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Alter Streit um »blaues« Büro soll ein Ende haben: Neuer Wolfsberger Stadtrat will um Räume bitten Ausgabe 29 | Dienstag, 15. Juli 2025

Die abgewählte Stadträtin Theuermann hatte sich geweigert, das ihr zugewiesene Büro in der Alten Post zu beziehen. Ihr Nachfolger Schüssler hält nicht daran fest. Ob er den Kolomonimarkt ebenfalls zum Weltkulturerbe erheben lassen will, lässt er dagegen offen.

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Wolfsberg. »Dieser Schritt wurde von der FPÖ-Fraktion als notwendig erachtet, um einen Neustart für konstruktive Arbeit im Sinne der Wolfsberger Bevölkerung einzuleiten«, hieß es in der Presseaussendung, die der neue Stadtrat Michael Schüssler (57) namens der Wolfsberger Freiheitlichen nach dem Sturz seiner Vorgängerin Isabella Theuermann öffentlich machte. Mit ihm soll ein neuer Stil in die Politik einziehen – »eine konstruktive Oppositionsrolle«, wie es Schüssler ausdrückte.

Denn Theuermann machte es der absolut regierenden SPÖ nicht leicht, auch abseits politischer Fragen. So weigerte sich die Stadträtin nach ihrer Wahl zu Beginn des Jahres 2021, das Büro ihres Vorgängers Johannes Loibnegger in der Alten Post am Hohen Platz 16 zu beziehen (wir berichteten).

»Ich werde Vizebürgermeister Radl um die Zuweisung eines Büros bitten« 
Michael Schüssler, Stadtrat

In einem E-Mail an den mittlerweile verstorbenen Bürgermeister Hannes Primus (SPÖ) teilte sie damals mit, »dass das Büro, das Sie für mich vorgesehen haben, völlig ungeeignet ist, um meine Tätigkeit als Stadträtin ordnungsgemäß auszuüben«. Es sei nicht barrierefrei, Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder mit Kinderwagen könnten sie ohne fremde Hilfe nicht erreichen. Sie ersuchte Primus, »mir ein Büro zur Verfügung zu stellen, welches den Büros der anderen Stadträte ebenbürtig ist und das Amt entsprechend würdigt.« Der Bürgermeister antwortete, er könne keine Alternative anbieten – Theuermann blieb bis zuletzt ohne offizielles Büro.

Wie wird Schüssler in dieser Frage vorgehen? In der eingangs erwähnten Aussendung schrieb er: »Es ist mir ein großes Anliegen, wöchentliche Sprechstunden mit der Bevölkerung abzuhalten, um für die Menschen in Wolfsberg greifbar zu sein. Ich möchte Gespräche führen, mich den Problemen der Bevölkerung annehmen und, wo immer möglich, Lösungen finden.« Ein Büro könnte dabei nützlich sein. Wird er sich darum bemühen?

Derzeit noch ohne
Schüssler auf Anfrage der Unterkärntner Nachrichten: »Ich werde den amtsführenden Vizebürgermeister Alexander Radl um die Zuweisung eines Büros bitten«, derzeit stehen ihm noch keine eigenen Räume zur Verfügung. Ob die für Theuermann vorgesehenen Amtszimmer in der Alten Post, die zwischenzeitlich anderweitig genutzt wurden, wieder frei sind, ist offen.

Keine Antwort weiß Schüssler auf die Frage, ob er ein Projekt Theuermanns weiter vorantreiben wird: Den Versuch, den Wolfsberger Kolomonimarkt zum Teil des immateriellen UNESCO-Kulturerbes erklären zu lassen, mit dem die frühere Stadträtin im Vorjahr an die Öffentlichkeit ging (wir berichteten). »Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht«, sagt Schüssler, »nach der Sommerpause wird sich alles weisen.« Er werde Gespräche mit Radl führen.

Wie berichtet hatten die FPÖ-Mandatare Schüssler und Dominik Schrammel im Gemeinderat am 26. Juni Theuermann abgewählt. Das Vorgehen war laut der Betroffenen nicht korrekt und verstieß gegen die Kärntner Allgemeine Gemeindeordnung (K-AGO), weshalb sie sich an die Gemeindeaufsichtsbehörde wandte. Sollte sie Recht bekommen, wird erwartet, dass der Vorgang wiederholt wird – entsprechend den Vorgaben. 

Auf der Homepage der Stadt – wolfsberg.at – ist der Wechsel bereits vollzogen: Schüssler wird als Stadtrat geführt, Theuermann ist unter den Gemeinderäten gelistet. 

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