Im Visier eines Stalkers: Beleidigender Brief an Ulrich Habsburg und sein Ruf nach KonsequenzenAusgabe 5 | Mittwoch, 29. Januar 2020

Wieder hat der Wolfsberger Post erhalten. Inhalt: Beschuldigungen, Schmähungen. Als Absender ist der Grüne-Parlamentarier Michel Reimon angeführt, der damit nichts zu tun hat und meint: »Gaga!« Habsburg forderte dessen Partei trotzdem auf, aktiv zu werden.

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Wolfsberg. Diesmal soll der frühere Europaparlamentarier und jetzige Nationalratsabgeordnete Michel Reimon (Grüne) der Schreiber gewesen sein. Der Wolfsberger Ulrich Habsburg-Lothringen, Neffe dritten Grades des verstorbenen Kaisersohns Otto, hat einen Stalker. In regelmäßigen Abständen erreichen den 78-Jährigen Schmähbriefe, die von bekannten Personen unterzeichnet sind – die damit aber nichts zu tun haben.

Nun erhielt Habsburg wieder eines jener Schreiben, die er »Hassbriefe« nennt. Auf dem Umschlag ist der Grüne-Politiker Michel Reimon als Absender vermerkt, der Inhalt ist wenig gustiös – und gedanklich wie sprachlich wirr. Nach der Anrede »Sehr geehrter Herr Ulrich!« heißt es: »Warum sind Sie immer einer jener von der Familie Habsburg, welcher andauernd die Öffentlichkeit sucht.« Na gut. Danach wird Karl Habsburg als »Idiot« bezeichnet und den Habsburgern die Schuld an beiden Weltkriegen angelastet. Als »Strafe« sei ihnen lediglich der Adelshinweis »von« aus den Namen gestrichen worden. Es folgt der Hinweis auf die russische Zarenfamilie, die 1918 ermordet wurde, sowie die NS-Verbrecher, von denen 1946 in Nürnberg zwölf zum Tod verurteilt und hingerichtet wurden. Schließlich: »Ihr Habsburger habt ja aufgrund jahrhundertlanger (!) Inzucht und Blutschande die Blödheit in euren Genen verankert.« Der Schreiber arbeite derzeit an einem Buch mit dem Titel: »Habsburg 1273-1918 von der Aristokratie zur Idiotie« (!). Der Schlusssatz geht so: »Also Herr Ulrich, treten Sie etwas leiser.«

»Die Grünen sollten sich darum kümmern – auch wenn der Brief nicht von ihnen stammt«
Ulrich Habsburg-Lothringen, fordert Konsequenzen

Im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten sagt Reimon zu dem Schreiben: »Selbstverständlich stammt es nicht von mir. Der ganze Brief ist völlig wahnsinnig. Der das verschickt, muss vollkommen gaga sein.«

Ulrich Habsburg meint: »Einerseits finde ich es lustig, andererseits ärgere ich mich darüber. Ich bin aber auch der Ansicht, dass die Grünen darauf reagieren und sich darum kümmern sollen – auch wenn Reimon den Brief nicht geschrieben hat. Denn er hat den Zweck, vor allem dem Ruf der Grünen zu schaden. Daher sollte die Partei mit mir gemeinsam etwas gegen diesen Schreiberling unternehmen.« Dazu Reimon etwas ratlos: »Wie sollen wir reagieren? Was soll man dagegen denn machen?«

Volle Schublade

Habsburg hat mittlerweile mehrere solcher Briefe in der Schublade. Da sich Inhalt und Layout bei allen auffällig ähneln, ist von einem Verfasser auszugehen – auch wenn immer andere Absender verwendet werden.

»Selbstverständlich stammt das Schreiben nicht von mir. Es ist ja völlig wahnsinnig«
Michel Reimon, Nationalratsabgeordneter

2017 erhielt der Wolfsberger ein Schreiben, das mit dem Namen der bekannten Grüne-Politikerin Sigrid Maurer unterzeichnet war. Darin stand: »Wir Grünen haben beschlossen, dass Sie Ihr ›von‹ behalten dürfen. Nur sollten Sie sich in Zukunft so oder so ähnlich nennen: Idiot von Wolfsberg.« Maurer bestritt vehement (und glaubhaft), mit dem Brief etwas zu tun zu haben. Habsburg, der 2009 für die Grünen im Wolfsberger Gemeinderat gesessen hatte, war dennoch so gekränkt, dass er aus der Partei austrat. Hintergrund dieses Schritts war auch ein persönlicher Streit mit Maurer, die damals für die Anhebung der Strafe für ungerechtfertigtes Führen von Adelstiteln eintrat. Dass ihm im jüngsten Brief unterschwellig die Todesstrafe an den Hals gewünscht wird, bringt den 78-Jährigen nicht aus der Ruhe. Er meint dazu nur trocken: »Dann soll man mich eben vor Gericht stellen. Bis zur Entscheidung gilt für mich die Unschuldsvermutung.«

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