Neo-Bürgermeister Dieter Dohr: »Vertrauen in die Mitbewerber ist nach der Wahl nicht groß genug«Ausgabe 10 | Mittwoch, 10. März 2021

Der neue Bad St. Leonharder Bürgermeister Dieter Dohr (48) spricht im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die Wahl, seine Pläne als neuer Ortschef, den Technologiepark in St. Paul, die Tourismusregionen und die Marienerscheinung in seiner Stadt.

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Was waren Ihre ersten Reaktionen und Emotionen, als Sie das Wahlergebnis erfahren haben?
Schon weit vor dem Endergebnis hatte man gesehen, dass die Liste Dohr stimmenstärkste Fraktion im Gemeinderat sein wird. Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl stand erst sehr spät fest, als ich es dann erfuhr, war es eine Erleichterung. Denn wenn ich nicht Bürgermeister geworden wäre, hätte ich die stärkste Fraktion im Gemeinderat ohne Bürgermeisteramt führen müssen. 

War das Ergebnis für Sie eine Überraschung?
Bei der Bürgermeisterwahl hätte ich mir ein besseres Ergebnis erhofft. Überrascht war ich vom Ergebnis im Gemeinderat. Es war nie mein Ziel, der großen SPÖ in Bad St. Leonhard, der ich relativ viel verdanke, mit einem Bürgermeister Simon Maier, der mich viel gelehrt hat, was Lokalpolitik betrifft, weh zu tun. Deswegen ist dieses Ergebnis für mich eine große Überraschung. Wir haben ein gutes Team, und dass wir das Vertrauen bekommen haben, freut mich. Ich hoffe, dass meine politischen Mitbewerber nicht zu sehr enttäuscht sind, denn wir haben in den vergangenen zwölf Jahren in Bad St. Leonhard gemeinsam eine tolle Politik gemacht unter Bürgermeister Simon Maier. Es ist viel passiert und es hat keinen Streit gegeben.

Die Liste Dohr ist die stimmenstärkste Fraktion im Gemeinderat. Es braucht aber trotzdem immer andere Parteien für Beschlüsse. Werden Sie eine Koalition mit der SPÖ oder der ÖVP eingehen oder wird es das freie Spiel der Kräfte geben?
Bis vor Kurzem wollte ich eine Koalition. Ich wollte klare Verhältnisse, man arbeitet mit einem Partner zusammen und es gibt eine klare Linie. Das Vertrauen in die Mitbewerber ist aber nach dieser Wahl nicht groß genug, um eine Koalition einzugehen. Ich möchte auf das freie Spiel der Kräfte setzen. Man soll Gespräche führen und viel gemeinsam unterwegs sein. Im Stadtrat hat die Liste Dohr die absolute Mehrheit, aber es ist nicht mein Ziel, diese Mehrheit auszuspielen. 

Befürchten Sie, dass sich SPÖ und ÖVP zusammentun und gegen den Bürgermeister arbeiten könnten?
Wenn das das Bestreben dieser Parteien wäre, nun sechs Jahre eine Blockadepolitik zu machen, kann ich es nicht verhindern. So etwas gab es schon einmal in Wolfsberg, als die Vierer-Koalition gegen den damaligen Bürgermeister Manfred Kraxner gearbeitet hat – und das ist kläglich gescheitert. Ich kann nur jeden warnen, solche Spiele zu machen. Wenn wirklich zwei Parteien sechs Jahre blockieren wollen, dann macht man halt keine großen Sachen, spart sich diese auf. Für grundlegende Sachen, damit in der Gemeinde etwas weitergeht, verwende ich die Absolute im Stadtrat. Und in sechs Jahren habe ich als Bürgermeister dann halt wahrscheinlich 80 Prozent und mit der Partei 60. Im Endeffekt muss gute Sachpolitik betrieben und zusammengearbeitet werden.

Wie sieht der Zeitplan aus? Wann ist die konstituierende Sitzung des Gemeinderats geplant?
Die konstituierende Sitzung ist am 19. März um 19 Uhr im Kulturheim. Wir wissen aber noch nicht, wie viel Menschen kommen dürfen, dass muss noch abgeklärt werden. Wir werden schauen, ob wir die Sitzung vielleicht im Internet übertragen können. 

Welche Themen bzw. Projekte möchten Sie als Bürgermeister als erstes in Angriff nehmen?Das erste Projekt haben wir bereits in Auftrag gegeben. Es geht dabei um das große Jubiläumsjahr 2025. Wir haben mit der Diözese und einem Kunsthistoriker bezüglich der Sanierung der Leonhardikirche erste Gespräche geführt. 
Das Jubiläum soll von November 2024 bis November 2026 über zwei Jahre gefeiert werden. 
Weitere Projekte sind die Kindertagesstätte, der Kindergarten wird gerade umgebaut. Und das große Projekt, die Schule, ist derzeit voll im Laufen. Da müssen wir schauen, dass wir das hinkriegen, dass die ganzen Schüler während der Bauarbeiten in Schiefling zur Schule gehen. 

Die Marienerscheinungen werden von der katholischen Kirche nicht akzeptiert, haben sich aber in Bad St. Leonhard etabliert. Es gibt Menschen, die sagen, man solle daraus auch Kapital schlagen. Wie stehen Sie der Marienerscheinung gegenüber und soll sie kommerzialisiert werden?
Für mich war immer klar, sobald mit der Marienerscheinung Geschäfte gemacht werden, bin ich nicht mehr dabei. Und zu dem stehe ich bis heute. Ich habe immer gesagt: Herrgott, wenn deine Mutter hier erscheint, dann lass viele Menschen kommen. Es waren dann beim ersten Mal 2.000 Leute da, und von da an wusste ich, das mit der Erscheinung könnte stimmen. Ich selbst habe sie nicht gesehen. 
Klar ist, es darf damit kein Geschäft gemacht werden. Es fließen von der Stadtgemeinde keine Mittel an den Seher Caputo. Wenn die Mutter Gottes in Bad St. Leonhard wirklich erscheinen sollte, dann kommen die Menschen ohnehin, da braucht es keine Werbung.

Ein großes Thema im Tal ist nun auch der Technologiepark in St. Paul. Die Grundsatzbeschlüsse in den Gemeinden des Tals bezüglich der Teilnahme daran wurden gefasst. Nun geht es ans Eingemachte, nämlich darum, wie die Einnahmen aufgeteilt werden, wer wie viel dazu beitragen muss, wie es mit den Stimmanteilen aussieht usw. Glauben Sie, dass der Technologiepark in absehbarer Zeit entstehen wird?
Ich habe Simon Maier sechs Jahre lang im Verbandsrat vertreten. Wir haben im Vorjahr mit den obersten Beamten des Landes und Landesrat Daniel Fellner sowie Nationalrat Christian Ragger darüber gesprochen. Die vergangenen sechs Jahre hat sich etwas getan. Wir haben eine Neuaufstellung des RML (Anm. Regionalmanagement Lavanttal), es haben sich Freundschaften entwickelt und es hat sich viel getan. Wie zum Beispiel beim Tierheim, für das alle Gemeinden des Tals zahlen. Da ist etwas passiert. Es haben alle toll zusammengearbeitet. Der größte Erfolg für uns ist, dass das Land Kärnten am Technologiepark beteiligt ist. Es gibt für den Technologiepark zwei Grundstücke. Das erste wird jetzt gewidmet, das zweite ist noch in Planung. 

Sie haben die Neuaufstellung des RML angesprochen. Wie sieht es mit einem neuen Geschäftsführer aus?
Die Ausschreibung bezüglich der Nachfolge von Margit Thonhauser war ein großes Thema in den Medien. Ich muss dem Wolfsberger Bürgermeister Hannes Primus recht geben, denn wieso sollte sich ein ehemaliger Geschäftsführer der Wolfsberger Stadtwerke nicht für diesen Posten bewerben dürfen? Die Ausschreibung lief über eine Grazer Firma und er ist unter die besten Fünf gekommen. Diese fünf Kandidaten wurden zu einem Hearing mit allen neun Bürgermeistern eingeladen, das Ergebnis ist unter Verschluss.

In Kärnten werden Tourismusregionen zusammengelegt. Das Lavanttal und die Region Südkärnten – Klopeiner See werden ab 2022 eine Region. Wie stehen Sie diesem Vorhaben gegenüber?
2012 wurde in Kärnten ein Tourismusgesetz gemacht, durch das es ab 35.000 Einwohnern möglich war, den Tourismusbereich im Aufgabenbereich der Gemeinde zu belassen oder einen eigenen Verband zu gründen. Über 80 Prozent stimmten in Bad St. Leonhard für den Verbleib bei der Gemeinde. 
Jetzt besteht die Möglichkeit, dass sich die neun Lavanttaler Gemeinden zu einem Tourismusverband zusammenschließen und mit diesem in der Region gemeinsam auftreten. Wenn es für alle passt und gerecht aufgeteilt wird, habe ich nichts dagegen, dann macht es ja Sinn. 
Wir müssen dann den Klopeiner See fordern, dass diese dann auch das Lavanttal ordentlich vertritt. Denn wir müssen dann ja schließlich auch Geld an den neuen großen Verband abliefern. Das Problem bei den Stimmenanteilen liegt darin, dass dafür die Nächtigungen herangezogen werden und nicht die Höhe der Fremdenverkehrsabgaben (Anm.: Diese werden von jedem Betrieb bezahlt). Laut Benchmark haben wir im Lavanttal höhere Fremdenverkehrsabgaben, da wir eine bessere Wirtschaft haben, aber bei den Nächtigungen liegt der Klopeiner See – Südkärnten vor uns. 

Werden Sie das Bürgermeisteramt hauptberuflich ausüben und was passiert mit Ihrem Restaurant »Badido«?
Mit dem »Badido« geht es weiter. Ich habe es an die ÖMV verpachtet, die das Café und das Restaurant übernimmt. Eine Mitarbeiterin und ihr Mann werden das Lokal über die ÖMV als Pächter führen. 
Derzeit wird ein Koch gesucht. Für die Zeit, in der niemand da ist, stehe ich natürlich zur Verfügung. 

Ihre politische Laufbahn ist sehr abwechslungsreich. Können Sie uns einen kleinen Überblick geben?
Ich wurde 1989 Mitglied bei der FPÖ, weil ich den Jörg Haider kennenlernte und von ihm sehr begeistert war. Das bin ich übrigens heute noch. 1993 gründete ich in Bad St. Leonhard den Ring Freiheitlicher Jugend. Dadurch, dass ich als Koch oft im Ausland gearbeitet habe, stand ich bei Gemeinderatswahlen nicht zur Verfügung. 2002 kehrte ich ins Lavanttal zurück und eröffnete das »Badido«. Als es 2002 dann zu Knittelfeld in der FPÖ kam, bin ich aus der Partei ausgetreten. In der Todesnacht von Jörg Haider (Anm.: am 11. Oktober 2008) kam mein bester Freund Erwin Baumgartner zu mir, und wir haben uns entschieden, bei der Gemeinderatsjahr im darauffolgenden Jahr für Jörg Haider anzutreten.
Ich kandidierte für das BZÖ. Bei der Wahl am 1. März 2009 erreichten wir 33 Prozent. Bei der Landtagswahl im Jahr 2013 war ich Spitzenkandidat im Wahlkreis Ost des BZÖ. Als ich dann sah, welche Leute im Landtag saßen und nichts taten, sagte ich mir, dass ich zu keiner Partei mehr gehen werde. 2015 gab es eine Kooperation zwischen den Freiheitlichen und der Liste Dieter Dohr.

Wo sehen Sie Bad St. Leonhard in sechs Jahren?
Ich sehe, dass sich Bad St. Leonhard wirtschaftlich weiterentwickelt hat, wir das Raumordnungskonzept umgesetzt haben und der Schulcampus umgesetzt wurde. Langfristig haben wir ein tolles Projekt: Wir wollen uns mit erneuerbarer Energie auseinandersetzen, weil es die Zukunft ist.

Das gesamte Interview mit Dieter Dohr finden Sie im Video

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