Thomas Forstner: »Vielleicht war es ja auch gut, dass ich einmal auf die Schnauze gefallen bin« Ausgabe 11 | Mittwoch, 11. März 2020

Der zweifache Song Contest-Teilnehmer Thomas Forstner (50) lebt seit vier Jahren im Lavanttal. Mit den Unterkärntner Nachrichten sprach er über Dieter Bohlen, seine Auftritte beim Song Contest, wie er nach Frantschach kam und was er für die Zukunft geplant hat.

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Wollten Sie schon als Kind Sänger werden?
Mein Vater ist Kammersänger, daher war mir das wohl in die Wiege gelegt. Mit drei Jahren stand ich erstmals bei einem Volksfest in Gmunden auf der Bühne und habe »Pipihendl«, das ist ein oberösterreichisches Volkslied, gesunden. Von da an habe ich ständig mit meinen Eltern gesungen. Von meinem neunten Lebensjahr bis ich zwölf Jahre alt war, habe ich bei den Wiener Sängerknaben gesungen. Mit 13 Jahren habe ich angefangen, Gitarre zu spielen. Mit 16 habe ich während meiner Lehre in Wien in der Kärntner Straße gespielt und mir ein bisschen was dazuverdient.

Wann wurde klar, dass Sie mit Musik Ihr Geld verdienen werden?
Mit 17 nahm ich an einem Newcomer-Wettbewerb teil und konnte diesen gewinnen. Der Preis war eine produzierte Single und ein Plattenvertrag. Später konnte ich auch noch bei der TV-Sendung mit Peter Raab »Die große Chance« gewinnen. Meine erste Platte unter dem Titel »Vera« kam 1988 heraus. 

Wie kamen Sie zum Song Contest?
Ich habe 1989 in einer Zeitung gelesen, dass der ORF mit einem Song von Dieter Bohlen beim Song Contest vertreten sein wird und dafür einen Sänger sucht. Ich wollte damals unbedingt Dieter Bohlen treffen und habe ihm ein Demo von mir geschickt. Daraufhin lud er mich zu einer Probeaufnahme ein und es hat gleich sehr gut gepasst. Also wurde ich mit dem Titel »Nur ein Lied« nach Lausanne geschickt.

Und das Antreten war auch gleich recht erfolgreich?
Ja, ich belegte den fünften Platz. Das war das beste Ergebnis seit Waterloo & Robinson im Jahr 1977.

Sie sind zwei Jahre später erneut angetreten, das ist doch eher unüblich. Wie kam es dazu?
Eigentlich hatte ich mir das nie vorgenommen. Aber ich ließ mich am Ende überreden. Es stand aber von Anfang an unter keinem guten Stern. Es gab kein Budget, kein Video zum Song, keine internationale Presse. Dementsprechend niedrig war auch der Bekanntheitsgrad und dann auch das schlechte Ergebnis mit dem Lied »Venedig im Regen«.

Der letzte Platz war sicher eine große Enttäuschung?
Ich war damals sehr erfolgsverwöhnt. Ich habe jahrelang an dieser Erfahrung geknabbert. Aber vielleicht war es ja auch gut, dass ich einmal auf die Schnauze fiel.

Sie arbeiteten viel mit Dieter Bohlen zusammen. Bei »Deutschland sucht den Superstar« ist er meist der »Bad guy« und kommt nicht immer sympathisch rüber. Wie ist er wirklich?
Zu meiner Zeit war er noch richtig tough. Verglichen mit damals ist er bei »Deutschland sucht den Superstar« ein Lämmchen. Er ist ein großartiger und fleißiger Musiker, über seine soziale Kompetenz kann man sicher diskutieren.

Warum haben Sie die Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen beendet?
Wir wollten musikalisch unterschiedliche Wege gehen. Zu dieser Zeit gab es auf Deutsch nur Schlager und Volksmusik. Ich wollte aber keine Schlager machen, sondern englische Popsongs. Ich meinte einmal zu Dieter: Machen wir eine Ballade mit einem coolen Rhythmus. Bohlen meinte, dass das nicht funktionieren würde. Ein halbes Jahr später wurde weltweit damit angefangen, wir wären Vorreiter gewesen, aber Dieter sagte leider nein.

Erkennen Sie die Leute heute noch auf der Straße?
Es hat mich immer verwundert, wie lange meine Song Contest-Teilnahme nachgewirkt hat. 20 Jahre lang hatte ich ein super Standing, dann wurde ich durch den Erfolg von Conchita Wurst abgelöst. Aber auch heute noch kennen mich die Menschen und das, obwohl ich nun komplett anders aussehe.  Die jüngere Generation kennt oft nur noch meinen Namen, aber die ältere Generation kennt auch noch ein Gesicht dazu.

Wie ging es mit Ihrer Musikkarriere weiter?
Ich wollte meine Plattenfirma davon überzeugen, konnte mich aber nicht durchsetzen. Also musste ich es selber machen. Ich gründete mit dem Musikproduzenten Erwin Kiennast ein eigenes Label. 1990 brachte ich die Single »Miles Away« heraus und schaffte es damit auch in die Charts. Aber ich wurde massiv von der Musikindustrie boykottiert. Also ging ich nach England.

Sie wollten dort als Musiker arbeiten?
Ich zog 1993 nach London, traf dort einen Manager und ging mit ihm einen Deal ein. Was ich erst später erfuhr, war, dass er pleite war und er mich nur nach Österreich verkaufen wollte. Darauf gingen die Österreicher aber nicht ein. Am Ende jedenfalls hatte ich viel Geld verloren und musste hart kämpfen, um aus dem Knebelvertrag mit ihm herauszukommen. Also kehrte ich nach Österreich zurück.

Dann haben Sie sich aus dem Musikgeschäft aber zurückgezogen. Wie ging es weiter?
Ich habe mir autodidaktisch Programmieren beigebracht und arbeite seitdem als Programmierer. Ich bin schon auch noch Musiker und stehe öfter auf der Bühne, aber nicht im Mittelpunkt. Ich mache immer wieder Überraschungsauftritte oder bin bei Projekten wie dem »Kiddy Contest« dabei.

Seit 2016 leben Sie im Lavanttal. Was hat Sie nach Frantschach verschlagen?
Ich habe zu dieser Zeit nach einem Grundstück in Alleinlage, mit eigenem Wasser, einer Wiese usw. gesucht. Ich hatte dann auch schon etwas in Alpl gefunden, das wurde mir aber vor der Nase weggeschnappt. Bei dieser Suche stieß ich auch auf mein jetziges Haus in Frantschach. Das hat mir im Internet aber nicht so wirklich zugesagt. Nachdem aus Alpl nichts geworden ist und ich mit meiner Frau in Kärnten auf Urlaub war, dachten wir uns, schauen wir uns halt das Haus in Frantschach auch  noch an. Und es war Liebe auf den ersten Blick. Es war total anders als die Anzeige im Internet. Die Fotos im Netz waren unattraktiv, aber real war es einfach wow. Und so sind wir nun seit vier Jahren im Lavanttal.

Wie hat das Leben auf dem Berg Ihr Leben verändert? 
In vielen Bereichen. Ich wollte nur ein wenig zurückgezogen wohnen und kürzer treten. Der Vorbesitzer hatte Schafe und die haben wir vor dem Schlachthof gerettet. Mittlerweile leben 22 Schafe, vier Hühner, ein Hund und eine Katze bei uns am Hof. Die Tiere sind für uns aber keine Nutztiere. Wir halten sie, bis sie sterben.

Sie sind Vegetarier, wann haben Sie sich für diesen Lebensstil entschieden?
Das ist nun 16 Jahre her. Meine Frau Bianca und ich haben uns damals aus ethischen Gründen entschieden, kein Fleisch mehr zu essen. Es ist ja ein Widerspruch zu sagen, ich bin tierlieb, und auf der anderen Seite isst man Fleisch. 

Welche Pläne für die Zukunft haben Sie? Kommt es zu einem Comeback?
Mit meinem Beruf und den Hof habe ich keine Zeit für ein Comeback. Mein Hauptaugenmerk gilt dem Hof. Bei der Musik habe ich ein paar Ideen. Ich war richtig überrascht, wie großartig die Musikschulszene im Lavanttal ist. Da gibt es großartige Musiker und der Nachwuchs wird super eingebunden. Die sollen noch mehr gefördert werden. Ich habe ausreichend Erfahrung und noch Kontakte, um dabei zu helfen. Im Moment laufen gerade Gespräche mit der Wolfsberger Kulturreferentin. Im Herbst plane ich einen großen Auftritt, bei dem ich ganz vorne stehe. Ansonsten ist bereits fix, dass ich mit der »Dr. Dolittle«-Band wieder beim Kulturfrühstück dabei sein werde.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich würde mir von der Politik mehr Schwerpunkte beim Tierschutz wünschen. Dass Menschen, die Probleme beim Halten von Tieren die entsprechende Unterstützung bekommen. Und ich würde mir auch mehr Zivilcourage wünschen, wenn die Leute sehen, dass etwas nicht stimmt, dass sie das auch melden.

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