Er verzichtet auf Plan BAusgabe | Mittwoch, 6. März 2019

Der St. Pauler Harald König pilgerte 2016 binnen 137 Tagen von St. Paul entlang des Jakobsweges bis nach Santiago de Compostela. Darüber schreibt er sein erstes Buch, in das er bei verschiedenen Lesungen schon erste Einblicke gab. Im Mai liest er in Wolfsberg.

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St. Paul. Langer Bart, Lederhose und barfuß – so kommt einem der St. Pauler Harald König entgegen. Die meiste Zeit des Jahres ist er ohne Schuhe unterwegs, was in unseren Breitengraden natürlich die Blicke auf sich zieht. »Es muss schon sehr kalt sein, dass ich Schuhe anziehe«, erklärt König.

Am 1. Juni 2016 startete er seine zweite Pilgerreise, die ihn entlang des Jakobswegs von St. Paul bis nach Santiago de Compostela und weiter nach Lissabon führte. 137 Tage war er unterwegs, am 12. Oktober 2016 erreichte er sein Ziel – diesmal mit Schuhen an den Füßen (über die Reise selbst berichteten die Unterkärntner Nachrichten bereits ausführlich im Dezember 2016). 

Seit 2017 arbeitet König an seinem Buch über seine zweite Pilgerreise: »Ich schreibe sehr persönlich und ehrlich. Ich habe auch mit gewissen Leuten im Vorfeld gesprochen, ob ich Erlebnisse, in denen sie eine Rolle spielen, so schreiben darf.« In einem Satz zusammengefasst geht es im Buch darum, was König auf dem Weg zu sich selbst alles begegnet: »Ich habe die Pilgerreise nicht bei Null begonnen, sondern bei minus Zwei. Ich war nie wirklich bei mir. Das Leben lief an mir vorbei.« 

Auf der Suche

König ist gelernter Schlosser. Diesen Beruf übte er zehn Jahre aus, holte schließlich die Matura nach und studierte Sportwissenschaften und Philosophie in Graz. Dennoch war er nicht glücklich und immer auf der Suche: »Ich wusste nur, was ich nicht wollte.« Zum Pilgern kam er über einen Studienkollegen, mit dem er  2015 zu Fuß von Innsbruck nach Barcelona ging: »Damals hatte ich noch einen Plan B neben der Schriftstellerei.« Auf seiner zweiten Fußreise entschloss er sich schließlich dazu, alles auf eine Karte zu setzen und sich ohne Plan B ganz dem Schreiben zu widmen.

»Auf der Reise habe ich gelernt, mein Leben aktiv zu gestalten. Ich war nicht mehr nur Beobachter, sondern im Zentrum des Lebens«, so König. 

Seine Erkenntnisse möchte er in seinem Buch – das auch sein Erstlingswerk ist – weitergeben: »Ein Buch ist nicht nur zur Unterhaltung da, es soll etwas transportieren.« Es ist zu 80 Prozent fertiggestellt und wird den Titel »Nomadenblut« oder »Der rote Kompass« tragen. Wann das Werk erscheinen wird? »Ich hüte mich davor, einen genauen Termin zu sagen«, betont König. Er schreibt alles mit der Hand und beginnt jedes Notizbuch auf der letzten Seite. Seinen Bart will der 34-Jährige erst abrasieren, wenn sein Buch fertig ist. 

Einblicke in das Buch

In mittlerweile neun Lesungen gab er aber bereits einen Einblick in sein Tun. Die letzte fand im Februar in Villach statt, im Rahmen der monatlichen Lesungen des 2013 gegründeten Literaturvereines »Buch 13«, dem der St. Pauler sehr verbunden ist: »Es ist eine schöne Gemeinschaft und eine Freude hier dabei zu sein. Obmann Gerald Eschenauer unterstützt mich.« Mit über 100 Mitgliedern (davon 80 Autoren) zählt »Buch 13« zur größten Literaturinitiative in Kärnten. »Ich öffne die Tore für den literarischen Nachwuchs in Kärnten. So erhielt auch Harald König seine Präsentationsmöglichkeit«, erklärt Eschenauer. 

König lebt in St. Paul. Er wird privat unterstützt und jobbt gelegentlich als Personal-Trainer oder auf einer Landwirtschaft. Zum Schreiben zieht er sich ganz zurück. Sich selbst bezeichnet er als Hedonist: »Ich brauche fast nichts, auch keine Schuhe. Ich lasse mich ganz auf den Moment ein und habe etwas gefunden, das mich komplett erfüllt – die Sprache.«

Aviso:

Nächste Lesung:
Donnerstag, 9. Mai

Wo: Clubraum der StadtMacherInnen in Wolfsberg

Beginn: 19 Uhr

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