Straßennamen: Ein Historiker soll Abwehrkämpfer unter die Lupe nehmen Ausgabe 49 | Mittwoch, 4. Dezember 2019

Hilfe bei der Auswahl jener Personen, die mit eigenen Straßennamen geehrt werden sollen, hat sich der Kulturausschuss geholt. Der Wolfsberger Geschichtswissenschaftler Klösch wird zu Rate gezogen.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Wird eine Wolfsberger Straße neu benannt, soll in Zukunft der Name eines Abwehrkämpfers auf dem Schild stehen. Bei den Gefechten kamen 64 Lavanttaler ums Leben, 19 Gefallene – darunter auch vier Frauen – stammten aus Wolfsberg. Foto: Hok

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Wolfsberg. Die »Kugel« ging einige Zeit zwischen dem Straßenbau- und dem Kulturausschuss hin und her. Schließlich blieb die Zuständigkeit bei letzterem liegen, der sich jetzt mit zwei Fragen befassen muss: Sollen Wolfsberger Straßen nach Abwehrkämpfern benannt werden? Und wenn ja, nach welchen? Um keinen Fehler zu begehen, wird der Wolfsberger Historiker Christian Klösch durchleuchten, welche Abwehrkämpfer geeignet wären – und welche aufgrund von dunklen Flecken auf der Weste besser nicht auf Tafeln geschrieben werden. 

Die Idee stammt von FPÖ-Gemeinderat Daniel Megymorecz, zugleich Obmann des Wolfsberger KAB, der Antrag kam von den Wolfsberger Freiheitlichen. Sie traten im Sommer mit dem Plan an die Öffentlichkeit, der von November 1918 bis Juli 1919 geführten Auseinandersetzung zwischen  Verbänden der provisorischen Kärntner Landesregierung und Truppen des SHS-Staats mit der Benennung von Straßen zu gedenken. Der Vorschlag: Gilt es, alten oder neuen Verkehrswegen einen Namen zu geben, sollen gefallene Abwehrkämpfer herangezogen werden.

Bei den Gefechten wurden rund 200 Kärntner getötet, an die 800 erlitten Verwundungen. 64 Gefallene waren Lavanttaler, 19 stammten aus Wolfsberg, darunter auch vier Frauen: Maria Haule, Luzia Juri, Antonia Pogadec und Maria Polanec. Alle Namen sind am Kriegerdenkmal in Wolfsberg festgehalten.

Da die Straßenbenennung nach Personen mitunter eine kitzlige Sache sein kann, soll Historiker Klösch eine entsprechende Empfehlung abgeben. Auf die Frage, welche Kriterien er anwenden will, sagt der Wolfsberger, der als Abteilungsleiter im Technischen Museum Wien beschäftigt ist, zu den Unterkärntner Nachrichten: »Ich habe eine diesbezügliche Anfrage erhalten, ein Auftrag wurde aber noch nicht erteilt. Daher kann ich dazu nichts sagen, weil ich nicht weiß, was die Gemeinde möchte.«

Ausgeschnapst

Im Vorfeld herrschte im Rathaus keine Einigkeit, welcher Ausschuss sich mit dem Vorschlag zu befassen hat. Im Ausschuss für Straßen- und Wasserbau, war man der Meinung, der Ausschuss für Kunst und Kultur sei zuständig – und umgekehrt. Also wanderte der FPÖ-Antrag von einem Gremium zum anderen, bis die Zuständigkeit des Kulturausschusses geklärt war. Dort kamen die Mitglieder überein, dass die Idee überdenkenswert sei. Offen blieb aber die Frage, welche Wolfsberger Abwehrkämpfer in Betracht kämen. Man einigte sich darauf, wissenschaftlichen Beistand beizuziehen und sich an einen Experten zu wenden. Die Wahl fiel auf Klösch, dessen Beauftragung dem Vernehmen nach beschlossene Sache ist. Wie viel Zeit er für seine Expertise benötigen wird, ist offen.

Einen Zeitplan hat auch Megymorezc nicht. Mit der Beauftragung von Klösch ist er aber einverstanden. »Er kann auch eine Reihung jener Namen erstellen, die für Straßennamen herangezogen werden sollen«, sagt er.  

1 Kommentare Kommentieren

  • Friedrich Vorderleitner
    Lavant am 05.12.2019
    Und was ist mit der Erst Schwatek Straße. Hat die keine Vergangenheit????
    Bewertung +4 Kommentar bewerten + - Antworten Melden

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