Karl Umschaden: »Mein Anliegen war es, dass sich Schüler und Lehrer an der Schule wohlfühlen« Ausgabe 32 | Mittwoch, 5. August 2020

Seit 1. August ist der langjährige Direktor der NMS »Bildungswelt Maximilian Schell«, Karl Umschaden (65), im Ruhestand. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach er über Veränderungen im Schulsystem, die Bildungswelt und seine Leidenschaft, den Fußball.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Am Freitag, 31. Juli, verbrachte Direktor Karl Umschaden seinen letzten Arbeitstag im Büro an der NMS »Bildungswelt Maximilian Schell«. Nun geht es für den 65-Jährigen in den Ruhestand (Bild links). Am Bild rechts ist Direktor Umschaden mit Iva und Maximilian Schell bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags mit der Bildungswelt zu sehen.KK/privat, UN

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War Lehrer eigentlich schon immer Ihr Traumberuf?
Ja. Ich bin zwar als Kind nicht gerne in die Schule gegangen, aber ich habe dafür zu Hause immer Schule gespielt, mir selbst Aufgaben gegeben und mich selbst geprüft.

Wie war Ihr beruflicher Werdegang?
Nach dem Präsenzdienst habe ich an der Pädagogischen Akademie in Klagenfurt meine Lehrerausbildung gemacht und die Lehramtsprüfung für Werkerziehung und Mathematik absolviert. 1978 bekam ich meinen ersten Posten als Lehrer an der Polytechnischen Schule in Wolfsberg, und nur ein Jahr später wechselte ich an die Hauptschule 1 (Anm.: heute NMS Bildungswelt Maximilian Schell), wo ich Mathematik und Werkerziehung unterrichtete, Schülerbetreuer und Klassenvorstand war. 2003 wurde ich dann Schulleiter-Stellvertreter an der Schule und ab 2005 war ich Direktor.

»Mein Anliegen war es, dass sich Schüler und Lehrer an der Schule wohlfühlen«
Karl Umschaden, pensionierter Direktor

Sie waren 21 Jahre an der Schule, 15 Jahre davon als Schulleiter. Was waren die Höhepunkte, wenn Sie auf diese Zeit zurückblicken?
Da gab es sehr viele. In meiner Zeit als Direktor führte ich 2007 die Laptopklassen an der Schule ein, damit waren wir beim E-Learning Vorreiter in Österreich. 2009 startete ich mit dem BORG Wolfsberg ein Verbundmodell, und im selben Jahr kam es zur Umstellung von der Hauptschule auf die Neue Mittelschule. 2010 wurde die Schulsozialarbeit eingeführt und mit dem Mondi-Lerncafé, der kostenlosen Lern- und Nachmittagsbetreuung begonnen. Es gab von 2009 bis 2014 die Sommerakademie und natürlich im Jahr 2013 die Gründung des Schulcampus »Bildungswelt Maximilian Schell« in Zusammenarbeit mit dem damaligen Volksschuldirektor Helmut Kirisits und dem Stadtkindergarten. Weiters gibt es seit zehn Jahren bei uns nun auch eine verschränkte Form der Ganztagsschule. Weitere Highlights waren sicher auch die Einführung der Bildungsmesse »14 Jahre, was nun?« vor 25 Jahren und die Erfolge unserer Basketballmannschaft unter Wolfgang Jessernig, 2016 wurde die Mädchenmannschaft Bundesmeister. Mein Anliegen war es immer, dass sich Schüler und Lehrer an der Schule wohlfühlen

Wie ist es eigentlich dazugekommen, dass Maximilian Schell zum Namensgeber der Bildungswelt wurde?
Ich stamme ja aus Preitenegg, mein Geburtshaus liegt ganz in der Nähe des Anwesens der Familie Schell. Als Maximilian Schell sich wieder auf der Alm niederließ, habe ich ihn einfach kontaktiert und ihm hat das Konzept, die Verbindung von Kindergarten und Schulen mit Kunst, Kultur und Sport, sehr gut gefallen. Im Oktober 2013 haben wir dann den Kooperationsvertrag unterschrieben. Nach seinem Tod 2014 haben seine Witwe Iva und seine Tochter Nastassja das Projekt weiter unterstützt. Sie sind immer wieder an der Schule, nehmen an den Begegnungstagen teil und sind immer wieder bei Projekten mit dabei.

Mittlerweile ist die Bildungswelt eine Einrichtung, in der Menschen von einem Jahr bis ins hohe Alter begleitet werden. Neben dem Kindergarten, der Volksschule und der Mittelschule sind nun auch Kindergruppen der LKH-Zwerge und die Fachschule für Sozialberufe sowie die Volkshochschule am Standort in Wolfsberg untergebracht.

Sie waren auch eine Periode lang SPÖ-Gemeinderat in Wolfsberg. Wie war diese Erfahrung für Sie?
Ich war immer sehr politikinteressiert, aber leider sind die Ämter Gemeinderat und Schulleiter unvereinbar. In meiner Zeit war ich kooperativ und für mich stand das Einende im Vordergrund. Leider kam ich mit den anderen Fraktionen im Gemeinderat meist besser aus als mit der eigenen.

Sie sind über 40 Jahre als Lehrer tätig gewesen. Wie hat sich das Bildungssystem in dieser Zeit verändert?
Ich kenne alle Varianten, angefangen vom A- und B-Zug, über die Leistungsgruppen bis hin zur Neuen Mittelschule, die ab Herbst als Mittelschule mit Leistungsgruppen betrieben wird. Schule entwickelt sich ständig, da gibt es keinen Stillstand. Schade ist, dass Entscheidungsträger meist nur kurze Zeit ihre Funktionen ausüben. Da wäre mehr Kontinuität sinnvoll. 

Und wie haben sich die Schüler in dieser Zeit verändert?
Sie haben sich auf digital umgestellt, sind über alles informiert und kennen sich mit Handy und Computer besser aus als die Eltern. 

Die Corona-Pandemie sorgte ebenfalls für viele Veränderungen. Wie sind Sie und Ihre Schule damit umgegangen?
Es war eine herausfordernde Zeit für alle, Schüler und Lehrer. Für die Lehrer war es auch sehr anstrengend, alle mussten sich komplett umstellen. Es hat eine Zeit lang gedauert, bis alle eingearbeitet waren und sich an die neue Situation gewöhnt hatten. Aber danach ist es sehr gut gelaufen. Es gibt ja ein sehr engagiertes Lehrerteam an der Schule.

Wie war in Ihrer Zeit die Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern, Schulgemeindeverband usw?
Es gab eine sehr gute und sachliche Zusammenarbeit mit den Institutionen, egal ob das der Schulgemeindeverband war oder die Schulabteilung der Stadtgemeinde Wolfsberg. Es hat sehr gut funktioniert, ich konnte viel autonom gestalten, was sehr wichtig ist.

Was wünschen Sie ihrer Nachfolgerin und der Bildungswelt »Maximilian Schell«?
Dass sich die Schule auch in Zukunft positiv weiterentwickelt und den guten Weg, den wir eingeschlagen haben, weitergehen wird. Es gibt an der Schule ein top ausgebildetes Lehrerteam, daher sehe ich dem positiv entgegen. Zu wünschen wäre, dass der Verwaltungsapparat ein wenig schlanker gestaltet wird.

Sie sind ein sehr fußballbegeisterter Mensch. Haben Sie selbst auch gekickt?
Bis zu meinem 16. Lebenjahr habe ich beim WAC gespielt, danach meine Laufbahn beendet. Ich bin ein richtiger WAC-Fan, da bin ich natürlich bei jedem Heimspiel im Stadion mit dabei. Was Präsident Dietmar Riegler geleistet hat, ist gewaltig. Da gebührt der ganzen Familie Riegler ein großes Lob. Mit dem WAC bringt Riegler Wolfsberg regelmäßig österreichweit in die Schlagzeilen, teilweise sogar europaweit.

An der HLW Wolfsberg sorgt derzeit die Direktor-Besetzung für Wirbel. Was sagen Sie zu dieser Geschichte?
Die Bildungsdirektion entscheidet.

Was werden Sie nun im wohlverdienten Ruhestand unternehmen?
Ich bin ein großer Kärnten-Fan, ich liebe die Berge und die Seen. Ich werde viel Zeit im Lavanttal und der Wörthersee-Region verbringen mit Wandern, Schwimmen, Radfahren, Sport – und natürlich die WAC-Spiele live im Stadion mitverfolgen.

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