Umzug, Ausstellungen und Corona: Rückblick auf ein intensives erstes Jahr als Künstlerhaus-Präsidentin Ausgabe 24 | Mittwoch, 10. Juni 2020

Vor einem Jahr wurde die in Wolfsberg geborene Kärntner Slowenin Tanja Prušnik als erste Frau zur Präsidentin der Gesellschaft der bildenden Künstlerinnen und Künstler Österreichs gewählt, die ihren Sitz im frisch renovierten Künstlerhaus in Wien hat.

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Wien, Wolfsberg. »Es war ein sehr intensives Jahr«, resümiert Tanja Prušnik über ihre ersten zwölf Monate als Präsidentin des Künstlerhauses in Wien. »Wir hatten wirklich ein großes Programm vor uns, als ich das Amt angetreten bin.« Nach jahrelangen Sanierungsarbeiten galt es, das Künstlerhaus am Karlsplatz, das der Sitz der rund 450 Mitglieder umfassenden Gesellschaft der bildenden Künstlerinnen und Künstler Österreichs ist, auf die Wiedereröffnung vorzubereiten. 

Der Eröffnungsreigen von 6. bis 10. März 2020 konnte noch über die Bühne gehen, ab 11. März war das frisch renovierte Künstlerhaus coronabedingt wieder geschlossen. Eine völlig neue Situation für Prušnik, die im Juni des Vorjahrs als erste Frau überhaupt zur Präsidentin der Gesellschaft gewählt wurde (die Unterkärntner Nachrichten berichteten). »Zuerst gab es das große Aufatmen und die Freude über die Wiedereröffnung, dann kam der Shutdown, der uns, wie auch alle anderen, vor große Herausforderungen stellte«, sagt Prušnik. Nach monatelangen Vorbereitungsarbeiten im neuen alten Hauptsitz  für das »Reopening« und Rückbauarbeiten im zeitweiligen Ausweichquartier, gab es von einem Tag auf den anderen keine Führungen und Besucher mehr. Elf Mitarbeiter mussten zur Kurzarbeit angemeldet werden. Seit 27. Mai hat das Künstlerhaus wieder geöffnet. Zu sehen ist noch bis 1. November 2020 die Ausstellung »Alles war klar«: »Es läuft relativ gut, wir fahren aber auf Halbmast. Jeder, der abhängig ist von Eintritten, hat es schwer.«

Folgen der Krise für Künstler

Die Coronakrise brachte viele Künstler in eine prekäre Situation. »Wir leben davon, dass wir Ausstellungen haben und Austausch darüber stattfindet«, betont Prušnik. Die Folgen der Pandemie werden bildende Künstler noch lange spüren: »Es stellt sich die Frage, wie sich der Sammlermarkt in Zukunft verhalten wird. Im mittleren Preissegment wird am meisten gespart, das war auch schon bei der Wirtschaftskrise so.« Prušnik befürchtet, dass es auch diesmal Jahre dauern wird, bis sich alles wieder einpendelt.

»Es stellt sich die Frage, wie sich der Sammlermarkt in Zukunft verhalten wird«
Tanja Prušnik
Künstlerhaus-Präsidentin

Während der Wochen der strengen Ausgangsbeschränkungen  arbeitete die in Wolfsberg geborene Kärntner Slowenin in ihrem Atelier und Home-Office in Wien. Als zweifache Mutter spürte die 48-Jährige die Mehrfachbelastung von eigener künstlerischer Arbeit, der Arbeit für das Künstlerhaus, Familie und Home-Schooling deutlich: »Ich weiß, ich bin da kein Einzelfall, ich fand die Situation sehr herausfordernd, neben dem Home-Schooling auch meine Arbeitsleistung zu bringen.« Auf der anderen Seite sieht sie es aber auch als großes Glück, dass sie und ihr Mann auch während der Krise ihrer Arbeit nachgehen konnten.

Ausstellungen in Kärnten

Ihre eigene künstlerische Tätigkeit führte die viel beschäftigte Künstlerin mittlerweile auch wieder nach Kärnten. Am 30. Mai eröffnete Prušnik in der Galerie Šikoronja in Rosegg ihre Ausstellung »C-Unst Masken_Spuren«, in der noch bis zum 21. Juni kunstvoll gefaltete Masken-Unikate zu sehen sind.

Am 2. Juli findet im  Kultur- und Kommunikationszentrum in St. Johann im Rosental die Buchpräsentation »Unser Kärnten/Naša Koroška« statt. Zu dieser zweisprachigen Anthologie steuerte  Prušnik eine Arbeit bei, die im Vorjahr bereits in der Stadtgalerie Wolfsberg zu sehen war und die das Cover des Buchs bildet. Außerdem lud sie weitere Künstler ein, sich an dem Projekt zu beteiligen und kuratierte das Buch, das vom Hermagoras Verlag, dem Kärntner Schriftstellerverband und dem Verband der slowenischen Schriftsteller in Österreich herausgegeben wird. Die Präsentation wird von einer Ausstellung begleitet, die längere Zeit im Kultur- und Kommunikationszentrum zu sehen sein wird.

Am 3. Juli eröffnet sie schließlich im Rahmen des Landesausstellungsprojekts »Brücken Bauen – Gradimo mostove« die von ihr mit einer Kunst-Intervention bespielte Draubrücke zwischen Neuhaus und Lavamünd. »Ich freue mich, dass ich diese Brücke erhalten habe, die das Tor zum Lavanttal bildet«, sagt Prušnik. Insgesamt werden bei diesem Projekt zwölf Draubrücken und drei Verbund-Kraftwerke von Rosegg bis Dravograd von verschiedenen Künstlern gestaltet.

Außerhalb Kärntens  stellt Prušnik noch bis zum 28. Juni im Kunstverein »ArtP« in Perchtoldsdorf gemeinsam mit den Künstlerinnen Ona B., Ina Loitzl und Lavinia Lanner zum Thema »Rot!« Arbeiten aus.

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