»Saufereien und Tätlichkeiten«: Ein Alkoholverbot beim Wolfsberger Fasching steht jetzt im RaumAusgabe 10 | Mittwoch, 4. März 2020

Knapp 10.000 Menschen waren beim Faschingsumzug – mit gravierenden Folgen. Laut Bürgermeister Schlagholz gab es unschöne Szenen, tagelang mussten Scherben beseitigt werden. Jetzt wird eine Kommission eingesetzt, die Maßnahmen überlegen soll.

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Wolfsberg. »So viele Menschen habe ich in der Bezirkshauptstadt noch nie auf einem Haufen gesehen«, sagte ein Fotograf und meinte den Umzug am Faschingsamstag. Doch der hatte auch negative Seiten, zu denen der Wolfsberger Bürgermeister Hans-Peter Schlagholz (SPÖ) jetzt deutliche Worte findet: »Es sah aus wie nach einem Krieg! Nächstes Jahr muss das anders werden!« Und: »Ich bin auch gegenüber einem Alkoholverbot auf der Straße nicht verschlossen!« Binnen zwei Wochen soll eine Kommission gebildet werden, die die Ereignisse evaluiert und Maßnahmen überlegt.

Laut Reinhard Steinbauer, Leiter des Tourismusverbands Wolfsberg und Organisator der Veranstaltung, besuchten knapp 10.000 Gäste den Umzug. Ihre Hinterlassenschaften kamen der Stadt teuer zu stehen. Schlagholz: »Unsere Leute haben von Samstag Nacht bis Dienstag Scherben beseitigt. Das kostete die Stadt Tausende Euro. Ein Glasverbot muss her oder wenigstens Einsätze darauf.«

Schlagholz stößt sich auch am Benehmen einzelner Besucher: »Es gab wilde Saufereien und Tätlichkeiten. Auch Sprühwürmer und andere schmutzverursachende Dinge wurden eingesetzt, obwohl wir gebeten hatten, das nicht zu tun. So kann es nicht sein.«

»Es sah aus wie nach einem Krieg! Nächstes Jahr muss das anders werden«
Hans-Peter Schlagholz, Wolfsberger Bürgermeister

Erste interne Gespräche gab es bereits, der Bürgermeister kündigt die Bildung einer Kommission an, in der neben Vertretern der Polizei, der Gemeinde und der Straßenmeisterei auch Organisator Steinbauer sitzen werden. In dieser Runde sollen Maßnahmen festgelegt werden, um den Fasching in geordnetere Bahnen zu lenken. Auch ein Alkoholverbot im Freien soll besprochen werden. Schlagholz: »Es ist großartig, wenn so viele Leute den Umzug besuchen. Aber es braucht Veränderungen.«

Auch einige Bürger sind mit dem Verlauf der Veranstaltung nicht zufrieden. So schrieb eine Wolfsbergerin an die Unterkärntner Nachrichten: »Es waren großteils sehr schöne Masken, Wägen und Kostüme zu sehen. Nach dem Umzug wurde allerdings meine gute Laune getrübt: Müll, Müll, leere Flaschen und alles mögliche verzierten die Straße.« Nicht nachvollziehen kann die Schreiberin, dass manche Eltern ihre Kinder auf den Glasflaschen herumspringen ließen, was das »Scherbenmeer« vergrößerte.

Wäre ein Glasverbot angebracht? Organisator Steinbauer: »Es war ein toller Fasching mit so vielen Leuten – da ist klar, dass etwas zerbricht. Generell ist mit den Wirten aber ohnehin ausgemacht, dass sie nur in Bechern ausschenken. Die Firmen geben Flaschen aus – und da geht eben etwas zu Bruch, das ist unvermeidbar.« Das Hauptproblem ist laut Steinbauer das überall verstreute Konfetti: »Das gehört zum Fasching aber dazu«, und könne nicht verboten werden.

Achtjähriger bedroht
Ein Wolfsberger berichtet: »Mein achtjähriger Sohn hat die Teilnehmer einer Faschingsgruppe mit Sprühschlangen bespritzt. Darauf wurde er von einem jungen Mann mit der Faust bedroht. Mein Sohn begann zu weinen, am Fasching hatte er keine Freude mehr.« Der Vater kontaktierte die Gruppe via Facebook, erhielt aber keine Antwort. Vermuteter Anlass der Aggressivität: zu viel Alkohol.

Kann sich Steinbauer ein Alkoholverbot in Wolfsberg vorstellen? »Nein«, sagt er. Denn wenn Alkohol untersagt wäre, »würden wir einen Umkehrschub erleben«. Steinbauer meint: Dann würde heimlich getrunken werden – und sicher nicht weniger.

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