Bürgermeister Thomas Seelaus: »Wichtig ist für mich, dass wir zusammenhalten und gut arbeiten«Ausgabe 11 | Mittwoch, 17. März 2021

Der neue Preitenegger Bürgermeister Thomas Seelaus (35) von der SPÖ spricht im ersten Interview als Ortschef mit den Unterkärntner Nachrichten, was er gegen die Abwanderung im Ort tun möchte, was in Preitenegg umgesetzt werden soll und das freie Spiel der Kräfte.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bild links: Thomas Seelaus an seiner Arbeitsstelle im St. Andäer Rathaus. Bild rechts: Der neue Preitenegger Bürgermeister privat mit seiner Ehefrau Simone und den Kindern Anna (l.) sowie Lucas und Elias (r.). Am Wahltag war er so nervös wie nie in seinem Leben, sagt er. Jetzt setzt er im Gemeinderat auf das »freie Spiel der Kräfte«. Fotos: UN/much, privat

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Als Sie am Wahlabend das Wahlergebnis erfahren haben, was waren Ihre ersten Gedanken, die ersten Emotionen?
Ich war sprachlos, ich habe eigentlich mit einer Stichwahl gerechnet. Dass es dann so eindeutig ausfällt, war für mich eine Überraschung. Ich habe eine solche Situation noch nie erlebt. Ich glaube, ich war noch nie so nervös wie am Wahltag. So richtig realisiert habe ich den Erfolg erst am nächsten Tag.

Wie haben Sie den Wahlabend verbracht?
Wir sind vor dem Gemeindeamt ein wenig zusammengestanden und haben geredet. Mehr konnte man ja wegen der Corona-Situation ohnehin nicht machen. Aber ich möchte mit den Parteikollegen und den Wahlhelfern im Sommer eine kleine Feier nachholen.

»Ich habe im Wahlkampf viele Anliegen der Bürger gehört, die haben nun oberste Priorität«
Thomas Seelaus, SPÖ

Was sagen Sie zum Ergebnis der Gemeinderatswahl?
Ich wollte vier Mandate, so wie sie mein Vorgänger Rochus Münzer geholt hat, halten. Und das ist mir gelungen.

Im Gemeinderat gibt es einen Mandatsgleichstand zwischen SPÖ und ÖVP. Werden Sie eine Koalition eingehen. Möglich wären ÖVP/SPÖ oder SPÖ/FPÖ. Welche präferieren Sie oder setzen Sie auf das freie Spiel der Kräfte?
Ich setze eigentlich auf das freie Spiel der Kräfte. Für mich ist es wichtig, dass wir alle zusammenhalten und gut arbeiten. Es werden sicher auch von der ÖVP und der FPÖ gute Ideen kommen. Warum sollte man da von Haus aus dagegen sein? Ich bin guter Dinge, dass es eine konstruktive Zusammenarbeit aller im Gemeinderat vertretenen Fraktionen geben wird. Gespräche werden in den kommenden Tagen folgen.

Welche Themen möchten Sie als erstes angehen?
Am 24. März ist die konstituierende Sitzung, und danach werde ich mit dem Amtsleiter die anstehenden Projekte durchgehen. Seit Sommer war ich mit Hausbesuchen beschäftigt. Da habe ich viele Anliegen der Bürger mitbekommen, die jetzt oberste Priorität haben werden. Dabei handelt es sich unter anderem um die Sanierung des ländlichen Wegenetzes.

Danach möchte ich unsere Vorschläge aus dem Wahlprogramm Schritt für Schritt umsetzen, wie zum Beispiel Wohnraum schaffen, Kaufinteressenten für unsere Baugründe finden, Beleuchtung auf LED umrüsten. Ein interessante Idee ist auch ein Gemeindebus, der von Vereinen genutzt werden kann und älteren Bürgern die Möglichkeit bieten soll, zum Arzt zu kommen.

Wo sehen Sie Preitenegg am Ende Ihrer Amtszeit, also in sechs Jahren?
Ich sehe Preitenegg als noch lebenswertere und familienfreundlichere Gemeinde. 

Preitenegg liegt derzeit unter 1.000 Einwohner. Wie möchten Sie der Abwanderung entgegenwirken. Ihr Gegenkandidat Johann Penz hat gemeint, ein Ziel sei es, wieder über 1.000 Einwohner zu kommen. Ist das auch ein Ihr Ziel?
In Zeiten wie diesen merkt man, dass es die Menschen wieder in den ländlichen Raum zieht. Wir haben in Preitenegg einige günstige Baugründe, an denen es auch Interesse gibt. Es wird also in Zukunft sicher gebaut werden. Wir haben drei Wohnhäuser mit Gemeindewohnungen, zusätzlich gibt es noch zwei Wohnhäuser einer Genossenschaft. Alle Wohnungen in diesen Häusern sind vermietet. Es wird sicher noch Gespräche geben, um neuen Wohnraum zu schaffen. Wir müssen schauen, die junge Bevölkerung zu halten. Wir haben eine Toplage, sehr gute Infrastruktur. Man ist in 20 Minuten in Wolfsberg, in 40 Minuten in Graz, es gibt Schule, Kindergarten, Post, Polizei, Kaufhaus, Gasthäuser und mit der Firma Konrad Forsttechnik einen großen und international renommierten Arbeitgeber.

Und im Herbst ist man bei uns in der Sonne und nicht wie im Tal im Nebel.

Ich habe gehört, dass Wohnungen ein Problem in Preitenegg sind. Es sollen zu wenige verfügbar sein, dazu seien die Wohnungen alt, es gibt kein betreutes oder betreubares Wohnen. Gibt es in Ihrer Gemeinde ein Wohnungsproblem?
Wir werden uns bemühen, neuen Wohnraum zu schaffen. Die Wohnungen werden, wenn die Mieten auslaufen, saniert werden, bevor sie neu vermietet werden. Natürlich sind es Altbauwohnungen, wir werden aber schauen, dass wir auch die Wohnungen, bei denen es ein bestehendes Mietverhältnis gibt, ebenfalls sanieren.

Wie wollen Sie Preitenegg durch die Coronazeit führen?
Ich war bislang kein Mitglied des Preitenegger Gemeinderats und auch sonst nicht politisch tätig. Das heißt für mich, dass ich mir jetzt erst einmal einen Überblick über die Gemeindefinanzen verschaffen werde. Aufgrund der Unterstützungsmaßnahmen des Bundes und des Landes Kärnten hält sich der finanzielle Schaden in der Gemeinde Preitenegg aber in Grenzen.

Sie waren politisch vorher noch nicht aktiv. Sehen Sie das als einen Nachteil?
Durch meine berufliche Tätigkeit in der Stadtgemeinde St. Andrä habe ich eine gewisse Erfahrung, wie ein Gemeindebetrieb abläuft, und ich bin davon überzeugt, dass es sehr gut funktionieren wird. Ich brauche natürlich auch die Unterstützung des Amtsleiters und der Gemeinderatskollegen, aber gemeinsam werden wir das meistern.

Wollen Sie betreubares oder betreutes Wohnen in Preitenegg möglich machen?
Es gibt Überlegungen, betreubares oder betreutes Wohnen nach Preitenegg zu holen. Wenn ausreichend Interesse für betreutes Wohnen vorhanden ist, werden wir sicher die entsprechenden Schritte setzen. Es wird sicher eine etwas längere Geschichte, da ja auch mit dem Land Gespräche geführt werden müssen. Wenn wir alle zusammenhalten, müsste das aber gelingen.

Ist die Polizeiinspektion in Preitenegg langfristig gesichert?
Die Gemeinde hat alles getan, damit der Posten bestehen bleibt. Die letzte Entscheidung liegt aber nicht bei uns. Aber wir hoffen es natürlich sehr. 

Seit der Skiliftbetrieb auf der Hebalm eingestellt wurde, ist es sehr ruhig geworden. Es gibt dort lediglich das Langlaufzentrum. Wie sehen die zukünftigen Pläne für die Hebalm aus? Die Gemeinde Preitenegg unterstützt ja immer wieder Initiativen wie das Langlaufzentrum. Wird sich Preitenegg bei der Hebalm einbringen oder gibt es eigene Pläne für Tourismusprojekte?
Das Langlaufen auf der Hebalm wird sehr gut angenommen. In Zeiten von Corona hat man gemerkt, dass es sehr viele Menschen auf den Berg zieht. Wie es in Zukunft weitergehen soll, da bin ich in Kontakt mit einigen Personen aus Preitenegg, die Überlegungen bezüglich des Tourismus angestellt haben.

Wie stehen Sie persönlich zur Windkraft auf den Bergen?
Es ist natürlich ein Einschnitt in die Natur. Auf der anderen Seite ist es eine recht saubere Art, Energie zu erzeugen. Meine persönliche Meinung lautet: Mir gefallen die Windkrafträder nicht. Vereinzelte Windkrafträder sind in Ordnung, aber der ganze Berg darf damit nicht zugepflastert werden.

Sie sind nun Bürgermeister von Preitenegg und arbeiten als Gemeindebediensteter in St. Andrä. Wie werden Sie Beruf und Politik zeitlich regeln?
Derzeit laufen Gespräche mit der St. Andräer Bürgermeisterin Maria Knauder. Ich möchte meine Arbeitszeiten als Gemeindebediensteter ein wenig reduzieren, damit ich zumindest einen ganzen Tag in Preitenegg sein kann. Da ich bei der Stadtgemeinde St. Andrä in Gleitzeit arbeite, kann ich mir meine Zeit aber recht gut einteilen.

Thomas Seelaus wurde am 19. Juni 1986 in Wolfsberg geboren. Er besuchte in St. Andrä die Volksschule und danach die Hauptschule in St. Marein. Im Anschluss absolvierte Seelaus die LFS St. Andrä und macht eine Lehre zum Verwaltungsassistenten bei der Stadtgemeinde St. Andrä. 

Nach dem Präsenzdienst bekam er eine Anstellung bei der Stadtgemeinde St. Andrä, wo er aktuell im Sekretariat der Personalverrechnung arbeitet. Seelaus ist außerdem seit acht Jahren Standesbeamter. Der 35-Jährige ist mit Simone verheiratet und hat drei Kinder. 

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