»Eat My Dear« – zwei Lavanttaler mischen in der Film- und Werbebranche bei den Großen mit Ausgabe 22 | Mittwoch, 27. Mai 2020

Die Lavanttaler Markus Hornof (39) und Patrick Sturm (38 ), Gründer von »Eat My Dear«, im Gespräch mit den UN über ihre Agentur, wie es war, mit Roland Emmerich zusammenzuarbeiten, und die Auswirkungen der Coronakrise auf die Film- und Werbebranche.

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In Zeiten von Corona: Wie geht es Ihnen?
Patrick Sturm: Im Grunde gut – bisher gesund geblieben, und das Leben normalisiert sich langsam wieder. 
Markus Hornof: Es geht mir sehr gut. Meine Familie und alle mir nahestehenden Freunde sind gesund. Trotz der Krise, blicke ich positiv in die Zukunft und freue mich schon unglaublich auf meine Tochter, die im September das Licht der Welt erblicken wird. 

Wie wirkt sich die Coronakrise auf euch bzw. euer Geschäft aus?
Sturm: In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen haben wir im Home-Office gearbeitet und mussten jene Projekte verschieben, die Filmdrehs beinhaltet haben. Die Kommunikation mit Kunden und Zulieferern hat sich –wohl auch nachhaltig – auf Video-Chats verlegt. Nun sind wir wieder zurück im Studio und haben glücklicherweise auch genügend Auftragsarbeiten im rein digitalen Bereich. Aber auch Filmdrehs sind mit Mehraufwand (Distanz halten, PCR-Tests, usw.) grundsätzlich wieder möglich. Wie sich die Krise in nächster Zukunft auf uns auswirken wird, ist im Moment sehr schwer zu sagen – ich denke am Ende des nächsten Jahres wissen wir es genau. 
Hornof: Von zu Hause aus zu arbeiten, insbesondere für einen längeren Zeitraum über fast sieben Wochen, war ein Experiment, das wir sonst vermutlich nicht ausprobiert hätten. Es hat mir gezeigt, dass es durchaus tage- oder wochenweise möglich ist, jedoch gerade bei Teamprojekten den direkten Austausch und ein inspirierendes Umfeld braucht.

Welche Ausbildung haben Sie absolviert? 
Sturm: Wir haben beide in Graz an der FH Joanneum Informationsdesign studiert, nachdem wir in Wolfsberg die HTL für Wirtschaftsingenieurwesen abgeschossen hatten. 

Wann haben Sie Ihr Unternehmen »Eat My Dear« gegründet und wie ist es dazu gekommen?
Sturm: Im Herbst 2005. Im Winter zuvor waren wir beide in den Niederlanden, um unsere Pflichtpraktika zu absolvieren, Markus in Delft, ich in Amsterdam. Dort stellten wir uns die Frage, was wir nach dem Abschluss des Studiums wohl tun würden. Ich denke, für uns beide gab es die Option, wieder ins Ausland zu gehen, wir haben uns dann aber für die Gründung von Eat My Dear entschieden. Wir wollten es versucht haben. 
Hornof: Als wir uns dazu entschlossen hatten, ein Unternehmen zu gründen, fiel die Wahl des Standorts schließlich auf Wien. Zum einen hatten wir zuvor schon vier Jahre in Graz verbracht und waren einfach neugierig auf die Bundeshauptstadt. Und zum anderen erschienen die Möglichkeiten in punkto Netzwerke, Agenturen, Firmen-Headquarters, speziell in unserem Bereich, vielversprechender. 

Wie seit Ihr auf den Namen »Eat My Dear« gekommen und was bedeutet er? 
Hornof: Unser Kunstprofessor Jörg Schlick borgte uns ein Buch von Martin Kippenberger: »241 Bildtitel zum Ausleihen«. Einer der Titel in diesem Buch ging uns nicht aus dem Kopf, und so haben wir ihn abgewandelt und für unser Unternehmen verwendet.  

Was bietet „Eat My Dear“ an?
Sturm: Motion Design, 3D-Animation und Filmproduktion sind unsere Kernleistungen. Der Großteil unserer Projekte erfolgt in eigener Regie und wir liefern ein Gesamtpaket ab, zumeist Filme für Markenkommunikation, Werbung oder die Unterhaltungsbranche. Seit geraumer Zeit beschäftigen wir uns auch zunehmend mit Augmented Reality und Virtual Reality. Das sind für uns sehr spannende Felder zwischen Storytelling, Design und Technologie.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie? 
Hornof: Gestartet haben wir zu zweit, dann kamen erste Praktikanten, dann Freelancer und später die ersten fixen Mitarbeiter. Über die Jahre hatten wir zwischen drei bis sechs Mitarbeiter, wobei wir zuletzt wieder mehr auf Kooperationen setzen. Kompakt, aber feiner und sicher auch selektiver. 

Unter Euren Kunden befinden sich zahlreiche große Namen, wie zum Beispiel Austrian Airlines, BMW, MTV, ORF, Universal Music, Time Warner Cable uvm. Wie seid Ihr an die Kunden gekommen? 
Sturm: Sehr unterschiedlich. Zumeist hat jemand an uns geglaubt, und so führt das eine zum anderen. Aktive Akquise haben wir aber eigentlich nie betrieben. 
Hornof: In unserem Arbeitsfeld geschieht auch sehr viel über Empfehlungen von Kunden, die zufrieden waren, oder auch durch unser Netzwerk zu Agenturen und Produktionsfirmen. 

Mit dem Kurzfilm »UI – Soon we will all be One« haben Sie für internationales Aufsehen gesorgt. Die Weltpremiere war beim renommierten Tribeca Filmfestival in New York, außerdem gewannen Sie in der Kategorie »Best Vfx« beim HollyShorts in Hollywood, Los Angeles. Was bedeutet dieser Preis für Sie? War das ein Durchbruch auf internationaler Ebene?
Sturm: Zunächst war es für uns ein großer Erfolg, bei solchen Festivals ausgewählt worden zu sein – das war eine große Teamleistung, sowohl innerhalb unseres Unternehmens, aber auch mit unseren Partnern. Die Zeit in New York mit der Premiere und all den Bekanntschaften werde ich wohl nicht mehr vergessen. Die Preise sind schön, sie helfen kurzfristig. Aber danach kommt es darauf an, wieder hart zu arbeiten und die Qualität der eigenen Arbeit zu steigern. Erfolg ist dann das Resultat daraus. 

Haben Sie mit Ihrem Unternehmen noch weitere Preise gewonnen? Wenn ja, welche? 
Sturm: Filmforum Austria »Beste Animation«, »Best Director« sowie »Best Cinematography« beim Sunscreen Festival und der Publikumspreis beim K3-Festival waren die letzten Preise. 

»Eat My Dear« ist Zulieferer für die Werbewirtschaft und Filmproduktionen. Sie arbeiteten z. B. mit Roland Emmerich an »White House Down« und »Independence Day: Resurgence«. Wie war die Zusammenarbeit?
Sturm: Wir sind ursprünglich mit ein paar Entwürfen gestartet, daraus wurden schließlich handfeste Aufträge. Die Zusammenarbeit war gut, aber auch nicht ganz stressfrei durch den Zeitunterschied: tagsüber die Projekte hierzulande und am Abend im Einsatz für die Filme.

An welchen anderen Filmprojekten waren Sie beteiligt?
Hornof: Wir haben unter anderem auch die Opener/Intro Animation des dreiteiligen Historienfilms: »Maximilian – Das Spiel von Macht und Liebe« gestaltet. 

Welche Highlights haben Sie mit Ihrem Unternehmen erlebt?
Sturm: Wir haben bereits sehr früh die Möglichkeit erhalten, für große Kunden auch international zu arbeiten – die Listung als Regie-Duo bei der niederländischen Produktionsfirma »The Panics« spielte dabei eine wesentliche Rolle. Schön waren natürlich auch die Premieren in Amerika, zuletzt eben auch mit dem eigenen Film oder auch unsere Auftritte bei Designfestivals wie z. B. »OFFF«. In 15 Jahren haben sich viele schöne Momente ergeben, wir hoffen auf viele weitere. 

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Sturm: Ganz auf dem Boden der Realität steht ein Umzug an – innerhalb von Wien. Von Neubau in die Josefstadt. Was die weiteren Schritte im Berufsleben betrifft, so wollen wir uns darauf fokussieren, warum wir das Unternehmen gegründet haben: Arbeit von internationaler Klasse abzuliefern und dabei viel zu lernen. Konzeptuell und visuell besser werden, Herausforderungen meistern. 
Hornof: Dem kann ich mich nur anschließen. Ich denke aber auch, dass unser Weg wieder etwas weg vom Werbebereich gehen muss und wieder mehr in eine künstlerische und auch technisch weiterentwickelte Richtung. 

Sind Sie öfters im Lavanttal?
Sturm: Durchaus! Zumindest einmal im Monat bin ich im Lavanttal, wenn es der Zeitplan zulässt.
Hornof: Leider zu selten, aber kommenden Sommer vielleicht wieder öfter.  

Was vermissen Sie in Wien, das das Lavanttal zu bieten hat?
Hornof: Die Natur und die Ruhe. Wir haben unsere Büro momentan noch in der Neubaugasse, mitten im siebenten Bezirk. Da sind Grünflächen leider eine Seltenheit. 
Sturm: Seit 20 Jahren lebe ich in Städten, und so weiß ich das Lavanttal für seine Gelassenheit sehr zu schätzen. Ich vermisse es, die Berge vor der Nase zu haben und jederzeit hinauf fahren zu können, um den Ausblick zu genießen.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Hornof: Meine Freundin und ich sind sehr gerne in der Natur unterwegs: Im Winter auf Skitouren und im Sommer beim Wandern. Aber auch sonst sind sportliche Aktivitäten wie Laufen, Rennradfahren, Krafttraining und Boxen ein wesentlicher Bestandteil des Alltags.
Sturm: Gerade jetzt bin ich auch gerne in der Natur und viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ich kann es aber kaum erwarten, wieder zu verreisen, Konzerte zu besuchen und Fußball live im Stadion zu erleben: WAC schlägt Rapid vor ausverkaufter Kulisse, das wäre schön.

Herr Hornof, abschließend eine Frage an Sie: Ihr Vater führte  die Schlosserei Hornof, ein Wolfsberger Traditionsunternehmen. War es nie geplant, dass Sie den Betrieb übernehmen?
Hornof: Mein Vater hat vor zehn Jahren die Türen der Schlosserei geschlossen – nachdem sie als Traditionsunternehmen mehr als 140 Jahre in Betrieb war. Nun ist er in seine wohlverdiente Pension gewechselt. Die Schlosserei und Kunstschmiede zu übernehmen war natürlich im Gespräch, aber ich habe es nie als Zwang empfunden, in die Fußstapfen treten zu müssen. Dass mein Vater mir damals alle Freiheiten gelassen und mich unterstützt hat, schätze ich sehr. Vor allem mit dem Wissen, dass solche Themen in seiner Jugendzeit anders behandelt wurden. Natürlich könnte man nun darüber nachdenken, was wäre gewesen, wenn ich damals doch ...  Aber ich weiß, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben und freue mich auch, einen Geschäftspartner wie Patrick gefunden zu haben, mit dem ich auf mittlerweile 15 Jahre starke geschäftliche und freundschaftliche Partnerschaft zurückblicken kann. Zu zweit ist auch vieles einfacher.

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