Zehn Frauen erzählen ihren Lebensweg zwischen Krieg, Aufbruch und FamilieAusgabe 50 | Mittwoch, 11. Dezember 2019

Elfriede Verhounig hat die Lebensgeschichten von Frauen im Alter von 75 bis 99 Jahren aus dem Bezirk Völkermarkt aufgeschrieben. Nun präsentiert sie ihr Buch »War das das Leben? Wohlan, noch einmal«.

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Griffen. In ihrer Altersteilzeit begann sich die Griffnerin Elfriede Verhounig ehrenamtlich zu engagieren. Sie hält Vorlesestunden im Seniorenwohnheim Völkermarkt ab, die sie aktiv gestaltet. »Wenn ich zum Beispiel etwas über Weihnachtsbräuche vorlese, frage ich die Zuhörerinnen, wie das bei ihnen früher war«, erklärt die 60-Jährige. 

So kam es, dass sie im Laufe der Zeit von zwei Bewohnerinnen  – der mittlerweile verstorbenen Hebamme Christl Paternos und der Sekretärin Bärbel Karpf – deren Lebensgeschichte erfuhr. Sie schrieb diese Geschichten auf und begann nach weiteren alten und sehr alten Frauen im Bezirk Völkermarkt zu suchen, die etwas zu erzählen hatten. 

So entstand binnen zwei Jahren das Buch »War das das Leben? Wohlan, noch einmal!«, das Verhounig am 12. Dezember in Griffen erstmals präsentiert (Details siehe Info-Box). »Ich wollte einen Querschnitt aus möglichst vielen Gemeinden und Berufen. Je älter die Frauen waren, desto besser«, erzählt Verhounig weiter. Sie sprach unter anderem mit der Diexer Bäuerin Amalia Glaboniat, der Hotelierin Rosi Planinschek vom Klopeiner See oder der Unternehmerin Renate Stöckl aus Bleiburg.

»Es war einfach so«

»Was hab ich denn schon zu erzählen?« – diesen Satz hörte Verhounig oft beim ersten Kontakt mit den Frauen. Doch diese Einstellung änderte sich meist schnell. »Die Bäuerin aus Diex etwa verlor früh ihren Vater und bewirtschaftete mit ihrer Mutter den Hof. Dann heiratete sie, doch auch ihr Mann wurde nicht alt. Wieder waren sie, ihre Mutter und zusätzlich sieben kleine Kinder allein am Hof«, nennt die Autorin ein Beispiel. Diese und andere schwierige Lebenssituationen waren für die Frauen aber meist nichts Besonderes – es war einfach so.

Verhounig war es wichtig, Frauen zu porträtieren: »Männer stehen ohnehin mehr in der Öffentlichkeit.« Ebenfalls war es ihr ein Anliegen, das Leben einer Kärntner Slowenin abzubilden. Die Erzählungen der zehn Frauen haben bei der Griffnerin einen bleibenden Eindruck hinterlassen: »Mit welcher Kraft, Stärke und Selbstverständlichkeit diese Frauen ihr Leben gelebt haben, hat mich tief beeindruckt.« Verhounig sieht sich auch nicht als Autorin, sondern als Chronistin: »Es ist eigentlich nicht mein Buch, sondern das dieser zehn Frauen.«Sie ließ die Frauen einfach erzählen und fragte möglichst wenig nach. In manchen Fällen arbeitete sie außerdem eng mit den Angehörigen zusammen: »Ich habe auch mit ihnen viel gesprochen und mir die Texte freigeben lassen.« 

Über Elfriede Verhounig

Auch aus Verhounigs Leben ließe sich sicher einmal eine solche Erzählung machen: Die geborene Griffnerin ist verheiratet und Mutter zweier erwachsener Söhne. Sie studierte Volkswirtschaft, war beruflich in der Regionalentwicklung tätig und lebte mit ihrem Mann lange in Wien, ehe sie wieder in ihrem Heimatort zurückkehrte.

Für die Chronistin ist mit dem Erscheinen des Buches das Thema aber noch nicht erledigt. »Ich möchte gerne weitermachen, um das Wissen einer Region zu bewahren. Dazu habe ich schon ein paar Ideen«, die sie aber noch nicht verraten möchte.  

Buchpräsentation
Wann: Donnerstag, 12. Dezember 2019.
Wo: Kultursaal der Gemeinde Griffen.
Beginn: 19 Uhr.
Eintritt: frei.

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