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Wolfsberg, Wien. Der Lavanttaler Nationalrat Johann Weber (ÖVP) wollte in der jüngsten Nationalratssitzung am 21. Mai eigentlich über Entlastungen sprechen. Doch ein einziger Versprecher machte ihn über Nacht zum unfreiwilligen Hauptdarsteller einer politischen Posse und zum Stoff für Kabarett, Social Media und politische Seitenhiebe.
Ausgangspunkt war die Debatte zur Umsatzsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel, die ab 1. Juli von zehn auf 4,9 Prozent fällt. Milch, Butter, Eier, Gemüse, Obst, Reis, Mehl, Nudeln, Brot – all das soll künftig weniger stark im Preis steigen. Rund 100 Euro im Jahr, so die Berechnung des Finanzministeriums, bleiben einem durchschnittlichen Haushalt dadurch mehr im Börsel.
Weber stolperte dabei über eine Formulierung, die viral ging. Er sagte am Rednerpult: »Ein durchschnittlicher Haushalt spart künftig rund 100 Euro täglich. Das klingt zwar nicht nach sehr viel, aber es ist ein Betrag, der wirksam wird.« Ein Versprecher – aber einer, der saß. Wenig später griff die ORF-Late‑Night‑Show »Willkommen Österreich« den Patzer auf. Moderator Christoph Grissemann kommentierte: »Die Arroganz der Politiker ist unerträglich«, während Dirk Stermann trocken nachrechnete: »36.500 Euro im Jahr gespart.«
Der Clip verbreitete sich schnell. Der frühere Wolfsberger FPÖ‑Landtagsabgeordnete Harald Trettenbrein postete das Video auf seinem Facebook-Profil mit dem Kommentar: »Ohne Worte«.
Weber versuchte die Wogen zu glätten. Er erklärte: »100 Euro jährlich hätte es heißen sollen. Sorry! Aber wer sich noch nie versprochen hat, der darf den sogenannten 1. Stein werfen.« Doch die Facebook-User blieben gnadenlos und zeigten wenig Verständnig. Ein User schrieb: »Hansi, man sollte meinen, dass du das Ohr an der Bevölkerung hast! Aber seit Corona weiß ich, dass du gern am Futtertrog sitzt.« Ein anderer rechnete nüchtern vor: »8,33 Euro im Monat – Brot kostet 5,60, Butter 3 Euro. Wahnsinn, was für eine Gnade.«
Weber selbst zeigte sich bemüht, den Patzer einzuordnen. Versprecher passierten jedem, betonte er – und tatsächlich wäre der Satz einst wohl folgenlos geblieben. Doch in Zeiten hoher Preise, politischer Gereiztheit und sozialer Medien genügt ein Moment der Unachtsamkeit, um eine Welle loszutreten, die weit über das Rednerpult hinaus rollt.
Weber nimmt es locker: »Wer über sich selbst lachen kann, nimmt das Leben oft etwas leichter. Ja, das war ein blöder Versprecher. Aber wer hat sich noch nie versprochen?« Er habe auch viele Zuschriften erhalten, die ihm augenzwinkernd gratuliert hätten: »Super, jetzt hast du es in die Staire-Talkshow geschafft.« Dass politische Mitbewerber aus dem Versprecher absurde Unterstellungen ableiten, nehme Weber gelassen zur Kenntnis.

Von Michael Swersina
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