Magdalena Lobnig: »Die Olympischen Spiele zu verschieben war im Sinne des Sports richtig« Ausgabe 15 | Mittwoch, 8. April 2020

Die Völkermarkter Ruderin Magdalena Lobnig (29) sprach mit den Unterkärntner Nachrichten über die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio, den abgesagten Ruderweltcup und wie sie das heurige Jahr ohne Wettkämpfe über die Bühne bringen wird.

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Unterkärntner Nachrichten Redakteur Michael Swersina Von Michael Swersina m.swersinano@spamunterkaerntner.at
Lobnig hat nun ein Jahr mehr Zeit, um sich auf die Olympischen Spiele vorzubereiten. Allerdings wird es heuer kaum Wettkämpfe geben. Fotos: ÖOC/GEPA Pictures

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Wie geht es Ihnen?
Ich bin gesund und auch das Training läuft den Umständen entsprechend sehr gut. Ich habe bereits einige neue Bestwerte am Ergometer aufgestellt, freue mich aber auch schon wieder darauf, ins Boot zu steigen.

Sie waren mitten in der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Nun wurden diese wegen der Corona-Pandemie  auf das nächste Jahr ver-schoben. Was sagen Sie zu der Verschiebung?
Diese Entscheidung ist eine für die Gesundheit und im Sinne des Sports jedenfalls richtig. Die Situation mit der Coronavirus-Pandemie ist zu ungewiss, zu unsicher und auch unfair, weil die Bedingungen nicht für alle gleich sind. Menschenleben sind tausend Mal wichtiger als ein Sport-Event.

Was bedeutet die Verschiebung der Olympischen Spiele für Sie?
Ich sehe es mittlerweile sehr positiv: Erstens, dass es eine Verschiebung und keine Absage wurde, zweitens, dass ich jetzt ein Jahr mehr Zeit habe, um in Tokio bestmöglich an den Start zu gehen.

Wie verlief die Vorbereitung auf die heurige Saison?
Sehr gut. Ich war über die Winter-monate insgesamt vier Mal auf Trainingslager, bin von November bis Februar noch nie so viel im Boot gesessen. Die Arbeit mit meinem neuen Team hat viel Spaß gemacht und die Formkurve steil nach oben gezeigt.

Auch die Weltcuprennen wurden komplett abgesagt. Wie schaut nun Ihr Plan für heuer aus?
Es stimmt, bei uns wurden alle Weltcup-Regatten abgesagt. Aber es gibt noch die Hoffnung, dass wir im Herbst vielleicht die Europameisterschaften fahren. Hier könnte es in den nächsten Tagen eine Entscheidung durch die FISA (Anm.: Ruder-Weltverband) geben. Sollte es keine Wettkämpfe geben, werden wir in Völkermarkt welche simulieren, um im Sommer einen Höhepunkt und eine Standortbestimmung zu haben. Denn es wäre ein Fehler, jetzt das ganze Jahr nur Grundlagen zu trainieren.

Wie sieht Ihr Training derzeit aus?
Vormittags sitze ich meistens ein, zwei Stunden am Ergometer, da wechseln sich Grundlagentraining und Belastungen ab. Und am Nachmittag bin ich in meiner selbstgestalteten Kraftkammer in der Garage. Zum Glück sind die Geräte von meinem Partner Technogym noch vor der Ausgangssperre angekommen.

Was bedeutet der Stillstand für Sie?
Stillstand heißt für mich als Sport-lerin Rückschritt, deshalb habe ich versucht, mich möglichst schnell auf die neue Situation einzustellen. Ich sehe in der Olympia-Verschiebung auch eine Chance, denn jetzt habe ich die Möglichkeit, neue Reize zu setzen und im Training verschiedene Dinge auszuprobieren.

Wie wirkt sich der Ausfall der Saison finanziell aus?
Ich habe zum Glück treue Partner an meiner Seite, die mich schon über viele Jahre unterstützen und bereits signalisiert haben, dass wir den Weg bis Tokio bis nächstes Jahr fortsetzen. Und auch was die Förderungen betrifft, wurde von Seiten des Bundesheers, der Bundes-Sport GmbH und der Sporthilfe bereits signalisiert, dass die Unterstützung bis zu den Olympischen Spielen fortgesetzt werden soll.

Was machen Sie, um sich abzulenken?
Ein bisschen Spaß muss sein. Ich habe ein paar lustige Trainingssequenzen gefilmt und ins Netz gestellt – und hatte plötzlich mehr als 100.000 Aufrufe. Ansonsten habe ich mich dem Backen gewidmet. Mein Reindling-Rezept hat schon einige Nachahmer gefunden.

In Rio 2016 belegten Sie den sechsten Platz, ganz zufrieden waren Sie damit aber nicht, warum?
Wenn man bei den Olympischen Spielen ins Finale rudert, möchte man eine Medaille. Die Enttäuschung darüber, dass es nicht geklappt hat, war riesengroß. Aber dieses Rennen hat das olympische Feuer in mir entfacht, dass ich für eine Olympia-Medaille noch einmal vier Jahre lang alles gebe – oder jetzt eben fünf.

Eine Medaille ging sich im Vorjahr bei der Heim-Weltmeisterschaft leider nicht aus. Waren Sie enttäuscht?
Klar hätte ich bei der Heim-WM in Oberösterreich lieber um eine Medaille gekämpft, aber der Plan ist leider nicht aufgegangen. Der Quotenplatz für die Olympischen Spiele war aber doch eine kleine Entschädigung am Ende einer schwierigen Saison.

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