt aus den 1970ern. Beide Bereiche müssen umfassend saniert werden. »Die Isolation ist schlecht, viele Fenster müssen getauscht werden«, erklärt Lyu. Besonders herausfordernd: In zehn der bestehenden Zimmer gibt es weder Dusche noch WC. Neue Bäder sind Pflicht.
Trotzdem sieht der Hotelier großes Potenzial. Rund 40 Zimmer sollen es künftig werden – Schritt für Schritt, denn die Investitionen sind hoch. Mit rund 500.000 Euro rechnet er vorerst. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Vegan, international
Ein Herzstück des neuen Konzepts wird das Restaurant. Lyu plant ein rein veganes Angebot mit asiatischem Schwerpunkt – chinesisch, japanisch, aber auch international: »Viele Restaurants im Lavanttal servieren ähnliche Speisen. Wir wollen etwas anderes anbieten, um mit bestehenden Restaurants nicht in Konkurrenz zu treten.« Seine Erfahrung zeigt, dass vegane Gastronomie auch in Regionen funktionieren kann, in denen sie zunächst exotisch wirkt. »In Budapest hatten wir am Anfang kaum Gäste. Aber wenn man dranbleibt, kommen die Leute«, so der neue Betreiber.
Meditation statt Après‑Ski
Auch der Wellnessbereich soll eine neue Ausrichtung bekommen. Sauna und Pool bleiben, doch Lyu könnte sich vorstellen aus der Waldrast ein Meditationszentrum zu formen: »Hier oben auf dem Berg ist es ruhig. Menschen aus aller Welt könnten kommen, um traditionelle Meditationsarten zu lernen.« Der Pool könnte künftig sogar für meditative Wasserübungen genutzt werden.
Lyu betont, dass es ihm nicht nur ums Geschäft geht: »Wenn es nur ums Geld ginge, wären wir nicht hier.« Er lobt die Landschaft, die Entwicklung Wolfsbergs und die Offenheit der Menschen. Besonders die junge Generation spreche gut Englisch und helfe, wo sie könne.
Mindestens zehn bis fünfzehn Mitarbeiter will er künftig beschäftigen – möglichst aus der Region. Ein Küchenchef ist bereits fix.
Bis Gäste wieder einchecken können, dauert es noch. Die Genehmigungen brauchen Zeit, die Sanierung ebenso. Wenn alles gut läuft, möchte Lyu in der Wintersaison 2026/27 mit dem Restaurant und einem Teil der Zimmer starten.

Von Michael Swersina
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