Christian Konrad: Der Lavanttaler ORF-Mann, der die internationalen Top-Stars vor das Mikro holt Ausgabe 5 | Mittwoch, 29. Januar 2020

Christian Konrad (51) ist seit 2011 Ressortleiter Film in der Kulturabteilung des ORF. Mit den Unterkärntner Nachrichten spricht er über die Oscarverleihung und seine Favoriten in diesem Jahr. Außerdem erzählt er, was er vom deutschen Satiriker Jan Böhmermann hält.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Christian Konrad hatte Größen wie Peter Simonischek (großes Bild, links), der jahrelang in Salzburg den Jedermann spielte, oder Willem Dafoe vor dem Mikrofon. Fotos: KK/privat

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Sie haben nach der Matura klassische Gitarre an der Musikhochschule Wien studiert. Wollten Sie Musiker werden? 
Ja, das war ursprünglich mein Ziel. Ich wollte Musiker werden, aber kein Musiklehrer. Lehrer war nicht so mein Ding.

Und warum dann der Wechsel zum ORF? 
Meine zweite große Leidenschaft neben der Musik ist der Film. Ich konnte während des Studiums in den Ferien mehrmals ein Praktikum beim ORF, bei der damaligen Sendung »Kunststücke« machen, und das hat mir sehr gut gefallen. Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, gab es die Sendung leider nicht mehr. Ich habe mich trotzdem beim ORF beworben und fing im Jahr 1998 beim ORF an.

Wie ging es mit Ihrer Karriere beim ORF weiter? 
Ich war zunächst zwei Jahre im Kulturressort in der Filmabteilung bevor ich für sieben Jahre in das Musikressort wechselte. Im Anschluss war ich zwei Jahre lang Chef vom Dienst, ehe ich 2010 ins Filmressort der Kulturabteilung wechselte. Seit 2011 bin ich der Ressortleiter Film. 

Was sind Ihre Aufgaben? 
Ich bin der Verantwortliche dafür, über welche Filme und in welchem Ausmaß wir in den verschiedenen Sendeformaten wie »Zeit im Bild«, beim »Kulturmontag«, in der Matinee usw. berichten, führe Interviews und vieles mehr.

Wie treffen Sie die Auswahl, über welche Filme berichtet wird? 
Zum Teil geht es natürlich nach dem persönlichen Empfinden, was ich für gut und für relevant halte. Aber es ist klar, dass ich auch Filme nehme, die zwar nicht meinem persönlichen Geschmack entsprechen, aber relevant sind.

Also ist es ein Traumjob, den ganzen Tag Filme anzuschauen? 
Es ist ein interessanter und abwechslungsreicher Job. Es ist aber nicht nur das Filme anschauen, man muss sie auch analysieren. Und es ist nicht immer lustig, sich so viele Filme anzusehen, denn es gibt ja sehr viele schlechte Filme. Man trifft in diesem Beruf sehr viele beeindruckende und außergewöhnliche Menschen.

Was halten Sie von den Hollywood-Blockbustern? 
Es gibt schon einige sehr gute Blockbuster, wie die »Avengers«-Reihe oder die »Herr der Ringe«-Trilogie. Auch Quentin Tarantino macht immer wieder sehr erfolgreiche Filme, die hervorragend gemacht sind.

Der ORF hat eine starke Konkurrenz durch Privatsender und neuerdings auch durch Streaming-Dienste wie Netflix, Disney usw. Wie geht man dagegen vor? 
Das sind zwei Paar Schuhe. Gegenüber den privaten TV-Sendern haben wir bei der Berichterstattung klar die Nase vorne. Da ist der ORF über Jahrzehnte gewachsen und wird international anerkannt. Bezüglich Streaming und Video-on-Demand muss man sich einmal anschauen, welche Gesetze die neue Regierung erlassen wird, wie viel Video-on-Demand der ORF spielen darf usw. Aber das ist ein sehr wichtiges Thema, denn junge Menschen schauen nicht mehr linear, die wollen Video-on-Demand.

Am 10. Februar findet die Oscarverleihung in Los Angeles statt. Seit 2010 sind Sie jedes Jahr dabei, auch heuer wieder? 
Ja, ich werde wieder vor Ort sein, am 5. Februar fliege ich nach LA. 

Haben Sie irgendwelche Favoriten für die Oscars? 
Als bester Film hat der Tarantino-Film »Once upon a time« wohl die besten Chancen. Als besten Hauptdarsteller würde ich Joaquín Phoenix sehen, und für den Oscar für die beste Hauptdarstellerin  haben Renée Zellweger und Scarlett Johansson die besten Karten in der Hand.

Sie machen dabei die Interviews mit den Stars. Ist es schwierig, an sie heranzukommen? 
Interviews am Roten Teppich zu bekommen, ist sehr schwierig. Es bekommt jedes TV-Team nur eine bestimmte Zeit, der ORF hat gerade einmal 15 Minuten Zeit am Roten Teppich. Da braucht man schon sehr viel Glück, dass genau zu dieser Zeit die richtigen Leute vorbeikommen. 

Sie hatten in all den Jahren zahlreiche Stars aus Film und Fernsehen vor dem Mikrofon. Können Sie ein paar Namen nennen? 
Da gibt es so viele, wie zum Beispiel Brad Pitt, Bruce Willis, George Clooney, Angelina Jolie, Arnold Schwarzenegger et cetera.

Ihre Meinung von Arnold Schwarzenegger? 
Ich habe großen Respekt vor so einer Karriere. Man wird nicht ohne weiteres ein Filmstar und schafft es zum Gouverneur von Kalifornien.

Sind die Großen der Filmwelt umgängliche Interviewpartner? 
Die erste Riege ist sehr professionell, immer freundlich und nett. Wenn man nicht gerade über Beziehungen, Affären und solche Sachen redet, kann man mit ihnen über alles sprechen, über Umweltthemen, Politik oder Donald Trump. 

»Christopher Waltz kann kompliziert sein, ich komme mit ihm aber gut klar«
Christian Konrad, Ressortleiter Film ORF Kultur

Gibt es auch unangenehme Stars zum Interviewen? 
In der Regel nicht. Es ist natürlich eine Sympathiefrage. Mit Anthony Hopkins wurde ich nicht ganz warm. Aber es war auch ein Interview nach einem Film, der nicht gerade gut war, und da wollte er nicht darüber sprechen.  Christopher Waltz kann kompliziert sein, ich komme mit ihm aber gut klar.

Sie hatten den deutschen Satiriker Jan Böhmermann vor dem Mikro. Was halten Sie von ihm? 
Er ist ein hochintelligenter Mensch, der genau weiß, was er tut. Er will provozieren und versucht, die Grenzen auszuloten, wie weit man gehen kann. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit. 

Kommen Sie noch ins Lavanttal? 
Eher selten. Ich versuche zu den heiligen Zeiten, wie Ostern und Weihnachten oder auch im Sommer, ins Tal zu kommen. Meine Eltern und mein Bruder leben ja nach wie vor im Lavanttal. Außerdem schätze und liebe ich das Lavanttal.  

Sie sind viel unterwegs, Los Angels, Filmfestspiele in Cannes, bei der Berlinale. Könnten Sie sich vorstellen, in einer dieser Städte zu leben? 
Alle diese Städte haben etwas, aber ich bin immer wieder froh, wenn ich nach zwei, drei Wochen wieder zurück in die Heimat komme. Erst wenn man weg ist, lernt man das zu schätzen, was wir in Österreich haben, die Lebensqualität, die Natur, das Wasser aus der Leitung, die gute Luft.

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