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Wolfsberg. Wer mit Roland Bachmann (63) spricht, merkt schnell: Karriere war für ihn nie eine Frage von Titeln oder Gehältern, sondern von Sinn und Wirkung. Vielleicht führte ihn gerade deshalb sein Weg nach erfolgreichen Jahren in internationalen Konzernen wieder zurück ins Lavanttal. Der gebürtige Wolfsberger maturierte am Stiftsgymnasium St. Paul und studierte anschließend Betriebswirtschaft in Graz. »Für Akademiker war es zu jener Zeit aber sehr schwierig, im Lavanttal Arbeit zu finden«, erzählt Bachmann. Über die AMS-Initiative »Aktion 8000« erhielt Bachmann schließlich seinen ersten Job beim Arbeitsmarktservice. Dort begegnete er auch Johann »Casti« Schober, der viele Jahre später eine entscheidende Rolle in seinem Leben spielen sollte.
»Ich wollte etwas schaffen, dass den Menschen im Lavanttal unmittelbar zugutekommt«
Roland Bachmann, Geschäftsführer LBI
Nach Stationen bei der Hypo und einer EDV-Firma, die das österreichische AMS betreute, wechselte Bachmann zur Mediaprint nach Graz. Vier Jahre lang war er dort als Vertriebsleiter für Kärnten und die Steiermark tätig.
Im Jahr 2000 begann seine Laufbahn beim Energiekonzern BP. Zwölf Jahre betreute er Franchise-Partner in Kärnten und der Steiermark, später leitete er in der Wiener Zentrale den Recruiting-Bereich. Rückblickend spricht er von einer prägenden Zeit voller Herausforderungen und wertvoller Erfahrungen.
Dennoch reifte irgendwann der Wunsch nach Veränderung. »Ich wollte nicht mein restliches Berufsleben dafür verbringen, dass irgendein Konzern noch mehr Millionen verdient. Ich wollte etwas schaffen, das Menschen im Lavanttal unmittelbar zugutekommt«, erzählt Bachmann.
Rückkehr ins Lavanttal
2012 kreuzten sich seine Wege erneut mit Johann »Casti« Schober. Dieser berichtete von vielen arbeitslosen Frauen im Tal und seiner Idee, eine Einrichtung zu gründen, die neue Perspektiven eröffnet. Bachmann war sofort überzeugt. Gemeinsam gründeten sie die Lavanttaler Beschäftigungsinitiative (LBI).
Bachmann berichtet: »Aus dem anfänglichen Projekt entwickelte sich rasch eine bedeutende soziale Einrichtung. Zu den ersten Maßnahmen gehörten Wiedereinsteigerinnen-Kurse. Insgesamt wurden 87 Kurse durchgeführt, wodurch viele Frauen den Weg zurück ins Berufsleben fanden.«
Auch die »Gesunde Jause« zählte zu den frühen Projekten. Fünf Jahre lang versorgte die LBI Schulen und Kindergärten mit regionalen Produkten. In der Hochphase wurden 13 Einrichtungen beliefert, wobei von Beginn an auf Bauern und Direktvermarkter aus der Region gesetzt wurde. Ein besonderes Vorzeigeprojekt entstand 2013 mit dem Cafino in Wolfsberg.
»Obwohl zahlreiche Menschen im Gastronomiebereich arbeitslos waren, suchten viele Betriebe dringend Personal. Oft fehlten praktische Erfahrung oder die nötige Stabilität für den Wiedereinstieg«, erzählt Bachmann. Das Cafino wurde deshalb nicht nur ein Café, sondern ein Ausbildungs- und Qualifizierungsbetrieb, in dem Menschen neue Chancen erhielten und Berufserfahrung sammeln konnten. In den folgenden Jahren wuchs die LBI kontinuierlich. Das »Haus der Region«, das in der Vorwoche sein zehnjähriges Bestehen feierte (siehe Seite 9), entwickelte sich zu einer festen Größe im Lavanttal, der Genussladen in St. Paul feierte kürzlich sein fünfjähriges Bestehen. Ergänzt wurde das Angebot der Beschäftigungsinitiative durch einen Kräuter- und Weingarten in Raggl, in dem eigene Produkte entstehen.
Ein neuer Lebensabschnitt
Nach 14 Jahren an der Spitze der LBI steht nun der nächste Abschnitt bevor. Mit 31. Jänner 2027 plant Roland Bachmann den Übertritt in die Pension. Dass ihm dieser Schritt nicht leichtfällt, ist spürbar. Zu viel Herzblut steckt in den Projekten, zu viele Erinnerungen verbinden ihn mit dieser Aufgabe. »Die Nachfolge wurde frühzeitig geregelt: Elisabeth Hübler, die seit vielen Jahren Teil der Organisation ist, wird die Leitung übernehmen. Wir hatten nun ein ganzes Jahr Zeit, sie einzuarbeiten. Das war mir wichtig«, betont Bachmann.
Von einem klassischen Ruhestand möchte er dennoch nicht sprechen. Wandern, Radfahren und Laufen stehen künftig ebenso auf dem Programm wie mehr Zeit mit der Familie. Besonders freut er sich darauf, seiner Frau etwas zurückzugeben. »Ich werde anfangen, kochen zu lernen und für meine Frau kochen. Ob ich ein guter Koch werde, wird sich weisen«, sagt er mit einem Lächeln.
Langweilig werde ihm sicher nicht, sagt er mit einem Lächeln. Auch Haus, Garten und möglicherweise weiteres ehrenamtliches Engagement werden Platz in seinem Alltag finden. Bereits in der Vergangenheit setzte er sich für den Tierschutz ein und war von 2017 bis 2020 als Obmann-Stellvertreter und Kassier maßgeblich am Neubau des Tierheims beteiligt. Viele Jahre gehörte auch das Theater zu seinem Leben. Von ersten Auftritten als Bub über die Markusbühne bis zu den Eberndorfer Sommerspielen und dem Wolfsberger Fasching stand er immer wieder auf der Bühne.

Von Michael Swersina
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