Neues Buch gibt einen Einblick in die Schulzeit während des Nazi-RegimesAusgabe 39 | Mittwoch, 25. September 2019

Mit einem Konvolut von Dokumenten aus der ehemaligen Hauptschule St. Andrä hat sich der Wolfsberger Sozialhistoriker Alexander Verdnik (37) befasst. Daraus entstand sein neuestes Buch »Ideologie und Schule«.

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St. Andrä, Wolfsberg. Das älteste Schriftstück stammt aus dem Jahr 1880 und die Dokumentation führt lückenlos bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein gefundenes »Fressen« also für den promovierten Historiker, Autor und Wissenschaftsvermittler Alexander Verdnik aus Wolfsberg, der sich intensiv mit den Akten der vormaligen Klosterschule Maria Loretto (heute private NMS) befasste, die in der Zeit des Deutschen Reichs zu einer staatlichen Hauptschule umfunktioniert wurde: »Dieses Konvolut an Akten ist sehr spannend, da es vollständig ist, obwohl die Nationalsozialisten eigentlich sehr bedacht darauf waren, jegliche Aufzeichnungen zu vernichten.«

In seinem gerade erschienen fünften Buch »Ideologie und Schule« setzt sich Verdnik speziell mit den Dokumenten aus der Zeit vom Frühjahr 1938 bis Herbst 1945 auseinander und zeigt dabei auf, wie sich der Schulalltag veränderte und Feindbilder kreiert wurden. »Es gab die Anweisung, dass kein Religionsunterricht mehr stattzufinden hat und wenn doch, dann wurde die Stunde in den späten Nachmittag verbannt. Die Kinder wurden instrumentalisiert, um Propaganda nach außen und vor allem nach Hause zu tragen«, nennt Verdnik einige Beispiele. Auch in das Privatleben der Lehrer gab es massive Eingriffe: »Eine Lehrerin, die heiraten wollte, musste beim Direktor um Erlaubnis fragen und ihre arische Abstammung sowie die ihres zukünftigen Gatten über Generationen zurück vor dem Arbeitgeber belegen.« Ein langes Kapitel des Buchs befasst sich mit den Monaten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: »3.000 Kinder hatten keine Schuhe. Hilfsaktionen wurden ins Leben gerufen.«

Vorträge an Schulen

Neben seinen Lesungen und redaktionellen Arbeiten etwa für die jüdische Kulturzeitschrift »David« bietet Verdnik als Wissenschaftsvermittler Vorträge an Schulen an: »Ich bereite geschichtliche Inhalte schülergerecht auf und sehe es als Ergänzung zum regulären Geschichtsunterricht.« Sein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Nationalsozialismus: »Wir leben in einer Zeit, in der Aufklärung unbedingt notwendig ist, um zu sehen, was passiert, wenn nur einseitig Politik gemacht wird.«

Buchpräsentation 

Wann: Freitag, 27. September.

Wo: Container25, Hattendorf.

Beginn: 20 Uhr.

Infos und Reservierungen: 0650/924 15 25  oder
www.container25.at.

Buch »Ideologie und Schule« erschienen im Wolf Verlag. Erhältlich in der Kärntner Buchhandlung und direkt beim Autor.

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