Martin Schifferl: »Beim Roten Kreuz bekommt man einen Weltblick und man wird sozialer« Ausgabe 36 | Mittwoch, 2. September 2020

Der Rot-Kreuz-Bezirksstellenleiter Martin Schifferl (47) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über die vielen Aufgaben des Roten Kreuzes, warum sich Jugendliche in der Organisation engagieren sollten und warum er oft beim Snowboarden gesehen wird.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Die ganze Familie Schifferl ist beim Roten Kreuz engagiert. Am Bild ist Martin Schifferl mit seiner Frau Sabine und den Söhnen Sandro (l.) und Raphael (r.) zu sehen. Foto: KK

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Wie bzw. wann sind Sie zum Roten Kreuz gekommen?
Ich war bereits in meiner Jugend Mitglied der Jugendgruppe, 1999 habe ich dann den Erste-Hilfe-Kurs absolviert, danach die Sanitätsausbildung. Ab 2003 war ich Freiwilligenkoordinator und seit 2015 bin ich Bezirksstellenleiter im Lavanttal.

Was hat Sie dazu bewegt, dem Roten Kreuz beizutreten?
Ich wollte einfach Menschen, die Hilfe benötigen, helfen. Ich denke, die Helfer beim Roten Kreuz haben das »Helfer-Gen«. Man spürt, wenn jemand Hilfe benötigt, und zögert nicht, zu helfen. Außerdem gibt es beim Roten Kreuz in Wolfsberg eine coole Gemeinschaft mit Menschen jeden Alters. Ich möchte das nicht missen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Bezirksstellenleiter und dem Bezirksgeschäftsführer?
Der Bezirksstellenleiter ist die höchste Instanz. Es ist eine Funktion, die ehrenamtlich ausgeführt und alle fünf Jahre gewählt wird. Der Bezirksstellenleiter repräsentiert das Rote Kreuz. Zu den Aufgaben des Geschäftsführers zählt die operative Leitung des Betriebs und die Führung der angestellten Mitarbeiter.

Wie hat sich das Rote Kreuz im Laufe der Jahre verändert?
Früher wurde alles eher klein gehalten, mittlerweile wird das Rote Kreuz wie ein Betrieb geführt. Vor etwa 20 Jahren gab es nur den Sanitätsdienst, heute ist der Pflegedienst bereits unsere zweitwichtigste Aufgabe. Alleine im Lavanttal haben wir dafür rund 40 Mitarbeiter. Die Bezirksstelle Wolfsberg mit der Ortsstelle in St. Paul ist ein Unternehmen mit rund 400 Helfern und einem Fuhrpark von rund 35 Fahrzeugen. Gab es früher zwei oder drei Ausfahrten pro Tag im Schnitt, so führen wir nun rund 250 Fahrten pro Tag durch. Wobei man sagen muss, dass die Einsätze im Sanitätsdienst mit etwa zwei pro Tag gleichbleibend sind.

Wie viele Mitarbeiter der Bezirksstelle Wolfsberg sind ehrenamtlich tätig, wie viele angestellt?
Von den 400 Helfern sind rund 100 hauptberuflich beim Roten Kreuz tätig, im Sanitätsdienst haben wir 30 hauptberufliche Mitarbeiter.

Welche Bereiche neben dem Sanitätsdienst werden noch vom Roten Kreuz abgedeckt?
Da gibt es jede Menge. Wie bereits erwähnt, ist da der Gesundheits- und soziale Dienst. Wir bieten aber auch einen Besuchsdienst an, sind für die Zustellung von Essen auf Rädern verantwortlich, halten die Team Österreich Tafel ab, sind Teil des Katastrophenhilfsdienst beim KAT-Zug, verfügen über eine Jugendgruppe, das Kriseninterventionsteam, die freiwillige Sozialbetreuung, Blutspenden, die Rufhilfe für ältere Menschen uvm.

Viele Vereine und Unternehmen kämpfen mit einem Nachwuchsproblem. Wie sieht es in diesem Punkt beim Roten Kreuz aus?
Da läuft es sehr gut. Wir bieten regelmäßig Kurse an und haben auch immer wieder ausreichend Zivildiener. Vielen davon bleiben oft auch nach dem Kurs oder Zivildienst beim Roten Kreuz und arbeiten fleißig mit. Andere verlassen die Organisation zwar berufsbedingt oder durch Wegzug auch wieder. Aber die Zu- und Abgänge halten sich die Waage. 

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, warum er zum Roten Kreuz gehen soll?
Es ist für jeden eine ganz besondere Erfahrung, man bekommt einen Weltblick, wird sozialer. Wenn man selbst als Helfer tätig ist, sieht man, was in der Welt abgeht. Jeder kann auf seine Art und Weise helfen. Meine ganze Familie ist beim Roten Kreuz. Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man am Ende des Tages weiß, etwas Gutes getan zu haben.

Waren Sie bei irgendwelchen spektakulären Unfällen oder Auslandseinsätzen dabei?
Bei Auslandseinsätzen war ich noch nicht. Zu Unfällen im Lavanttal muss ich sagen, da sind wir eine Insel der Seligen. Es gab zum Glück keine größeren Unfälle. Besonders sind natürlich die Flugzeugabstürze gewesen, die Motorradunfälle und die Suizidfälle gehen einem natürlich sehr nahe.

Schaulustige und Menschen, die die Helfer bewusst behindern, attackieren oder beschimpfen, werden zunehmend zum Problem. Gibt es diese Phänomene auch im Lavanttal?
Bei uns gibt es das eher selten. Schaulustige, die den Einsatzkräften den Weg versperren oder ihre Arbeit erschweren, gibt es eher bei Unfällen auf der Autobahn. Angriffe hat es bei uns noch nie gegeben, da ist noch Respekt gegenüber den Einsatzkräften vorhanden. Ich muss hier den Lavanttalern ein Lob aussprechen, die Menschen hier sind bei der Ersten Hilfe echt gut drauf und helfen Verletzten auch immer wieder. Speziell junge Menschen wenden das Wissen, das wir ihnen bei unseren Kursen vermitteln, immer wieder erfolgreich an.

Wie hat sich die Coronakrise auf die Arbeit ausgewirkt?
Zu Beginn des Lock-Downs hatten wir recht wenig zu tun. Die Ausfahrten sind um die Hälfte zurückgegangen. Jetzt normalisiert sich die Situation wieder langsam wieder.

Natürlich mussten wir auch noch mehr auf Hygienemaßnahmen achten. Wir müssen noch immer, egal bei welcher Fahrt, einen Mund-Nasen-Schutz im Auto tragen. Außerdem mussten wir, wie viele andere auch, unsere geplanten Veranstaltungen absagen oder verschieben. So fallen in diesem Jahr der Rot-Kreuz-Ball und der Tag der offenen Tür leider aus.

Jetzt geht bald die Fußball-Bundesliga los. Sie gehören ja auch dem WAC-Team an. Welche Aufgabe haben Sie?
Ich bin der Sicherheitsverantwortliche des Vereins und muss dafür sorgen, dass die richtigen Maßnahmen gesetzt und eingehalten werden.
Außerdem bin ich natürlich auch ein Fan des Vereins. Mein Sohn spielt selbst beim WAC, in der Amateurmannschaft. Unter Gerhard Struber hat er sogar bei den Profis mittrainiert.

Sie haben vorhin erwähnt, Ihre ganze Familie sei beim Roten Kreuz engagiert. Seit wann sind Sie verheiratet?
Ich bin mit Sabine seit 1998 verheiratet, sie hälft Kurse beim Roten Kreuz ab. Die Söhne Raphael (21) und Sandro (23) sind beide freiwillige Helfer beim Sanitätsdienst.

Was machen Sie hauptberuflich?
Ich bin Steinmetz-Meister und führe den Betrieb »Natursteine Schifferl« bereits in der vierten Generation. Mir wurde mein Beruf also bereits in die Wiege gelegt.

Sie sind beruflich und beim Roten Kreuz sehr eingespannt. Was ist für Sie ein Ausgleich zu diesen Tätigkeiten?
Der WAC und das Rote Kreuz sind mein Ausgleich, das macht mir auch sehr viel Spaß. Ansonsten bin ich viel mit dem Fahrrad unterwegs, und im Winter sieht man mich beim Snowboarden. Ich war früher bei der Snowboard-Pioniergruppe mit dem heutigen Bezirkspolizeikommandanten Peter Hauser und bin noch heute von dem Sport begeistert. Aber halt nicht mehr so oft. Wenn sich im Winter eine Möglichkeit ergibt, fahre ich aufs Nassfeld zum Snowboarden. 

Auf was möchten Sie nicht verzichten?
Auf meine Familie.

Haben Sie einen Wunsch für die Zukunft?
Dass alle gesund bleiben und die Coronakrise gut überstehen. Aber ich bin davon überzeugt, dass, wenn jeder anpackt, wir den Lebensstandard in Österreich halten können. Wir haben einen hohen Lebensstandard, da braucht sich niemand zu beklagen. Die Zukunft schaut recht gut aus. 

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