Dechant Martin Edlinger: »Wichtig ist, dass auch weiterhin über den Zölibat nachgedacht wird« Ausgabe 9 | Mittwoch, 26. Februar 2020

Martin Edlinger (40), Dechant des Dekanates Wolfsberg und einst Bankangestellter, im Gespräch mit den Unterkärntner Nachrichten über den Zölibat, die Fastenzeit, die Marienerscheinungen in Bad St. Leonhard und warum man sich nicht von der Kirche abwenden soll.

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2018 wurden Sie mit 38 Jahren zum jüngsten Dechant Kärntens ernannt. Wollten Sie schon als Kind Priester werden?
Als Kind war ich begeisterter Ministrant in meiner Heimatpfarre Kolbnitz im Mölltal. Später war ich Pfarrgemeinderat, Wortgottesdienstleiter und leitete eine Jugendgruppe. All diese Aufgaben bereiteten mir große Freude. Der »Ruf Gottes« wurde immer stärker und im Alter von 25 Jahren entschied ich mich, ins Priesterseminar einzutreten.

Sie haben nach der Schule eine Lehre zum Bürokaufmann absolviert. Waren Sie danach auch in diesem Beruf tätig?
Nach Abschluss der Lehre zum Bürokaufmann absolvierte ich den Präsenzdienst beim Bundesheer in Spittal und verpflichtete mich für ein weiteres Jahr als Zeitsoldat. Danach arbeitete ich drei Jahre als Bankangestellter.

Wann kam die Entscheidung, dass Sie Priester werden wollen?
Im Alter von 25 Jahren entschied ich mich, meinen Beruf aufzugeben und Priester zu werden. Ich absolvierte im Canisiusheim in Horn in Niederösterreich einen Vorbereitungslehrgang und an der Universität Wien die Studienberechtigungsprüfung. Dann folgte das Propädeutikum, ein Einführungsjahr für Priesteramtskandidaten in Horn. Danach begann die Ausbildung im Priesterseminar der Diözese Gurk-Klagenfurt in Graz. Das Theologiestudium absolvierte ich an der Karl-Franzens-Universität Graz und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Was sagten Ihre Familie und Freunde zu dieser Entscheidung?
Es war ein ungewöhnlicher Schritt, den ich setzte. Meine Familie und Freunde akzeptierten meine Entscheidung und unterstützten mich, diesen Weg zu gehen, wenn es mein Weg ist. Viele bestärkten mich dabei. Zahlreiche Gebete begleiten mich bis heute.

Was ist das Schöne am Priesterberuf?
Das Schöne am Priesterberuf ist das Dasein für Gott und die Menschen, die Begleitung der Menschen in allen Lebenssituationen mit der frohen Botschaft unseres Glaubens, mit Jesus Christus den Menschen nahe sein.

Immer wieder wird die Aufhebung der Zölibats diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Von Beginn der Kirche an gab es Männer und Frauen, die sich entschieden, für die Liebe Christi unverheiratet zu bleiben. Und trotz der vielen netten Frauen und Männer, die sie heiraten könnten, versprechen einige, ihr Leben ohne sexuelle Beziehung zu leben. Sie entscheiden sich ehelos zu bleiben. 

Warum? Weil sie genau wie die ersten Jünger Jesus zu sich sagen hörten: »Folge mir nach!« (Mk 1,17). Ihre Beziehung zu Jesus ist stärker. Sie sehnen sich danach, mit ihrem Herzen, ihrer Seele und ihrem Körper nur ihm zu gehören.

Es gibt viele Beispiele von Priestern, Brüdern und Schwestern, die in ihrer Berufung vollkommen glücklich sind, und deren Leben voll ist von Verwandten, Freunden und Menschen, denen sie dienen. Gerade weil sie nicht verheiratet sind und sich nicht um eine eigene Familie kümmern müssen, sind sie frei für den Dienst überall dort, wohin Gott sie ruft, um das Evangelium zu verkünden.

In der letzten Zeit wurde in der Kirche immer wieder über die Lockerung des Zölibats diskutiert. Viele erwarteten sich von Papst Franziskus eine Stellungnahme. Die ist aber in seinem Schreiben ausgeblieben. Wahrscheinlich ist die Zeit noch nicht reif dazu. Wichtig ist, dass weiterhin darüber nachgedacht wird. Ich wäre auch dafür, den Zölibat in der Kirche freizustellen. Wenn sich ein Priester vorstellen kann, sich gleichzeitig als Priester und als Ehemann und Familienvater für Gott und die Menschen einzusetzen. Den Priestermangel würde dies wahrscheinlich auch nicht verändern.

Wie stehen Sie persönlich zur Ehe gleichgeschlechtlicher Paare?
Mit der offiziellen Lehre der katholischen Kirche bin auch ich der Meinung, dass nicht jede Form des menschlichen Zusammenlebens eine Ehe ist und als »Ehe« bezeichnet werden soll.  Nach katholischer Lehre ist eine Ehe eine dauerhafte Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau, die prinzipiell auch auf Zeugung neuen Lebens hingeordnet ist. Kinder zu haben ist allerdings kein Recht, sondern Geschenk. Grundsätzlich gilt gegenüber homosexuellen Mitmenschen, dass ihnen mit Achtung, Mitgefühl und Respekt zu begegnen ist. Wir haben nicht das Recht, sie in irgendeiner Weise ungerecht zurückzusetzen oder sie zu verurteilen.

Am Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Wie halten Sie es mit dem Fasten?
Die Fastenzeit ist eine gute Möglichkeit, sich mit Körper und Geist auf Ostern vorzubereiten. Ich möchte mir in dieser Fastenzeit mehr Zeit für Gott und die Menschen nehmen. Regelmäßige Bewegung, Essen und Trinken in Maßen und Verzicht auf Gewohntes machen die Sinne frei für die Begegnung mit Gott und den Menschen.

Wie stehen Sie zu den Marienerscheinungen des  Sehers Caputa?
Die so genannten Marienerscheinungen sind private Veranstaltungen, die von der Kirche nicht anerkannt sind. Die Kärntner Diözesanleitung hat dazu aufgerufen, nicht an diesen Veranstaltungen teilzunehmen. Daran halte auch ich mich.

Kärnten hat mit Josef Marketz einen neuen Bischof. Was halten Sie von ihm?
Mit der Kärntner Kirche freue ich mich über unseren neuen Bischof. Ich denke, mit Josef Marketz hat Kärnten einen Hirten bekommen, der, wie Papst Franziskus es einmal in einem Schreiben ausgedrückt hat, nach seiner Herde riecht. Bischof Marketz kennt die Kärntner Kirche, hat viel Erfahrung in verschiedensten Bereichen, stammt aus dem zweisprachigen Gebiet und weiß von seiner früheren Aufgabe als Caritasdirektor her um die Ränder der Gesellschaft.

Im Vorjahr sind in der Diözese Gurk 5.815 Personen aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Woran liegt es, dass immer mehr Menschen die Kirche verlassen?
Es ist eine gesellschaftliche Entwicklung, dass Menschen mit Glauben und Kirche immer weniger anfangen können. Viele glauben an Gott, brauchen aber die Institution Kirche dazu nicht mehr. Auch der Kirchenbeitrag mag für viele ein Grund sein, aus der Kirche auszutreten. In Kärnten haben viele die Situation der Diözese nach dem Wechsel von Bischof Schwarz nach St. Pölten zum Anlass genommen, die Kirche zu verlassen.

Wie kann man wieder mehr Menschen für die katholische Kirche gewinnen bzw. begeistern?
Alle Getauften sind eingeladen, sich mit ihren Fähigkeiten und Talenten im Leben der Kirche einzubringen. Die katholische Kirche hat so viele Vorteile und positive Seiten: Gemeinschaft, Spiritualität, Sakramente, Begleitung in allen Lebenslagen, Sozialeinrichtungen, Bildung, Kultur, christliche Werte, Weitergabe des Glaubens, Antworten auf die Sinnfragen des Lebens usw.

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, warum er Katholik bleiben soll?
»Wer glaubt, ist nicht allein!« Gemeinsam im Glauben unterwegs zu sein ist ein großes Geschenk, um in Jesus Christus und in der Gemeinschaft der Kirche Halt und Orientierung für den Lebensweg zu finden. 

Im Lavanttal gibt es mehrere christliche Freikirchen. Was denken Sie über diese Kirchen?
Alle glauben an Christus. Es ist wichtig, mit ihnen im Dialog zu sein.

Der Wolfsberger Pfarrer Christoph Kranitzki hat ein Treffen mit Vertretern der Lavanttaler Freikirchen organisiert. Was halten Sie von solchen Vernetzungstreffen?
Solche Treffen von Vertretern christlicher Kirchen und Freikirchen sind gut und wertvoll. Alle glauben an Christus. Das Gespräch miteinander und das Gemeinsame im Glauben zu finden sind wichtig.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Freikirchen?
Im Lavanttal hatte ich bisher noch nicht viel Kontakt mit Freikirchen. Grundsätzlich bin ich für Gespräch und Dialog. Mein Theologiestudium habe ich mit einer Diplomarbeit zum Thema »Ökumene in Kärnten«abgeschlossen.

1986 wurden Altarbilder aus der Kirche in Bad St. Leonhard gestohlen. 2016 wurden die Gemälde sichergestellt. Sind die Bilder wieder in Bad St. Leonhard?
Beim Kircheneinbruch 1986 wurden die vier Flügel des Altars gestohlen, sowie andere Heiligenfiguren und sakrale Gegenstände. Zwei der vier Flügel konnten Anfang der 1990er Jahre in Italien ausgeforscht, in Wien restauriert und 1993 am Annenaltar wieder rückgeführt werden. 2016 wurden in Italien vier Tafeln des Annenaltars wiederentdeckt und 2017 nach Österreich zurückgeholt. Nach einer fach- und denkmalgerechten Konservierung und Restaurierung wurden sie im Oktober 2018 wieder in der Kirche an der Wand hinter bzw. neben dem Annenaltar angebracht und am Leonhardisonntag im November 2018 feierlich gesegnet.

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