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Landesschulsprecher Polesnig (17): »Wir wollen die Digitalisierung vorantreiben«Ausgabe 28 | Mittwoch, 9. Juli 2025

Der neue Landesschulsprecher Nicolas Polesnig aus Wolfsberg erzählt, wie er zur Funktion kam, welche Schwerpunkte er im kommenden Schuljahr setzen möchte, politische Ambitionen und eine Musikkarriere.

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Gratulation zur Wahl zum Landesschulsprechers für Allgemeinbildende Höhere  Schulen (AHS). Was hat Sie dazu bewogen, für das Amt des Landesschulsprechers zu kandidieren?  
Ich habe im Schuljahr 2024/2025 als Schulsprecher am Stiftsgym-nasium St. Paul kandidiert und wurde Stellvertreter. Dann kamen Mitglieder der Landesschulvertretung im abgelaufenen Schuljahr an unsere Schule, was ich sehr spannend fand. Ich dachte mir, als Landesschulsprecher könnte ich aktiv Schule mitgestalten, neue Erfahrungen sammeln und interessante Leute kennenlernen. Im Laufe des Schuljahrs gab es Seminare zu Bereichen wie Leadership, Teambuilding, Motivation und weiteren Themen. Das war für mich interessant und lehrreich. Ich wurde von Vertretern der Schülerunion (Anm.: ÖVP-nahe Schülerorganisation) gefragt, ob ich für die Landesschülervertretung kandidieren möchte, woraufhin ich sofort zugesagt habe. Dass ich schließlich zum Landesschulsprecher für AHS gewählt wurde, macht mich natürlich sehr stolz.

Wie viele Schüler vertreten Sie in Kärnten?
Es sind fast 13.000 Schüler an insgesamt 21 Schulen. 

Was sind die Aufgaben eines Landesschulsprechers?
Ich bin das Sprachrohr zwischen den Schülern und der Politik und vertrete die Interessen aller Schüler der AHS-Schulen auf Landesebene gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

Außerdem bin ich als Landesschulsprecher Teil der Bundesschülervertretung und kann somit Anliegen der Kärntner Schüler auf Bundesebene einbringen.

Welche Schwerpunkte möchten Sie im kommenden Schuljahr setzen?
Die Schülervertretung und ich möchten uns auf Digitalisierung fokussieren. Die Künstliche Intelligenz (KI) ist längst Teil unseres Alltags und wird künftig auch unsere Arbeitswelt entscheidend prägen. Deshalb wollen wir nicht nur pro Schule einen jährlichen KI-Workshop für die Schüler etablieren, sondern auch Lehrer fortbilden, damit sie die Künstliche Intelligenz auch sinnvoll in den Unterricht einbinden. Weitere Schwerpunkte sind die Vermittlung von Medienkompetenz, die Stärkung der mentalen Gesundheit, die Vermittlung von aktuellem Wissen außerhalb des Lehrplans und ein attraktives Schulumfeld, damit jeder gerne in die Schule geht. 

Mental Health gewinnt – gerade nach dem Amoklauf an einer Grazer  Schule – immer mehr an Bedeutung. Haben Sie in diese Richtung bereits irgendwelche Pläne?
Wir möchten schon in der Unterstufe einen psychischen Erste-Hilfe-Kurs anbieten, in dem Schüler lernen, bei kranken oder belasteten Mitschülern richtig zu reagieren. Außerdem sollen Lehrkräfte spezielle Fortbildungen erhalten, um psychische Probleme früh zu erkennen und professionell zu begleiten.  

Man hört immer wieder Kritik am österreichischen Bildungssystem. Wie sehen Sie unser Bildungssystem?
Ich finde, dass es etwas Tolles ist, das wir auch wertschätzen können. Aber natürlich kann man alles ausbauen und verbessern, und auch das ist unser Ziel, aus dem Bildungssystem das Beste herauszuholen.  

Was könnte man verbessern?
Man muss sicher die Digitalisierung noch viel stärker vorantreiben, damit die Schüler darauf vorbereitet sind und auch den richtigen Umgang mit KI lernen. Außerdem sollen die Jugendlichen auch im Umgang mit Fake-News und psychischer Gesundheit besser geschulter werden.

Im Schuljahr 2025/26 gehen Sie in die achte Klasse und müssen die Matura absolvieren. Als Landesschulsprecher werden Sie auch oft von der Schule abwesend sein und üben eine arbeitsintensive Tätigkeit aus. Wie werden Sie das alles unter einen Hut bringen?
Ich habe ein sehr gutes Zeitmanagement und kann mir meine Aufgaben gut einteilen. Oberste Priorität wird für mich die Landesschülervertretung haben, weil für mich die Anliegen der Schüler an erster Stelle stehen. Wenn man sich für die Landesschülervertretung engagiert, darf man natürlich etwas öfter in der Schule fehlen. Bereits jetzt im Wahlkampf für die Landesschulvertretung zeigten die Schulleitung und die Lehrkräfte viel Verständnis. Ich wurde von ihnen sehr gut unterstützt, und das wird hoffentlich im nächsten Schuljahr auch so sein.

Aber ich werde natürlich auch die Matura nicht vernachlässigen, schließlich möchte ich ein gutes Maturazeugnis bekommen. 

Wie haben Ihre Familie, Lehrkräfte und Mitschüler auf die Wahl zum Landesschulsprecher reagiert?
Familie, Freunde und Lehrpersonen haben mich von Anfang unterstützt und motiviert. Dementsprechend gefreut haben sie sich natürlich über meine Wahl. 

Viele haben eine Funktion in der Landes- bzw. Bundesschülervertretung schon als Sprungbrett in die Politik genutzt. Haben Sie politische Ambitionen?  
Ich will mich zunächst einmal voll auf die Arbeit in der Landesschülervertretung konzentrieren und während des Schuljahrs 2025/2026 gute Arbeit leisten. Was danach kommt, ist derzeit eigentlich noch offen. Für mich ist ja auch die Musik ein Teil meines Lebens, den ich ich durch meine Tätigkeit als Landesschulsprecher zurückstecken muss. Ob ich danach den Weg zum Profimusiker einschlagen werde, kann ich noch nicht sagen. Es ist aber sicher auch eine Option.

Sie überlegen sich Profimusiker zu werden. Wie steht es aktuell um die Musikerkarriere?  
Ich studiere neben der Schule über ein Begabtenförderprogramm, das Exzellenzcluster Musik (ECM), seit 2023 an der Gustav Mahler Privatuniversität Schlagzeug für Pop und Rock. Nach der Matura am Stiftsgymnasium würde ich gerne nach Deutschland gehen, um dort ein Studium im Musikbereich zu absolvieren.

Aber wie gesagt, das ist noch alles offen.  

Spielen Sie aktuell in einer Band?
Gemeinsam mit meiner Mutter Claudia und Schwester Elena sind wir »Claudia Fuchs Family«. Daneben spiele ich bei der Musikschulband »Red Baron«, einer Jazzband, und bis vor kurzem war ich auch bei der Stadtkapelle Wolfsberg. Ich konnte zwei Mal beim Landeswettbewerb von »Prima la Musica« den ersten Platz belegen und einmal beim Bundeswettbewerb. 

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