ORF-Bürgeranwalt schaltet sich in Bienenstreit einAusgabe 36 | Mittwoch, 4. September 2019

Die Auseinandersetzung wird zum Fall für das Fernsehen. Ein Team der Sendung »Bürgeranwalt« machte sich in Siegelsdorf ein Bild der Lage und zeichnete die Argumente der Anhänger der Lavanttaler Carnica auf. Am 12. September kommt es zur Konfrontation.

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Lavanttal. Während die Bezirkshauptmannschaften weiterhin Verstößen gegen die Rassenbestimmungen das Kärntner Bienenwirtschaftsgesetz auf der Spur sind, interessiert sich der ORF für den Kärntner »Bienenkrieg«. Am Montag, dem 2. September, war Sascha Stefanakis, Redakteur der ORF-Sendung »Bürgeranwalt« im Thürnerwirt in Siegelsdorf, um sich mit einem Kamerateam ein Bild der Lage zu machen. 

Die Riege der Lavanttaler Imker, die sich seit Jahren gegen die behördlich verhängte »Umweiselungen« ihrer Bienenköniginnen auf die Rasse Carnica wehren, war fast vollständig erschienen. Zur »Unterstützung« dabei waren auch der Obmann des Vereins Lavanttaler Wirtschaft, Edwin Storfer, die Obfrau der steirischen Erwerbsimker Gertrude Amplatz aus Sinabelkirchen sowie Kärntner Erwerbsimker wie Josef Bodner, Sandro Hutter und Anton Dohr.

Pius Zarfl, Bezirksobmann der Lavanttaler Imker, bemängelte die Objektivität der Kärntner Bienen-Amtssachverständigen Barbara Kircher. Amplatz verwies die »Stechwütigkeit« der nicht der Rasse Carnica angehörenden Bienen ins Reich der Spekulation und bezeichnete sie als böswillige Unterstellung. Zu den Landesgesetzen, die in Kärnten und auch in der Steiermark die Reinzucht der Carnica-Bienen vorschreiben, meinte sie, dass sei, als würde man den Bauern vorschreiben, welche Rinder- oder Schweinerasse sie zu halten hätten.

Anton Dohr ging in der Diskussion mit Werner Pachler, Obmann des Vereins Lavanttaler Carnica Biene, in dem vor allem jene Imker aus dem Bezirk Wolfsberg organisiert sind, die mit ihren nicht den Rassenbestimmungen entsprechenden Lavanttaler Öko-Bienen imkern wollen, einen Schritt weiter: »Die vom Gesetz geforderte Carnica-Biene ist eine Kunstrasse und daher nicht schützenswert.«

Franz Offner, Obmann des Kärntner Landesverbandes für zukunfts- und erwerbsorientierte Imkerei, verwies auf die Undurchführbarkeit des Kärntner Bienenwirtschaftsgesetzes. Auch die Rolle des Bienenwissenschaftlers Dr. Friedrich Ruttner wurde breit diskutiert. »Die Nazi-Vergangenheit Ruttners, der sich im Dritten Reich mit Genbiologie und Rassenhygiene intensiv beschäftigte, wird von der Politik gerne in den Mantel des Schweigens gehüllt«, so Dohr.

Zu Tage kam auch, dass ein kontrollierter Imker bereits drei Tage später die Ergebnisse präsentiert bekam. Das legt die Vermutung nahe, dass die amtliche Rassenfeststellung nicht einmal nach Ruttners Methoden durchgeführt wurde – sie dauert mindestens eine Woche –, sondern nur nach der Farbe der Biene vorgegangen wurde. Diese Methode stammt von »Reichskörmeister« Gottfried Götze aus der Nazi-Zeit und ist laut Imkern nicht Stand der Technik, während Amtssachverständige Kircher die gegenteilige Auffassung vertritt.

Am Nachmittag des selben Tags besuchte ORF-Redakteur Stefanakis die Carnica-Fraktion in Bleiburg, um auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen. Am 12. September kommt es in den ORF-Studios in Wien zur direkten Konfrontation zwischen den beiden Streitparteien. Wann der Beitrag im ORF ausgestrahlt wird, steht noch nicht fest.

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