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Uta Kolussi: »Die KI kann die menschliche Komponente in der Pflege nicht ersetzen«Ausgabe 3 | Mittwoch, 14. Januar 2026

Uta Kolussi (49), die neue Pflegedirektorin am LKH Wolfsberg, spricht über ihrem Weg in die Führung, die Kunst der Empathie, moderne Technologien, warum die Künstliche Intelligenz Pfleger nicht ersetzen kann.

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Wann wussten Sie, dass die Pflege Ihr beruflicher Weg sein wird?
Schon während meiner Schulzeit war mir klar, dass ich im sozialen Bereich arbeiten möchte. Nach der Matura 1994 in St. Paul habe ich gezielt nach einem Beruf gesucht, der vielseitig ist und bei dem man Menschen in schwierigen Situationen begleiten kann. Die Pflege hat all das vereint: unterschiedliche Einsatzbereiche – von der Kinder- bis zur Intensivstation –, die Möglichkeit, in die Lehre oder Führung zu gehen, und vor allem die Arbeit mit Menschen. Ich habe schnell gemerkt, wie erfüllend es ist, Patienten in einer akuten Krankheitsphase zu unterstützen, ihnen Ängste zu nehmen und ihnen Sicherheit zu geben.

Welche Stationen haben Sie im Laufe Ihrer Karriere durchlaufen?  
Ich habe die Krankenpflegeschule in Klagenfurt absolviert und im Jahr 2000 diplomiert. Danach war ich auf der neurologischen Intensivstation in Klagenfurt tätig – mit Patienten nach Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Traumata. Später bin ich ins Lavanttal zurückgekehrt und habe sowohl auf der Intensivstation als auch im chirurgischen Bereich gearbeitet. Weil ich gestalten und weiterentwickeln wollte, habe ich berufsbegleitend den Master in Public Management gemacht. 2004 bekam ich die Chance, in die Führung zu wechseln und in der Pflegedirektion am LKH Wolfsberg das Qualitätsmanagement aufzubauen. Das hat mich begeistert: Gemeinsam mit Teams Innovationen voranzutreiben und spürbare Verbesserungen für die Patienten zu erreichen. Heute kann ich als Pflegedirektorin genau dort anknüpfen – immer in enger Zusammenarbeit mit der kaufmännischen und der medizinischen Direktion.

Gab es in den vergangenen Jahren besondere Projekte oder Initiativen am LKH Wolfsberg?  
Viele. Wir haben früh eine Patientenbefragung eingeführt und die elektronische Pflegedokumentation aufgebaut. In den vergangenen Jahren hat sich das Haus enorm weiterentwickelt, um fachlich und technisch up to date zu bleiben. Besonders wichtig ist mir die Ausbildung unserer künftigen Mitarbeiter. Wir sind sehr offen für Praktikanten aus unterschiedlichen Bereichen und haben ein starkes Team an Praxisanleitern, die den Theorie-Praxis-Transfer begleiten. Wer bei uns gute Erfahrungen macht, bleibt oft im Tal – das ist entscheidend für die regionale Versorgung. 

Welche Fähigkeiten braucht man heute unbedingt in der Pflege?  
Empathie ist das Fundament. Man muss erkennen, wann jemand Unterstützung braucht und gleichzeitig wissen, wie man Menschen wieder in Richtung Selbstständigkeit begleitet. Dazu kommen kommunikative Fähigkeiten, weil Beratung ein großer Teil unserer Arbeit ist.  

Natürlich braucht es auch eine fundierte Ausbildung: Für die diplomierte Krankenpflege beispielsweise eine Matura, drei Jahre Fachhochschule und einen akademischen Abschluss. Pflege ist heute ein hochprofessioneller Beruf auf Augenhöhe mit der Medizin. Wir legen Venenwege, nehmen Blut ab, setzen Magensonden – das sind Tätigkeiten, die früher Ärzten vorbehalten waren. Und wir sind 24/7 am Patientenbett, erkennen Veränderungen oft als Erste.

Und welche Eigenschaften braucht es, um in der Pflege eine Führungsrolle zu übernehmen?  
Kommunikation ist sehr wichtig. Man muss zwischen politischen Vorgaben, Qualitäts- und Risikomanagement und den Bedürfnissen der Mitarbeiter vermitteln. Wertschätzung, ein offenes Ohr und ein strategischer Blick gehören dazu. Führung heißt auch, Ideen zu entwickeln, Konflikte zu lösen und Teams zu verbinden. Unsere Führungskräfte haben zusätzliche Ausbildungen an Universitäten oder Fachhochschulen – Herz und Hirn gehören gleichermaßen dazu.

Was würden Sie jungen Menschen sagen, die überlegen, in die Pflege zu gehen?  
Es ist einer der schönsten Berufe, weil man Menschen in schwierigen Lebensphasen unterstützen kann. Man arbeitet im Team, lernt unglaublich viel und bekommt viel Dankbarkeit zurück. Natürlich gibt es Nacht- und Wochenenddienste, aber man hat dafür auch freie Tage unter der Woche. Und: Pflege ist ein Beruf mit Zukunft.

Wie gut ist das LKH Wolfsberg personell aufgestellt?
Wir sind personell stabil, und das ist in Zeiten wie diesen keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig arbeiten wir sehr aktiv daran, Nachwuchs zu gewinnen. Unser Ziel ist es, junge Menschen früh für die Pflege zu begeistern und ihnen zu zeigen, dass dieser Beruf nicht nur Zukunft hat, sondern auch Sinn stiftet. Wer einmal erlebt hat, wie viel man im Team bewegen kann, bleibt oft dabei.

»Besonders wichtig ist mir die Ausbildung unserer künftigen Mitarbeiter«
Uta Kolussi, Pflegedirektorin LKH Wolfsberg

Wie hat sich die Pflege verändert – und wie wird sie künftig aussehen?  
Die technische Unterstützung wird weiter zunehmen. Schon jetzt arbeiten wir mit Sturzsensoren und digitalen Dokumentationssystemen. Künstliche Intelligenz wird uns in der Überwachung und Dokumentation unterstützen. Aber eines ist klar: Die menschliche Komponente kann keine Maschine, keine KI ersetzen. Empathie, Nähe, das Erkennen von Bedürfnissen – das bleibt Kern der Pflege.

Welche Projekte am LKH Wolfsberg liegen Ihnen aktuell besonders am Herzen?  
Mitarbeiterbindung und die Weiterentwicklung der interdisziplinären Zusammenarbeit. Das LKH Wolfsberg ist hervorragend geführt, und wir wollen diese Qualität sichern – gerade angesichts der demografischen Entwicklung und des steigenden Pflegebedarfs. Innovationen wie Sturzüberwachung oder technische Assistenzsysteme wollen wir weiter ins Haus holen. Außerdem arbeiten wir eng mit Schulen, Fachhochschulen, Pflegeheimen und mobilen Diensten zusammen, um gemeinsam die Versorgung im Lavanttal zu stärken.

Wie wichtig ist Ihnen der persönliche Austausch mit Ihrem Team?  
Sehr wichtig. Rund 520 Mitarbeiter aus etwa 20 Berufsgruppen arbeiten im Haus – von Physiotherapie über biomedizinische Analytik bis zur Sozialarbeit. Da braucht es Nähe, Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen.

Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft und der Politik, um die Pflege langfristig zu stärken?
Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir als Gesellschaft mehr Verantwortung für unsere eigene Gesundheit übernehmen. Prävention ist ein riesiges Thema: Bewegung, gesunde Ernährung, Aufklärung – all das kann viel Leid verhindern. Wir bieten zum Beispiel Diabetes‑Beratungen oder Gesundheitsgespräche an, aber am Ende braucht es die Bereitschaft jedes Einzelnen, aktiv etwas für sich zu tun.

Von der Politik erwarte ich eine starke Ausbildungslandschaft und eine klare öffentliche Wertschätzung für Pflege- und Gesundheitsberufe. Wir brauchen gute Rahmenbedingungen, Standortsicherung und vor allem eine langfristige Finanzierung, damit qualitativ hochwertige Pflege möglich bleibt. 

Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre – beruflich und privat?
Beruflich möchte ich gemeinsam mit meinem Führungsteam das Haus gut in die Zukunft führen und die hohe pflegerische Qualität sichern. Wir wollen ein verlässlicher Arbeitgeber und ein starker Gesundheitsdienstleister für die Region bleiben.  

Privat wünsche ich mir Gesundheit und die Möglichkeit, weiterhin Kraft in den Bergen zu tanken – beim Skitourengehen, Klettern oder Bergsteigen. Meine Töchter sind 16 und 20 und schon sehr selbstständig, das macht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie leichter. Und ich bin dankbar für die Unterstützung in meinem Umfeld.

// Zur Person

Uta Kolussi, 49, ist in Wolfsberg aufgewachsen. Nach der Matura am Stiftsgymnasium in St. Paul absolvierte sie die Krankenpflegeschule in Klagenfurt. Seit dem Jahr 2000 ist sie in der KABEG tätig ist. 2001 wechselte sie vom Klinikum Klagenfurt in das LKH Wolfsberg, wo sie bereits 2004 eine Führungsverantwortung in der Pflegedirektion übernommen hat, 2023 wurde Kolussi schließlich zur stellvertretenden Pflegedirektorin ernannt.
Kolussi ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.

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