Artikel
Wolfsberg. Wie begeistert man Jugendliche für eine Lehre – und noch dazu für Berufe, die in einer klimabewussten Zukunft eine Schlüsselrolle spielen? Die Klima- und Energiemodellregion (KEM) Lavanttal wagte gemeinsam mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Wolfsberg und dem Regionalmanagement Lavanttal einen neuen Zugang. Unter dem Titel »Green Jobs on Tour« verwandelte sich das KUSS Wolfsberg in der Vorwoche in eine lebendige Werkstatt voller Ideen, Werkzeuge und neugieriger junger Menschen.
Die Grundidee stammt aus der Steiermark: Das dortige Leader-Projekt »Kreative Lehrlingswelten« begeistert seit einem Jahrzehnt Jugendliche für handwerkliche und technische Berufe. KEM-Manager Stephan Stückler holte dieses Erfolgsmodell ins Lavanttal – mit einem klaren Fokus auf nachhaltige Berufsfelder. »Wir wollen Berufe erlebbar machen. Die Jugendlichen sollen ausprobieren, angreifen, mitmachen – und mit Betrieben in Kontakt kommen«, erklärte Stückler.
14 Lavanttaler Betriebe folgten der Einladung und präsentierten sich mit sogenannten Werkboxen – mobilen Mini-Werkstätten, die typische Tätigkeiten eines Lehrberufs greifbar machen. Rund 200 Schüler aus fünf Schulen nutzten die Gelegenheit, sich durch die Vielfalt der regionalen Berufswelt zu arbeiten. Ob Metall, Holz, Elektrotechnik, Kulinarik oder Umwelttechnik: Jede Werkbox bot ein kleines, aber echtes Stück Arbeitsalltag. »Ziel ist es, jungen Menschen Lust auf eine Lehre zu machen und ihnen praxisnahe Einblicke zu ermöglichen«, betonte Stückler. Überall im KUSS wurde geschraubt, gehämmert, verkabelt, gekocht, gekämmt und gelacht. Kleine Werkstücke entstanden, große Aha-Momente ebenso.
Beliebt bei den Schülern war Haubenkoch Ralph Kollnitzer vom Restaurant »Roots«, der seine Werkbox mit Leidenschaft betreute. »Ich möchte zeigen, was im Kochberuf möglich ist«, sagte er. Die Jugendlichen durften nicht nur zusehen, sondern selbst Hand anlegen – und staunten, wie kreativ und vielseitig der Alltag in einer Profiküche sein kann.
Lehrkräfte loben das Format
Auch die Pädagogen zeigten sich beeindruckt. Maria Dorner von der Mittelschule Bad St. Leonhard sprach von einer »tollen Geschichte«, die das Interesse der Kinder spürbar geweckt habe: »Sie konnten Berufe live erleben und selbst ausprobieren – das ist unbezahlbar.« Ähnlich äußerte sich Alexander Selecov von der MINT-Mittelschule St. Paul: »Die Veranstaltung war hervorragend organisiert. Die Jugendlichen bekamen Einblicke in viele unterschiedliche Berufe und konnten dabei auch praktische Erfahrungen sammeln. Sie haben heute Aspekte kennengelernt, an die sie vorher nie gedacht hätten.«
»Green Jobs on Tour« setzt bewusst auf ein Format, das über klassische Berufsorientierung hinausgeht. Statt trockener Informationsblätter oder kurzer Gespräche steht das aktive Tun im Mittelpunkt. Die Jugendlichen sollen nicht nur hören, was einen Beruf ausmacht – sie sollen es spüren. Gerade im Bereich der Green Jobs, also Berufe mit Zukunftsrelevanz für Klima, Energie und Nachhaltigkeit, ist dieser Zugang entscheidend. Denn viele dieser Tätigkeiten sind komplex, innovativ und oft schwer vorstellbar, solange man sie nicht selbst ausprobiert hat. Das Lavanttal will seine Jugendlichen nicht nur informieren, sondern inspirieren. Die Kombination aus regionalen Betrieben, praxisnahen Werkboxen und einem klaren Fokus auf Zukunftsberufe zeigt, wie moderne Berufsorientierung aussehen kann.
Und die Resonanz spricht für sich: Begeisterte Schüler, motivierte Betriebe und Lehrkräfte, die sich mehr solcher Formate wünschen. Für die Veranstalter ist klar: »Green Jobs on Tour« soll keine einmalige Aktion bleiben.

Von Michael Swersina
Wolfsberger Abwehrkämpfer hielten ihre Jahreshauptversammlung ab
Stadtbücherei: Vorlesemomente und zweitägige Systemumstellung
»Fluch oder Segen«: KI-Vortrag von Software-Experten aus den USA
0 Kommentare Kommentieren
Keine Kommentare gefunden!