Lisa Pulsinger: »Mittlerweile war ich auf allen Kontinenten außer Australien und der Antarktis« Ausgabe 31 | Mittwoch, 29. Juli 2020

Die in Wien lebende Wolfsbergerin Lisa Pulsinger (27) im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über ihre Reisen, die sie in 46 Länder geführt haben, Pläne für zukünftige Reisen und warum ein Business Technology Evangelist nichts mit Religion zu tun hat.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Bild links: Lisa Pulsinger vor der Golden Gate Bridge in San Francisco. Bild Mitte: Ein Dirndl aus der Heimat war bei der Südamerika-Reise mit dabei. Am Foto ist Lisa in Bogota (Kolumbien) zu sehen. Bild rechts: Pulsinger genießt das atemberaubende Panorama der Atacama-Wüste in Südamerika. Fotos: KK/privat

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Sie arbeiten für den Softwarehersteller »dox4« als Business Technology Evangelist? Was macht ein Business Technology Evangelist?Der Job ist sehr abwechslungsreich und hat, obwohl der Name anderes vermuten lässt, nichts mit Religion zu tun. Meine Aufgabe ist es, unseren Kunden und Partnern zu helfen, das Beste aus unserer Software für automatische Dokumentengenerierung zu holen. Das mache ich online: Produktdemos, Vorträge auf internationalen Konferenzen, Webinaren, Unterstützung bei Projekten, technische Weiterentwicklungen usw.  

Bereits mit 24 Jahren hatten Sie 24 Länder bereist. Wie viele sind es mittlerweile?
Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan – mittlerweile sind es 46 Länder.

Wo waren Sie überall?
Mittlerweile habe ich jeden Kontinent außer Australien und die Antarktis bereist. In Südostasien war ich mehrere Male, auf einer einjährigen Reise habe ich fast jedes Land in Südamerika besucht, vergangenes Jahr war ich in Guatemala und Belize und auch auf den Seychellen. Gelebt habe ich für einige Zeit in Singapur, Schweden, Dublin und Medellin. 

Was haben Sie dort gemacht?
Vor Corona war ich auch beruflich viel unterwegs, um beispielsweise Vorträge auf Konferenzen in Las Vegas, London, Barcelona, usw. zu halten. Alle außereuropäischen Länder besuche ich jedoch in meiner Freizeit. Ich liebe es, fremde Kulturen und Landschaften kennenzulernen und das köstliche, fremde Essen zu genießen. In Singapur war ich zum Studium, in Schweden für ein Praktikum, in Dublin habe ich zwei Jahre lang gearbeitet und in Medellin war ich, um Spanisch zu lernen. 

Sie haben in Singapur studiert. Welches Studium haben Sie absolviert und was war Ihre Tätigkeit in Dublin?
In Singapur war ich für mein Auslandssemester während des Studiums »Export Oriented Management« an der FH in Krems. Nach Dublin hat es mich nach dem Bachelorstudium verschlagen, und ich habe dort zwei Jahre lang für den Technologiekonzern Oracle gearbeitet. Mein Masterstudium habe ich dann später berufsbegleitend in Oberösterreich absolviert, »Digital Business Management« an der JKU und der FH Oberösterreich. 

Wie war das Studentenleben in diesen Städten?
Studieren in Singapur ist ganz anders als bei uns. Ich habe damals am Campus einer Universität mit 16.000 Studierenden gewohnt und hatte den Uni-Swimming-Pool, das Fitnessstudio, fünf verschiedene Kantinen und mehr rund um die Uhr zur Verfügung. Leider war das Leben in Singapur relativ teuer. Deshalb haben wir uns das Geld fürs Fortgehen lieber gespart und sind stattdessen günstig in andere Länder wie Thailand, Kambodscha, Vietnam, Malaysien, Indonesien (Bali), gereist.
Das Leben in Dublin im ersten Job direkt nach der Uni war toll. Es hat sich angefühlt wie Erasmus 2.0. Es gab junge Arbeitskollegen aus ganz Europa, nur mit dem Unterscheid, dass man sich das Fortgehen nun auch leisten konnte.

Sie haben ein Jahr »Karrierepause« eingelegt, um neue Länder zu erkunden? Wohin hat Sie diese Reise geführt?
Der ursprüngliche Plan war, die ganze Welt zu bereisen. Schlussendlich startete ich in Südamerika – und bin auch dort geblieben. Ich habe mir Zeit genommen, den ganzen Kontinent zu erkunden, mein Spanisch zu perfektionieren, in die Kultur einzutauchen und vieles zu erleben. Südamerika zu bereisen war schon immer ein Herzenswunsch von mir, und ich bin sehr glücklich, dass ich mir diesen Wunsch bereits erfüllen konnte. 

Waren Sie alleine unterwegs?
Ja, die meiste Zeit schon. Ich habe allerdings das Glück, durch meine vielen Auslandsaufenthalte ein sehr gutes weltweites Netzwerk an Freunden und Bekannten zu haben, und so habe ich in fast jedem Land jemanden getroffen, den ich bereits über Ecken kannte. Auch in Hostels findet man sehr schnell Anschluss. 

Können Sie uns ein paar Eindrücke von der Reise geben?
Südamerika ist ein so vielfältiger Kontinent, und ich empfehle jedem hinzufahren. Noch nie habe ich so viele freundliche, hilfsbereite Menschen mit derartiger Lebensfreude kennengelernt. Für Naturliebhaber ist alles dabei – so war ich zum Beispiel in der atemberaubenden Bergkulisse Patagoniens wandern, habe Anacondas im ecuadorianischen Amazonas beobachtet, unzählig viele Sterne über dem Himmel der Atacama-Wüste in Chile gesehen, Cocktails am weltberühmten Ipanema Strand in Rio De Janeiro getrunken oder auch viele kleine, bunte Kolonialdörfer in Kolumbien besucht. Die Liste könnte ich ins Endlose weiterführen … 

Haben Sie noch Kontakt zu den Menschen, die Sie auf dieser Reise getroffen haben?
Zu ein paar wenigen habe ich noch hin und wieder Kontakt, zum Beispiel zu einem Freund aus Brasilien und einer Freundin aus Argentinien. Ich bin nun schon seit knapp drei Jahren wieder in Österreich und da verläuft sich leider der Kontakt etwas. Aber es sind Freundschaften entstanden, bei denen man sich nicht immer hören lassen muss, um sich auch in Zukunft noch wertzuschätzen.

Sie hatten dabei auch ein Lavanttaler Dirndl mit und posteten zahlreiche Fotos damit. Was hatte es damit auf sich?
Ich habe damals einen Reiseblog gestartet, und da es 2016 schon viele davon gab, hat mir eine Freundin vorgeschlagen, dass ich mit dem Dirndl doch aus der Masse hervorstechen würde. Also habe ich im Dirndl vor dem Christo in Rio posiert, an der Karibikküste, am Macchu Picchu in Peru und so weiter. Würde ich die Reise noch mal machen, würde ich das Dirndl nicht mehr mitnehmen, damals hat es aber gut gepasst, und ich konnte vielen über Österreich erzählen, die es bis dato immer wieder mit Australien (Anm.: Austria vs. Australia) verwechselten. 

Sie haben viel von der Welt gesehen. Aber wo ist es am schönsten?
Das ist eine sehr schwierige Frage – denn jeder Ort ist auf seine Art und Weise schön. Müsste ich mir ein Land aussuchen, dann wäre es Kolumbien. Kolumbien bietet alles: Regenwälder, Wüsten, Gletscher, die Kaffeezone, süße, nette, bunte Dörfer, die Pazifik- und Karibikküste und auch die freundlichsten Menschen, die ich je treffen durfte.

Gibt es ein Land, das sie noch gerne bereisen würden?
Ganz weit vorne auf meiner Liste steht, eine große Wanderreise durch den Himalaya in Nepal zu machen. 

Gibt es bereits Pläne für weitere Reisen?
Aufgrund der jetzt schwierigen Situation stehen nur ein paar Tage Wandern in Südtirol und Kärnten an. Außerdem macht mich natürlich auch der Klimawandel sehr nachdenklich, und ich möchte die Anzahl meiner Fern- und Flugreisen deshalb in Zukunft auf ein Minimum reduzieren. Mit meinem heutigen Wissensstand rund um die Auswirkungen von Tourismus auf das Klima hätten meine Reisen vor ein paar Jahren wahrscheinlich auch anders ausgesehen.  

Sie arbeiten derzeit in Wien. Sind Sie noch öfters im Lavanttal?
Ja, ich komme alle zwei bis drei Monate auf Besuch zu meinen Eltern.

Sie haben zahlreiche Länder bereist. Was bedeutet das Lavanttal für Sie?
In der Ferne lernt man erst zu schätzen, wie schön es auch zu Hause ist. Daheim schätze ich die Zeit mit meiner Familie, das Lavanttal wird immer meine Heimat bleiben. Ich schätze die Natur – zum Beispiel die Wanderungen zum Ladinger Spitz und auch, dass die Regionalität im Tal noch sehr stark verankert ist und auch gelebt wird.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Im Sommer bin ich am liebsten draußen in der Natur – wandern, Sonne genießen, schwimmen. 

 

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich habe Yoga und Meditation für mich entdeckt, die zu meinen täglichen Begleitern wurden. Außerdem liebe ich es Dokumentationen zu schauen – über Reisen, gesellschaftskritische Themen oder unsere Natur. Ich lese auch sehr gerne, seien es Bücher, die mich zum Nachdenken und Reflektieren anregen, oder auch Romane auf Spanisch – da kann ich am Besten in schönen Erinnerungen schwelgen. 

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