Wolf soll ins Lavanttal »umgesiedelt« werdenAusgabe 43 | Mittwoch, 23. Oktober 2019

Landwirtschaftskammer-Präsident Mößler will den Abschuss jenes Wolfs, der in Großkirchheim und Mallnitz Tiere gerissen haben soll. Fischereibetreiber Ulrich Habsburg-Lothringen möchte ihn ins Lavanttal bringen, um ihn gegen Fischotter einzusetzen.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Horst Kakl Von Horst Kakl kaklno@spamunterkaerntner.at
Zwei Tierarten, die die Wogen hochgehen lassen. Hier die Gattung der Wölfe, von denen ein Exemplar in Kärnten zuletzt ein Lamm und ein Schaf getötet haben soll. Da der Fischotter, der sich an den Fischbeständen in der Lavant gütlich tut. Den einen gegen den anderen einsetzen, lautet jetzt ein Vorschlag. Fotos: Pixabay

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Lavanttal. Für Aufregung sorgte zuletzt ein Wolf, der in Großkirchheim und Mallnitz unweit einer Siedlung seinen Hunger gestillt haben soll. Ein Lamm und ein Schaf wurden seine Opfer, so der Verdacht. Um zu bestätigen, dass tatsächlich ein Wolf für die Tierrisse verantwortlich ist, werden DNA-Tests durchgeführt.

Jetzt gehen die Wogen hoch. Johann Mößler, Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer, fordert ».wirksame Maßnahmen« und meint, eine Entnahme, also der Abschuss des Wolfs, dürfe »kein Tabu« sein. In eine ganz andere Richtung geht der Wolfsberger Fischereibetreiber Ulrich Habsburg-Lothringen, der sagt: »Man könnte den Wolf fangen und von Oberkärnten ins Lavanttal umsiedeln!« Der 78-jährige Wolfsberger will keineswegs einen »Gnadenhof« für die Raubtiere aufziehen, er hat einen Hintergedanken.

Habsburg betreibt in der Lavant Fischereigründe, deren Rechte bei seinem Sohn Clemens liegen und die von Fischottern leergefressen werden. Daher liegt er auch mit dem Land Kärnten im Streit, das die von 2013 bis 2018 entstandenen Schäden in Höhe von 154.650 Euro bisher nicht ersetzt hat. Zurzeit läuft eine sechsmonatige Frist, sollte es danach keine Einigung geben, geht die Causa vor Gericht.

Um den Fischbestand wieder zu heben, schlägt Habsburg eine »natürliche Methode« vor. »Dem Fischotter fehlt in unserem Kulturraum der Wolf, dessen Nahrung zu zehn bis 15 Prozent aus Fischotter besteht. Je ein Wolf im Gebiet der Koralpe und Saualpe könnten mittelfristig den Fischotterbestand im Lavanttal auf ein erträgliches Maß reduzieren helfen, wodurch es auch keines Abschusses durch Jäger bedürfte«, schreibt er. Bei zehn Prozent »Fischotternahrung« und etwa vier Kilo täglichen Nahrungsbedarf des Wolfs pro Tag ergäbe das 18 verzehrte Fischotter pro Jahr, bei zwei Wölfen 36 Tiere.

Bei einem augenblicklichen Fischotter-Bestand von 45 Exemplaren im Lavanttal und deren berücksichtigter Vermehrungsrate könnte sich der Fischbestand wieder  erholen. Habsburg weiß auch auf die Frage, wie der Wolf seinen verbleibenden Nahrungsbedarf decken soll, eine Antwort: »Im stünde die große Menge an Fallwild auf  Kärntens Straßen, die sich auf 70.000 Kilo pro Jahr beläuft, zur Verfügung.«

Kammerpräsident Mößler vertritt eine andere Auffassung. In einer Aussendung wird er so zitiert: »Die Wolfspopulation in Europa wird auf bis zu 20.000 Individuen geschätzt. Vor allem in dünn besiedelten Regionen Süd- und Osteuropas gibt es größere Bestände. Dort ist, im Gegensatz zum Alpenraum, ausreichend Lebensraum vorhanden. Deshalb muss es möglich sein, den bewirtschafteten Alpenraum durch entsprechende Maßnahmen wolfsfrei zu halten.«

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